Universitäts-Trailer

24. Juni 2017 19:10; Akt: 25.06.2017 09:48 Print

So buhlen die Schweizer Unis um Studenten

ETH, UZH oder doch HSG? Um einen ersten Eindruck zu vermitteln, präsentieren sich Universitäten in Image-Filmen. Seit neustem hat auch die ETH einen.

Die ETH präsentiert sich in ihrem neuen Trailer von ihrer besten Seite. (Video: ETH)
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Universitäten zeigen sich in diesen Filmen von ihrer besten Seite: Mit emotionaler Musik, grossen Zahlen und Schlagworten wie Innovation und Zukunft buhlen die Hochschulen um zukünftige Studierende. Ähnlich wie Werbefilme für Eliteunis aus den USA oder auch England präsentieren sich nun auch die meisten Schweizer Unis mit Image-Filmen.

Laut Thomas Ramseier von der Branding-Agentur Brandpulse können die Trailer zwei Sparten zugeordnet werden. Einerseits dem klassischen Image-Film, bei dem sich die Universität als Marke verkauft, und andererseits dem Erklärungsfilm, wie die Universität funktioniert oder ein typischer Tag dort aussieht. Das Vorzeigebeispiel für einen Image-Film sei der neue ETH-Trailer: «Er ist schnell geschnitten, lehnt sich an die Videos aus Social Media an und hinterlässt einen Eindruck», sagt der Branding-Experte. Zudem sei er für ein junges Publikum relevant und zeige die Kompetenzen der ETH eindrücklich.

ETH-Film soll Berührungsängste abbauen

«Wir wollten nicht so einen trockenen Film, sondern einen, der auch unterhaltsam ist», sagt Claudia Naegeli, Sprecherin der ETH. «Wir wollen zukünftigen Studierenden zeigen, was hinter den Mauern der ETH vor sich geht, und zudem Berührungsängste abbauen, die zukünftige Studenten vielleicht haben», erklärt Naegeli. Informationen zum Studien- und Forschungsangebot werden ebenso thematisiert wie die Anzahl der ETH-Nobelpreisträger – hinterlegt mit lockerem Ton und schneller Musik.


Die UZH setzt auf einen klassischen Image-Film. (Video: Youtube/uzhch)

Auch der Film der Universität Zürich (UZH) ist laut Ramseier ein Image-Film. «Der Imagefilm soll die Vielfalt der UZH in Forschung und Lehre kurz und attraktiv darstellen», sagt Beat Müller, Leiter der Media Relations der UZH. Im Film sieht man zwei junge Menschen, die zu klassischer Musik durch die UZH tanzen. «Tanz ist eine zeitlose Ausdrucksform, die ein breites Publikum anspricht. Die jungen Tänzer nehmen die Betrachter mit auf eine beschwingte Visite durch die Universität», erklärt Müller.

Eine Stimme aus dem Off liefert dazu ähnliche Fakten wie die, die auch im ETH-Film vorkommen: Studiengänge, die Zahl der Nobelpreisträger und den Wert für Wirtschaft und Gesellschaft. «Hier frage ich mich jedoch, ob Tänzer zu klassischer Musik relevant sind für zukünftige Studenten. Es wirkt alles etwas überinszeniert», sagt Ramseier.

HSG setzt auf Gefühle

Diese Kritik der Überinszenierung übt der Experte auch an dem Film der Universität St. Gallen (HSG). Dieser sei jedoch schwierig mit dem ETH-Film vergleichbar, da er zu der zweiten Gruppe gehöre: Statt einen Image-Film zu zeigen, geht es hier eher darum, die Studenten über den Studienalltag zu informieren. Anstatt Zahlen und Fakten zeigt der HSG-Imagefilm «Love, Loss and Other Lessons Learned» den Werdegang von zwei Studierenden an der HSG.

Das war auch das Ziel: «Uns war es wichtig, die persönliche Entwicklung während der Studienzeit zu zeigen. Die schien uns wichtiger für diese Studienzeit. Dafür eignet sich eine Geschichte am besten», sagt Markus Zinsmaier, der Projektleiter des Image-Films war. Der Film erzählt die Geschichte von Anna und Alex, die an der HSG studieren. Sie verlieben sich, Anna macht ein Auslandssemester, sie trennen sich und finden am Ende bei der Diplomverleihung doch wieder zueinander. Als Teil der Geschichte besuchen sie Vorlesungen, lernen in der Bibliothek und schreiben Prüfungen. Der Film gewann 2014 an den Cannes Corporate Media & TV Awards den Goldenen Delfin, den Preis für den besten Image-Film.


Alex und Anna studieren an der HSG (Video: Youtube/HSGUniStGallen)

«Insgesamt ist es interessant, zu sehen, dass die Videokommunikation für Schweizer Universitäten im Vergleich zu amerikanischen einen anderen Stellenwert hat», sagt Ramseier. Während die Youtube-Kanäle der ETH und der UZH 167 beziehungsweise 124 Videos haben, haben die Kanäle von Harvard und Yale je über 2500. Die englischsprachigen Elite-Unis haben auch häufig aus beiden Kategorien einen Film – einen Image-Film und einen Informationsfilm.


Der Informations-Film von Yale ist besonders kreativ (Video: Youtube/YaleCampus).

(bec)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • UZHler am 24.06.2017 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ETH

    Die ETH ist nicht umsonst immer in der Top 5 von Uni-Rankings. Wir können stolz auf die ETH sein, denn ohne die ETH wäre die Schweiz weniger attraktiv als sie ist. Die ETH ist zwar global ausgerichtet aber ohne globales Netzwerk kommt man in der Forschung nicht weit. Das ständige Akademikerbashing ist an den Haaren vorbeigezogen, als ob man sich schämen sollte, dass man einen Bachelor oder Master macht. Dieses Studium vs. Berufsbildung ist politisch motivierter Quatsch und verursacht bloss ein vergiftetes Klima, das so überhaupt nicht zur Schweiz passt.

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  • g.m. am 24.06.2017 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    Verflixt!

    Bin als UZH-Angehöriger gerade schon ein bisschen eifersüchtig auf den neuen Image-Film der ETH! Haben die schon gut gemacht.

  • Jason am 24.06.2017 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tipp an die Marketingabteilung

    Zeigt einfach heisse Studentinnen im Werbevideo und die Bewerbungen aus der ganzen Welt werden sich verzehnfachen ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pascal am 25.06.2017 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Lasst es sein

    Bitte hört auf mit diesen romantischen, überzeichneten Werbefilme, die zumindest unbewusst bei angehenden Studierenden falsche Erwartungen wecken können. Ein Studium ist nun mal etwas "trocken" und nicht so aufregend wie dargestellt. Aber ja, wie ich feststelle geht der Trend dahin, dass die Menschheit lieber in einer Traumwelt lebt. Was folgt als nächstes, Uni-Instagram-Accounts mit Photoshop-Bildern?

  • KM am 25.06.2017 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld Schweizer Unis

    Und warum denn bitte erhöhen diese besagten Top-Unis für Kandidaten, die einen Top-Schulabschluss aus dem Ausland vorweisen dermassen die Hürden? Fremdenfeindlich sind sie, dabei könnten die CH Unis sehr viel von mehr ausländischen Top-Studenten profitieren! Zum Beispiel wird niemand an die HSG gehen wollen, wenn er da trotz nachweisbarer Top internationaler Matur doch noch eine Aufnahmeprüfung machen muss. Vorher studierst du woanders! Selber Schuld, Schweizer Unis, wenn ihr nun mit gestellten Werbefilmchen um Studenten buhlen müsst! Überdenkt einmal euer Aufnahmekonzept

  • MeineHeimat am 25.06.2017 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon zuviel

    Was? Noch mehr Studierende. Wir Scheizer studieren und die die arbeiten holen wir aus dem Ausland.

  • Gina Muck am 25.06.2017 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ETH und Yale sind 2 Planeten wenn man die Videos s

    ETH (und die anderen Schweizer Hochschulen) bieten sicher eine hochwertige Ausbildung aber basierend auf den Videos muss zugeben, dass der Yale Spirit und das Campus-Konzept zum studieren mich mehr anziehen (obwohl ich kein grosser USA-Fan bin derzeit). Wenn ich nochmal die Wahl hätte wäre es Yale ... Netzwerke aufbauen während des Studiums und auch Spass haben, ist enorm wichtig.... und Professoren die voll integriert sind auch.

  • Mr. Paul Levy am 25.06.2017 01:08 Report Diesen Beitrag melden

    Super Unis in Zürich

    Habe meinen Bachelor an der UZH in Mathematik gemacht und meinen Master an der ETH. Wir können wirklich stolz auf unsere Unis sein. Die Zusammenarbeit zwischen der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der UZH und der ETH ist sehr eng, für die Neuroinformatik hat man sogar das gleiche Institut. .An beiden Orten habe ich ausgezeichnet gute Professoren kennengelernt.