Vier Millionen ergaunert

13. November 2012 20:50; Akt: 13.11.2012 20:50 Print

Sechs Monate Gefängnis für Ex-Banker

Der türkische Kundenberater, der die Credit Suisse um vier Millionen Franken betrogen hatte, muss hinter Gitter. Von einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten muss er sechs absitzen.

storybild

Der Credit-Suisse-Banker verkaufte seinen Kunden «faule Wertpapiere». (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Der mittlerweile 41-jährige Ex-Banker musste sich wegen mehrfachen Betrugs im grossen Stil sowie mehrfacher Urkundenfälschung vor dem Gericht verantworten. Der Beschuldigte gab an, dass er trotz der Strafuntersuchung auch heute noch privat als Finanzberater tätig sei und pro Jahr rund 150 000 Franken verdiene.

Der türkische Staatsangehörige legte im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens ein umfassendes Geständnis ab. Er arbeitete seit dem Sommer 2005 als Kundenberater am Paradeplatz für die Grossbank Credit Suisse. Dabei betreute er in erster Linie Kunden aus der Türkei und empfahl diesen den Kauf von Aktien einer Gesellschaft namens Torex.

Den Ratschlag befolgten die meisten seiner Kunden. Doch die «faulen Wertpapiere» erwiesen sich als Nieten. Die Gesellschaft Torex ging im Sommer 2007 Konkurs und erlitt einen Totalverlust.

Vier Millionen Franken in einem Jahr ertrogen

Laut Anklage reagierte der Beschuldigte kriminell. Um die hohen Verluste zu vertuschen, zweigte er im September 2007 mittels gefälschten Zahlungsaufträgen rund 1,8 Millionen Franken ab und stopfte damit illegal die entstandenen Löcher.

Ein Jahr später wiederholte sich das Spiel, als ein weiterer vom Beschuldigten beratener Grosskunde nach Investitionen in Aktien und Bonds noch grössere Verluste erlitten hatte. Diesmal handelte es sich um über 2,2 Millionen Franken, die der CS-Kundenberater erneut widerrechtlich seiner Arbeitgeberin belastete. Im Frühjahr 2010 flog der Betrug auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch weitere 240 000 Franken abgezweigt.

CS will nur wenig Schadenersatz

Weil es zu einem abgekürzten Verfahren kam, wurde der Fall laut Bezirksgericht nicht ganz ausgeleuchtet. So wunderte sich der Gerichtsvorsitzende darüber, dass sich die CS mit dem Beschuldigten trotz der Millionenverluste auf einen bedeutend geringeren Schadenersatz von lediglich 350 000 Franken geeinigt hatte.

Laut Gericht blieb auch im Dunkeln, weshalb die Staatsanwaltschaft keine Ersatzforderung im Hinblick auf einen unrechtmässig erlangten Vermögensanteil gestellt hatte.

Sechs Monate unbedingt

Trotzdem segneten die Richter den von den Parteien vorgebrachten Urteilsvorschlag ab. Demnach wurde der Ex-Banker für schuldig befunden und zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt. Sechs Monate davon unbedingt.

Der Beschuldigte kann den unbedingten Teil der Strafe in Halbgefangenschaft verbüssen. Weil eine Befragung zur Sache entfiel, blieb das genaue Tatmotiv offen. Der Gerichtspräsident sprach zum Schluss von einer Strafe ganz am unteren Rand. Der Beschuldigte kann weiter seine Geschäfte tätigen.

(sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 14.11.2012 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skandalös

    4 Mio Schaden ist kein Klacks. Für so viel Geld eine 6 monatige Strafe in Halbhaft == Freiheit ist eine Frechheit! So langsam kommt da etwas Hass auf!

  • Schlendriani am 14.11.2012 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    Habe ich das richtig verstanden, er bleibt noch länger bei der CS beschäftigt? Das stärkt das Vertrauen in diese bereits angeschlagene Bank nicht gerade. Da muss der Kunde bevor er einem Berater traut erst einmal eine Leumunds Abklärung vornehmen. Arg nur noch Arg!

    • Jenny am 14.11.2012 16:44 Report Diesen Beitrag melden

      Lesen.

      Falsch verstanden. Er ist nicht mehr bei der CS

    einklappen einklappen
  • Heinz D. am 14.11.2012 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Paradies

    6 Monate Gefängnis für 4 Millionen, nicht schlecht diese Ausbeute. Die Schweiz ist ein Paradies für Kriminelle.

  • @myself am 14.11.2012 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kuscheljustiz

    Je mehr Geld einer ergaunert, desto milder die Strafe. Wahrscheinlich hatte er eine schwere Kindheit!

  • Luegisland am 14.11.2012 06:30 Report Diesen Beitrag melden

    Was wurde da wieder gebastelt?

    Wieder ein Beispiel der Justiz in der Schweiz. Wegen kleinen Vergehen wird man gehenkt, bei grösseren passiert gar nichts! Wäre der Fall aufgerollt worden, müsste die CS den betroffenen Kunden wahrscheinlich noch viel höheren Schadenersatz als die CHF 4 Mio bezahlen. Traurige Schweizer Bankenwelt!

Immobilien

powered by

Immobilien finden

PLZ
Preis bis
Zimmer bis

Nachmieter finden? Jetzt bei homegate.ch inserieren