Frauen-Nottelefon

15. Mai 2018 05:48; Akt: 15.05.2018 05:48 Print

Sie machen mit Facebook & Co Frauenleben zur Hölle

Männer überwachen Frauen mit GPS-Tracker oder machen sie auf Facebook fertig. Fälle aus der Beratungsstelle Frauen-Nottelefon.

Beispiele aus dem Alltag der Beratungsstelle Frauen-Nottelefon zeigen, wie mit elektronischen Medien das Leben der Opfer zur Hölle gemacht wird.
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Vergewaltigungen, Stalking, Körperverletzungen oder gar Tötungsversuche: Solche und viele andere Straftaten haben Frauen erlebt, die sich bei der Beratungsstelle Frauen-Nottelefon beraten lassen. 2017 haben Fachleute 813 Frauen geholfen, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht.

Auffällig sei, dass die vielfältigen digitalen Möglichkeiten, die es gibt, auch eingesetzt werden, um Gewalt auszuüben, sagt Kristin Murpf vom Leitungsteam: «Viele Opfer werden zunehmend via Social Media bedroht, verleumdet, verfolgt oder kontrolliert.»

«Viele kennen Handycode des Partners»

Einiges könne man aber auch durch einen sorgfältigen und verantwortungsvollen Umgang mit Social Media verhindern, sagt Murpf. Sie habe bei Schulungen festgestellt, dass es auch bei jungen Leuten üblich sei, dass der Partner als Vertrauensbeweis den Zugang zum Handy erhalte. «Dies schafft die Möglichkeit, dieses Vertrauen zu missbrauchen und zum Beispiel die Ortungsfunktion zu manipulieren.»

Folgende Beispiele aus dem Alltag der Beratungsstelle Frauen-Nottelefon zeigen, wie mit elektronischen Medien das Leben der Opfer zur Hölle gemacht wurde:

Frau wird mit GPS-Tracker geortet

Eine junge Frau wurde während ihrer Beziehung von ihrem eifersüchtigen Partner ständig kontrolliert. Als die 23-Jährige sich von ihm trennte, stiess er Drohungen aus und verfolgte sie auf Schritt und Tritt. Eines Tags fiel der Frau ein kleines Gerät unter ihrem Autositz auf. Ihr Ex hatte ihr Fahrzeug die ganze Zeit über mit einem GPS-Tracker geortet.

Frau erhält Anrufe von Freiern

Eine Frau erhielt Anrufe von Freiern, nachdem mit ihrem Ex Schluss war. Die Männer wollten ihre Dienste als angebliche Prostituierte in Anspruch nehmen. Ihr Ex hatte offenbar eine entsprechende Annonce auf einer einschlägigen Seite mit einer Nacktaufnahme von ihr, der vollständigen Adresse und Telefonnummer aufgeschaltet. Mit grossen Aufwand konnte das Opfer erreichen, dass das Inserat gelöscht wird. Doch die Angst bleibt, dass die Fotos auf einer anderen Plattform auftauchen.

Frau lässt sich aus Angst orten

Eine Frau wollte die Beziehung zu ihrem Freund beenden. Doch er schüchterte sie dermassen ein, dass sie sich dazu nicht traute. Der Freund drohte ihr sogar mit dem Tod, falls sie zur Polizei geht. Bei den Treffen kontrollierte er jeweils ihr Handy und checkte all ihre Chatverläufe. Aus Angst ermöglichte sie ihm sogar die Handyortung, sodass er jederzeit wusste, wo sie sich aufhielt. Erst nach mehreren Wochen wandte sich die Frau an die Polizei.

Frau leidet unter Fake-Profil auf Facebook

Eine Frau wehrte die sexuellen Avancen eines Mannes ab. Deshalb erstellte er ein Fake-Profil von ihr und beleidigte und beschuldigte sie via Facebook massiv. Sein Post mit Bildern von ihr verbreitete sich rasant. Das Opfer wird in der Folge sogar von Unbekannten auf den oft geteilten Post angesprochen. Die Frau schämt sich so sehr, dass sie Suizidgedanken hat. Sie versucht derzeit, das falsche Profil löschen zu lassen und zu erwirken, dass der Post nicht mehr aufgeschaltet wird. Das ist jedoch langwierig und kompliziert.

Frau wird mit Kameras überwacht

Ein Mann hat ohne das Wissen seiner Frau kleine Kameras in der Wohnung installiert, um sie zu überwachen. Ist seine Partnerin länger nicht in der Wohnung, ruft er sie an. Abends kommentiert und sanktioniert er jeweils ihr das Verhalten.

Frauen können sich bei der Beratungsstelle Frauen-Nottelefon gratis und vertraulich beraten lassen

(som)