Fragen geleakt

01. Juni 2018 14:19; Akt: 01.06.2018 15:03 Print

Skandal um Prüfung an der Universität Zürich

Die BWL-2-Prüfung an der Uni Zürich sorgt für rote Köpfe bei den Studenten. Die Fragen wurden vor der Prüfung in einem Forum geleakt.

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Schlaflose Nächte, Lernstress und Bangen um eine gute Note – die Studenten an der Universität Zürich sind in der Prüfungsphase. Am Donnerstagmorgen kam es für einige Studenten der Wirtschaftswissenschaften bei der BWL-2-Prüfung aber zu einer dicken Überraschung: «Die Prüfung war exakt dieselbe wie im vergangenen Jahr», sagt ein Student gegenüber 20 Minuten.

«Sind die Professoren wirklich so faul?»

Die Prüfung stand bereits im Voraus online auf dem Uniboard-Forum zur Verfügung. «Wer während der Lernphase also mit dieser Prüfung gelernt hatte, hatte am Donnerstag einen sehr entspannten Tag», so der Student.

Andere wiederum fühlen sich unfair behandelt: «Das kann doch einfach nicht sein. Sind die Professoren wirklich so faul, dass sie die Prüfungen immer und immer wieder verwenden? Die bekommen schliesslich ein gutes Salär.» Viele Studenten würden sich rechtliche Schritte überlegen oder hätten bereits Rekurs beim Dekanat eingelegt.

Auch der Fachverein Ökonomie (fvoec) kritisiert die Uni auf Facebook: «Eine Prüfung fast eins zu eins aus den Vorjahren zu übernehmen, ist schlicht und einfach unprofessionell, faul und der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät unwürdig.»

Wurde die Prüfung gestohlen?

Unter den Studierenden, die am Donnerstag die Prüfung absolvierten, war auch Camille Lothe, Präsidentin der JSVP Kanton Zürich: «Eigentlich ist es bekannt, dass immer wieder die gleichen oder ähnliche Prüfungsfragen gestellt werden. Viel brisanter ist die Frage, wie der Prüfungsbogen ins Internet gelangte.» Die Prüfungsbögen würden nämlich nach der Prüfung jeweils umgehend eingezogen.

«Also hat entweder ein Student die Prüfung gestohlen, oder jemand, der in der Prüfungsorganisation arbeitet, hat die Fragen geleakt», so Lothe. Sie sei sich aber sicher, dass man das bald herausfinden werde. «Beim Uniboard-Portal kann man sich nur mit dem Uni-Zugang einloggen – die wissen also, wer die Prüfung veröffentlicht hat», sagt die JSVP-Politikerin. Sie glaubt, dass die Prüfung nun wiederholt wird. «Es ist die einzig richtige Lösung – auch wenn das für alle, die gelernt und die Prüfung nicht gesehen haben, extrem unfair ist.»

Uni prüft rechtliche Schritte

Die Geschäftsführung des verantwortlichen Dekanats hat die Studenten bereits am Freitagmorgen via E-Mail informiert: «Wir wurden darüber in Kenntnis gesetzt, dass die letztjährige Prüfung vor zwei Wochen widerrechtlich online zur Verfügung gestellt wurde.» Man habe bereits etliche Anfragen erhalten, ob die Prüfung wiederholt werde. «Wir prüfen zurzeit die Sachlage mit allen involvierten Stellen und bitten um Verständnis, dass wir erst nächste Woche weiter informieren können», heisst es weiter.

Gegenüber 20 Minuten sagt die Co-Geschäftsführerin Monika Egli: «Wir bedauern die Situation sehr. Die Veröffentlichung der Prüfungsfragen war ein klarer Regelverstoss und wir werden rechtliche Schritte prüfen bezüglich der unerlaubten Veröffentlichung.» Es sei aber bereits klar, dass es sich nicht um deckungsgleiche Prüfungen gehandelt habe. «Die Hälfte der Fragen war neu oder angepasst worden gegenüber dem Vorjahr», so Egli. Dass es zu Überschneidungen von Prüfungsfragen kommen könne, sei im akademischen Umfeld üblich und zwecks Kontinuität und Sicherstellung des Anforderungsniveaus sinnvoll.

«Ich habe zwei Fragebögen bekommen»

Auf der Social-Media-App Jodel hat sich die vermeintlich für das Leak verantwortliche Person gemeldet. Mit dem Satz «What have I done» (Was habe ich getan) postete der Jodel-User ein Bild der Prüfung. Auf die Frage eines anderen Nutzers, wie man es geschafft habe, diese Prüfung mitzunehmen, antwortet die Person: «Ich habe zwei Fragebögen bekommen und habe halt einen mitgenommen.»

(wed)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Professor Faulheit am 01.06.2018 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten

    Was für ein Affentheater! Die Prüfung vom letzten Jahr war für jeden frei zugänglich auf Uniboard, ohne Lösungen. Auf einer Universitätsstufe ist es doch logisch, dass man mit alten Prüfungen lernt und ein Teil überschneidend ist bzw. sehr ähnlich. In diesem Fall war die Prüfung 80% wie die vom letzten Jahr, was natürlich ein hoher Anteil ist, mit Verschuldung der faulen Professoren und sicher nicht von den Studenten. Und kein Student wusste, dass die diesjährige Prüfung sehr identisch mit der letztjährigen Prüfung sein wird. Ich verstehe das Problem nicht. Alles in Ordnung!

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  • alumnus am 01.06.2018 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weltfremde uni

    also normalerweise erzählen die studenten älteren semesters ihren freunden sowieso, was für fragen kamen. dies benachteiligt studenten, die kein solches netzwerk haben. das veröffentlichen der letztjährigen prüfung ist also an sich fair. das problem sind schlicht die professoren, die sich jedes jahr nichts neues einfallen lassen. dass nun rechtliche schritte gegen den veröffentlicher eingeleitet werden, ist höchst bedenklich

  • BWL IIer am 01.06.2018 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ball flach halten

    Also 1. war die Prüfung nicht zu 100% identisch & halt auch keine Musterlösungen online, es wurde lediglich die Klausur vom letzten Jahr quf einer externen Plattform hochgeladen. Zweitens konnte ja niemand wissen, dass eine sehr ähnliche Klausur uns vorgelegt wird. Drittens, diejenigen, die gerade am Rumheulen sind und auch noch zur Zeitung gehen, haben diese Prüfung wahrscheinlich nicht bestanden wegen mangelnder Vorbereitung. Der Rest ist Neid.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rat Loser am 01.06.2018 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Berufsstolz?

    Wenn ich von Studenten gewisse Begebenheiten erfahre, dann wundere ich mich nur noch über den "Mut" dieser Lehrpersonen. Beispielsweise werden Folien präsentiert, welche offensichtlich aus den Anfängen der OHP-Aera stammen müssen.

  • Sergio am 01.06.2018 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Wahrscheinlich hatte man Angst, dass viele der Studenten durchfallen werden, weshalb man aus Gründen der Reputation der Uni Zürich, die Entscheidung traf die Fragen vorab zu "leaken".

  • lardeal am 01.06.2018 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SML IS LIT!

    Also an der SML lernen wir IMMER mit alten Prüfungen. Es gibt Studentenvereine, bei denen man Prüfungen von ehemaligen Studenten herunterladen kann. Unsere Dozenten raten uns sogar mit alten Prüfungen zu lernen... #guguuni

  • secnd am 01.06.2018 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Faul Faul Faul

    So viele gescheite Leute schiessen auf das Symptom anstatt die Ursache zu bereinigen. "Shoot the messenger". Es bringt doch nichts den veröfentlicher zu verklagen wenn die Lehrer zu faul sind neue Prüfungen zu schreiben (werden die nicht dafür bezahlt?). Jaja, die Fragen sind identisch weil blabla. Ausrede kann nicht geltend gemacht werden. Sind die Bereiche so spezialisiert dass es nur zwei Fragen gibt im jeweiligen Fach? Ein Fachgebiet dass sich nicht ändert scheint mir eh ein bisschen speziell. Oder gibt es in diesem Fachgebiet keine neue Erkenntnisse? Die Uni hat versagt Punkt.

  • B. Usiness am 01.06.2018 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so beim KV

    Nicht so beim KV. Wir verfassen jedes Jahr neue Prüfungen. Es kostet vielleicht etwas Geld, aber nur so kann man gerechte Prüfungen garantieren. Sind vielleicht Uni-Professoren zu faul?