Hinterhältige Attacke

14. August 2013 20:50; Akt: 15.08.2013 09:10 Print

Schwuler tanzt nackt - Freund übel zugerichtet

von Deborah Sutter - Björn will das Motto «Dance for Freedom» der Street Parade konsequent umsetzen und macht sich an der Parade ganz frei - nicht für lang.

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950'000 Besucher feierten und tanzten an der diesjährigen Street Parade, grösstenteils friedlich. Für Björn (Name geändert) und seinen Freund hingegen nahm die Street Parade ein böses Ende.

Denn Björn entschied sich, nach fast 20 Jahren Parade-Erfahrung dieses Jahr auf ein ausgefallenes Kostüm zu verzichten. «Getreu dem Motto Dance for Freedom wollte ich in grösstmöglicher Freiheit abtanzen – und tauchte so auf, wie ich geboren wurde», erzählt Björn. Auf seiner Brust prangte das Motto der Parade in goldenen Lettern.

Blutüberströmt im Spital

Nach anfänglichen Hemmungen habe er dann auf der Quai-Brücke seine Speedos ausgezogen: «Es war unglaublich, wir hatten innert kurzer Zeit einen richtigen Fanclub um uns, der mit uns tanzte und feierte. Die Stimmung war absolut ausgelassen und friedlich.»

Doch als er sich etwas zu trinken kaufen ging, kam es zu einer wüsten Szene: «Wir standen vor dem Getränkestand, als ich plötzlich Wasser am Rücken spürte. Zunächst dachte ich mir nichts dabei, doch als dann auch ganze Flaschen geflogen kamen, wurde mir mulmig.» Steine, Büchsen, Dreck und üble homophobe Beschimpfungen seien in ihre Richtung geflogen. «Uns schlug nackter Hass entgegen. Mein Freund, der notabene die ganze Zeit eine Badehose getragen hatte, wurde von einer Bierflasche getroffen – innert kürzester Zeit war er blutüberströmt.» Beide hätten laut nach der Polizei gerufen, doch die Angreifer seien bereits wieder in der Menge verschwunden.

Die Street Parade verkommt zum Besäufnis

Im Sanitätszelt angekommen, war schnell klar: Die Wunde muss genäht werden. «Da die Zürcher Spitäler bereits überlastet waren, mussten wir nach Uster ins Spital fahren. Dort wurde die Wunde mit sechs Stichen genäht», so Björn.

Dass er nächstes Jahr wieder an der Parade auftauchen wird, ist unwahrscheinlich: «Ich bin so enttäuscht davon, dass die Street Parade mittlerweile zum allgemeinen Besäufnis verkommen ist. Die Stimmung war in den Anfangsjahren so friedlich und jeder lebte das Motto Tolerance, Freedom oder Respect. Heute sind viele derart aggressiv unterwegs, dass die Idee der Bewegung untergeht.»

Erlaubt ist, was nicht stört

Ihm sei bewusst gewesen, dass sein Adamskostüm an gesellschaftlichen Konventionen kratze: «Ich dachte, dass jemand vielleicht motzt oder so. Aber wenn Leute im Vollgummi-Fetisch-Kostüm herumtanzen dürfen, ist nackte Haut doch vergleichsweise harmlos», so Björn.

Rein rechtlich gesehen hat Björn denn auch nichts Ungesetzliches getan: «Wenn jemand nackt an einem Anlass wie der Street Parade tanzt, ist das nicht verboten - solange es niemanden stört», sagt Adrian Feubli, Sprecher der Stapo Zürich. Vom konkreten Vorfall habe die Polizei keine Kenntnis.