Koks und Alkohol

22. Februar 2018 20:38; Akt: 23.02.2018 07:37 Print

Täter weiss nicht, warum er Sony S. erstochen hat

Ohne Grund wurde im März 2017 ein 19-jähriger Schaffhauser vor einer Bar in Konstanz erstochen. Der Täter beteuert, dass er das Opfer nicht umbringen wollte.

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Vor einer Shisha-Bar in Konstanz wurde im März 2017 der 19-jährige Schaffhauser Sony S.* erstochen. Die Hintergründe der Tat waren bislang unklar, unter anderem weil der Prozess am Landgericht Konstanz unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Bekannt war nur, dass es sich beim Täter um einen damals 17-jährigen Mann handelt. Ein damals 21-Jähriger steht als Mittäter vor Gericht.

Die Familie des Getöteten hat sich nun entschieden, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. «Der Täter hat nicht nur eine Person umgebracht, sondern eine ganze Familie», sagt der Vater der «Schaffhauser AZ». Die Zeitung zitiert aus Prozessakten, die sowohl Tathergang als auch die Vernehmung der Tatverdächtigen dokumentieren.

Er musste den Täter auf die Stirn küssen

Laut den Informationen der Lokalzeitung war S. in der Todesnacht mit seiner Freundin und einem weiteren Pärchen unterwegs. Weil in der Bar nichts los war, verliessen sie das Lokal gut eine Stunde später wieder. Ihnen folgten ein paar junge Männer, die zuvor am Nebentisch sassen.

Einer von den Männern zog ein Klappmesser aus der Jacke und bedrohte die Gruppe zusammen mit einem seiner Kollegen. Der Täter habe S. aufgefordert, ihn auf die Stirn zu küssen. Weil S. keine Probleme wollte, gehorchte er. Dann schlug der Mittäter dem Freund des Pärchens, mit dem S. unterwegs war, plötzlich ins Gesicht.

Täter schlug Mittäter einen Zahn aus

Als S. versuchte zu schlichten, stach der 17-Jährige mit seinem Klappmesser zu und traf S. in der Nähe der linken Schulter. Er schleppte sich blutüberströmt in die Bar. Im Gutachten der Obduktion steht wenige Tage später: «Todesursache: Blutungsschock infolge singulärer Stichverletzung.»

Beim Täter handelt es sich um Jonas G.*, der aus gutbürgerlichem Haus stammen soll. Er hatte das Gymnasium abgebrochen und war zum Zeitpunkt der Tat arbeitslos. Zudem war er bereits wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Den Mittäter habe der Messerstecher bei einer Schlägerei kennen gelernt, als er ihm einen Zahn ausschlug.

«Mutter war in desolatem Zustand»

Wie aus den Akten ersichtlich ist, weiss der Täter selbst nicht, warum er den ihm fremden Schaffhauser umgebracht hat. Der Verteidiger gibt an, dass die Mutter von G. in «desolatem Zustand» nach Hause kam. Daraufhin habe G. entschieden, mit einem Kollegen «einen drauf zu machen». Er habe viel Alkohol getrunken und Kokain konsumiert.

In der Konstanzer Bar habe der Kollege von S. dem Mittäter zugeraunt, er würde «seine Mutter ficken», so der Verteidiger. Als G. davon erfuhr, habe er beschlossen, ihm eine «Abreibung zu verpassen». G. gibt zu, dass er das Opfer tödlich verletzt hat, beteuert aber, dass er ihn nicht töten wollte. Es sei einfach Pech, dass er zu diesem Zeitpunkt das Messer in der Tasche gehabt habe.

Acht Jahre Haft gefordert

Die Staatsanwältin sagt, G. habe aus reinem Geltungsdrang und Machtdemonstration gehandelt. Möglicherweise habe auch der Frust eine Rolle gespielt, dass S. sich nicht auf eine Schlägerei einliess. Die Staatsanwältin fordert acht Jahre Haft, möglich sind bis zu zehn Jahre. Für den Mittäter fordert sie zweieinhalb Jahre Haft. Das Urteil wird am Freitag verkündet.

*Name der Redaktion bekannt

(tam)