Zürich

29. Mai 2018 07:01; Akt: 29.05.2018 08:27 Print

Securitas im Kispi-Notfall wegen aggressiver Eltern

Im Notfall des Kinderspitals bedrohten immer wieder aggressive Eltern das Personal. Deshalb stehen nun Sicherheitsleute im Wartebereich. Das kostet jährlich rund 100'000 Franken.

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Beinbrüche, Infektionen oder Platzwunden: An gewissen Tagen behandeln Pflegefachleute und Ärzte im Notfall des Universitäts-Kinderspitals Zürich junge Patienten im Akkord. Das bedeutet manchmal langes Warten, da liegen vor allem die Nerven der Eltern schon mal blank. «Dafür haben wir Verständnis. Schliesslich ist das eine enorme Stresssituation», sagt Notfall-Chefarzt Georg Staubli.

Allerdings hätten gewisse Erwachsene den Bogen überspannt. «Wegen der Wartezeiten wurden vor allem Männer aggressiv und bedrohten das Personal», so Staubli. Zwar sei es nie zu physischer Gewalt gekommen: «Aber wir mussten einige Male die Polizei rufen, damit sich die Situation beruhigt.»

Uniform wirkt beruhigend

Die Angestellten, die vorwiegend weiblich sind, hätten sich deshalb nicht mehr wohlgefühlt: «Wir führen zwar Deeskalations-Schulungen durch, doch das reicht nicht.» Deshalb steht ein Securitas-Mitarbeiter im Wartebereich. Präsent ist dieser vorwiegend von November bis Mai, wenn der Notfall besonders voll ist.

«Wenn nötig, kann er eingreifen», sagt Staubli. Das sei aber bisher kaum nötig gewesen: «Oft wirkt ein Gespräch klärend.» Und schon die alleinige Präsenz der Uniform wirkt: «Seither hat sich die Situation deutlich beruhigt.» Der Securitas-Einsatz im Notfall kostet rund 100'000 Franken pro Jahr.

Die dringendsten Fälle kommen zuerst

Letztes Jahr wurden im Notfall über 44'000 Kinder behandelt und es werden immer mehr: Pro Jahr steigt die Zahl der Patienten um 1000 bis 2000 an, so Staubli: «Die medizinisch dringendsten Fälle kommen zuerst dran – nicht die lautesten oder nach der Reihenfolge des Eintreffens auf der Notfallstation.»

Warum das Notfall-Personal im Kinderspital so viel zu tun hat, ist schwierig zu sagen: «Wir haben zwar mehr Patienten, die gar nicht zu uns müssten. Aber auch die ‹echten Notfälle› sind gleichzeitig angestiegen.» Zudem gebe es in der Region neue Notfall-Praxen, die ebenfalls aus allen Nähten platzten. «Wir freuen uns sehr auf den Neubau des Kinderspitals. Momentan fehlt es uns an Platz, so dass eine Personalaufstockung nur wenig Entlastung bringt.»

(som)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Donpascha am 29.05.2018 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Notfälle...

    Als ich letztes Jahr mit meiner Tochter am Sonntag in den Notfall zum nähen musste, weil sie eine platzwunde hatte, ist mir auch aufgefallen, dass es mehr Patienten hatte. Im Gespräch im Wartezimmer habe ich herausgefunden, dass einige Eltern wegen einem Husten etc. Am Sonntag in den Notfall gehen, weil sie dafür unter der Woche nicht frei nehmen wollen. Liebe Eltern, wenn euch die Arbeit wichtiger ist als die Kinder, dann setzt bitte keine in die Welt!

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  • Mogli71 am 29.05.2018 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überfüllter Notfall

    Es ist auch nicht sinnvoll wegen jedem Wehwehchen in den den Notfall zu springen... Es gibt auch noch Hausärzte. Ein grosses Dankeschön allen die im Notfall arbeiten!

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  • Jonas Renggli am 29.05.2018 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch??

    Diese Kosten können dann auch gleich die aggressiven Eltern übernehmen. Ein bisschen mehr Respekt würde nicht schaden!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fragesteller am 29.05.2018 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Infos

    wer sind denn die "gewissen Erwachsenen"?

  • Pflegefachfrau am 29.05.2018 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Securitas im Notfall

    Ich arbeite seit über zwanzig Jahren auf dem Notfall, in der Zeit hat sich vieles gewandelt! Die Leute haben nur noch wenig Respekt, wollen alles immer gleich sofort, Sonntagabend das Fünfsternedeluxeprogramm für Pillepalle! Kein Verständnis und keine Geduld mehr! Verbale und inzwischen auch körperliche Gewalt kommt immer öfter vor. Das geht von Anschreien über Schubsen bis hin zu Androhung rechtlicher Schritte. Es ist psychisch sehr anspruchsvoll und Resignation macht sich breit wenn man sieht wie viele Leute ihren gesunden Menschenverstand verlieren!

  • G. Perez am 29.05.2018 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schaut und denkt

    Es ist schon so, dass Zuzüger aus Gewohnheit wegen Allem und Jedem in den Notfall (Emergency Room) gehen. Man sollte diese das erste mal darauf hinweisen, dass in der Schweiz das so nicht funktioniert. Dann einen Vermerk bei der KK. Ab dann bei Nicht-Notfällen die ganzen Notfall-Kosten direkt den Verursachern aufbürden. Es geht doch nicht, dass wir alles für deren Nichtwissen und vor allem Nichtwollen durch unsere ständig steigenden KK Prämien bezahlen.

  • Mami am 29.05.2018 16:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lena

    Wie währe es mal mehr Personal einzustellen statt securita meine gühte. Vielleicht wahr bei diesem Fall nicht die schuld bei den Eltern sondern beim überlastenden personal

  • Thur Gauerli am 29.05.2018 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Notfall....

    Im Spital Münsterlingen mussten wir in der Notfallpraxis mit unserem Kindernotfall sehr lange warten. Die Arztsekretärin hat sich nach der Behandlung dauernd entschuldigt. Ich habe ihr gesagt: wir sind zu Fuss hier rein gelaufen, es ist keine Sache bei der es um Leben oder Tod geht - also ist es kein Problem. Sie war ganz erstaunt und hat sich mehrfach für das Verständnis bedankt und dass es wenige Leute geben würde die diese Einstellung hätten