Zukunft des Koch-Areal

10. Januar 2018 20:32; Akt: 11.01.2018 07:12 Print

Stadtzürcher haben beim Koch-Areal das letzte Wort

Private Überbauung oder gemeinnütziges Wohnen? Was bis 2023 auf dem zurzeit noch besetzten Koch-Areal entsteht, entscheidet das Volk.

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Zukunft ist noch offen: Das seit mehreren Jahren besetzte Koch-Areal in Albisrieden. (4. Oktober 2016) (Bild: Keystone/Str)

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Zwar ist das Koch-Areal in der Stadt Zürich noch besetzt. Aber 2023 soll das Areal umgestaltet sein - unter anderem mit Wohnungen. Für deren Bau hat das Stadtparlament heute die Weichen gestellt. Voraussichtlich im Juni muss sich noch das Volk dazu äussern - ebenso zur FDP-Initiative, die den Verkauf des Areals verlangt.

Auf dem rund 30'000 Quadratmeter grossen Areal sollen bis 2023 rund 350 preisgünstige Wohnungen, rund 16'200 Quadratmeter Nutzfläche für das Gewerbe und ein rund 13'200 Quadratmeter grosser, öffentlich zugänglicher Quartierpark entstehen. Das Areal wurde in drei Baufelder A, B und C und den Quartierpark unterteilt.

Am Mittwoch hat sich das Parlament nun mit den Wohnbaufeldern B und C beschäftigt, mit Abschweifungen zum Gesamtprojekt. Eine Mehrheit (SP, Grüne, AL, GLP, CVP) sagte schliesslich Ja zu Ausgaben von rund 42 Millionen Franken. Darüber muss auch noch das Volk abstimmen.

Konkret werden die Wohnbaufelder B (4700 Quadratmeter) und C (6850 Quadratmeter) vom Finanzvermögen ins Verwaltungsvermögen der Liegenschaftenverwaltung Zürich übertragen, damit sie anschliessend im Baurecht an die bereits bestimmten gemeinnützigen Bauträgerschaften abgegeben werden können. Für diese Vermögensübertragung per 1. Januar 2019 braucht es einen Objektkredit in der Höhe des aktuellen Buchwerts von 35 Millionen Franken.

Für die Projektierung der gemeinnützigen Wohnbauten bis zum Abschluss der Vorprojekte ist ein Projektierungskredit von knapp 7 Millionen Franken nötig im Sinne einer Eventualverpflichtung.

Votum über FDP-Initiative entscheidend

Die Genehmigung der Vermögensübertragung der beiden Wohnbaufelder vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen und die Genehmigung des Projektierungskredits für den gemeinnützigen Wohnungsbau stehen jedoch unter dem Vorbehalt, dass die FDP-Volksinitiative «Wohnen und Leben auf dem Koch-Areal» an der Urne abgelehnt wird.

Die Initiative will die Stadt verpflichten, das Areal an einen privaten Bauherrn zu verkaufen. Dieser könne das Gelände ebenso gut überbauen wie die vorgesehenen Bauträger. Wie der Stadtrat lehnte am Mittwoch auch die Mehrheit des Parlaments die Initiative ab.

Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) zeigte sich überzeugt, dass die Initiative eine «massive Verzögerung» für die Bebauung des Areals bringt. Das vorliegende Projekt hingegen sei eine grosse Chance für Zürich und das betroffene Quartier Altstetten-Albisrieden. Es entstehe ein Stück Welt, das allen etwas bringe, schwärmte ein SP-Politiker.

Die FDP hingegen sprach von einer verfehlten Liegenschaftspolitik auf Kosten der Steuerzahler. Unterstützt wurde die Partei von der SVP. Die CVP sprach sich auch für die Initiative aus, «weil der Steuerzahler eine Wahl haben soll». Ein Rückzug der Initiative steht nicht zur Debatte, wie FDP-Parteipräsident Severin Pflüger der Nachrichtenagentur sda sagte.

Weitere Koch-Areal-Vorlagen folgen

Die Realisierung des Gewerbehauses (Baufeld A) sowie des öffentlichen Quartierparks mit der schützenswerten Kohlenlagerhalle erfolgt unabhängig vom gemeinnützigen Wohnungsbau. Diese Vorhaben sind daher Gegenstand von separaten Vorlagen. Die vom Amt für Hochbauten ermittelten ungefähren Baukosten für die Realisierung der gemeinnützigen Wohnbauten, des Gewerbehauses und des Quartierparks betragen laut stadträtlicher Vorlage total rund 220 Millionen Franken.

Die Stadt Zürich hat das Koch-Areal 2013 von der UBS für 70,2 Millionen Franken gekauft. Es ist derzeit besetzt. Bis zum geplanten Baustart im Jahr 2021 sollen die Besetzer bleiben, der Stadtrat lehnt Räumungen auf Vorrat ab. Lärmklagen, die 2016 für mediale und politische Aufregung sorgten, sind nach dem Erlass von Regeln zurückgegangen.

(sep/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Helveticus am 10.01.2018 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Vetterliwirtschaft

    Ich habe etwas Mühe wenn die öffentliche Hand illegale Häuserbesetzungen toleriert, ja schlussendlich noch unterstützt. Insbesondere wenn die politische Ausrichtung der Besetzer mit der der Mehrheit der Stadtregierung / Parlament übereinstimmt, scheinen Verstösse gegen das bestehende Gesetz kein Problem zu sein. Staat / Kanton / Gemeinden, sind jedoch für alle Bürger gleichermassen verantwortlich und müssen die Gesetze unbedingt einhalten respektive durchsetzen. Alles andere ist Vetterliwirtschaft!

  • Kopfweh Zürcher am 10.01.2018 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    Zürich der Moloch

    In Anbetracht dessen, dass die Söhne und Töchter der Stadträte, Familie Wolf und so... sich nicht eine neue Unterkunft suchen müssen, sollte der zustand des Koch Areals so bis 2050 beibehalten werden, bis dann sollten sie aus der Pubertät gekommen sein und in der Stadtzürcher Politik auch ein Plätzchen gefunden haben!

  • Anonym*s am 10.01.2018 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sohn des Polizeivorstehers

    Da muss man sich nicht wundern, dass gegen die Besetzung noch nichts unternommen wurde, wenn mind. ein Sohn des Polizeivorsteher da sein unwesen treibt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hildi am 13.01.2018 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Und warum dauert das so lange??!!

    ...bis das Land ENDLICH für die Allgemeinheit gewinnbringend genutzt wird? Ist ja wohl klar, dass da mit jedem Jahr das verstreicht, ein VERMÖGEN verschwendet wird, des Steuerzahlers Vermögen! Wird eigendlich jeder, der es in der Politik an die Spitze bringt zum Ar....loch???

  • Zürileu am 13.01.2018 00:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wehrt euch!

    Sicher nicht das Abzockemodell der FDP. Für städtischen Wohnraum!

  • sagsdirekt am 12.01.2018 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Über Verbrechen abstimmen

    Ich lach mich kaputt. Zürich stimmt ab ob die Stadtratssöhne raus müssen. Natürlich müssen sie das nicht nicht denn Zürich duldet ja immer alles was der Steuerzahler berappen muss. Vielleicht müsste man sich mal klar sein dass vor einer Besetzung immer ein Verbrechen vorausgeht indem man nämlich die Türen aufbricht.

  • Timothy am 11.01.2018 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Langsam wünsche ich mir ..

    ... , dass im Kochareal eine verschollene Giftmülldeponie entdeckt wird. Das Areal würde geräumt, mit einer hohen Mauer umgeben und ein unzugänglicher Urwald würde entstehen. Beim Leutschenbach funktioniert dies prima mit dem alten Kugelfang. Ein Ort ohne Menschen, Ein Ort ohne Funktionen. Leisten wir uns doch diesen Luxux!

    • Nationless am 11.01.2018 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Timothy

      Und für was sollte das mitten in der Stadt gut sein? Ein idyllischer Erholungsraum wird es deswegen nicht. Es ist nur eine Landverschwendung und Verzehrung von Bauland/Verdichtungsland erster Güte was wiederum das Bauland in Zürich und so das Wohnen verteuern lässt. Das Zauberwort heisst Verdichtung mit 9-20stöckigen geschlossenen Blockränder analog Glattpark oder Limmatfeld in Dietikon.

    • Timothy am 11.01.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Nationless

      Natürlich haben Sie recht! Die ganze Welt und die kommenden Generationen danke für Ihren Pragmatismus! Es muss immer alles nutzbringend, ethisch, vernünftig und mehrheitskonform sein. Ehrlich gesagt, ... es könnte gut sein, dass ich am Ende noch das Lager wechsle und in meinen alten Tagen im Koch Areal einziehe! Mea Culpa

    • Nationless am 11.01.2018 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Timothy

      Nutzbringend und Vernünftig muss es insbesondere in der Stadt sein da andernorts es auch längstens ist und die Stadt diese Hauptfunktion als Wettbewerb innehaben muss. Ethisch? Es gibts nichts Unethisches sofern es keine Verhältnisse von Leibeigenschaft, Kinderarbeit und Menschenhandel entstehen. Ist es denn ethisch Stadtflächen zu unnützig zu reservieren und so Wohnraum zu verteuern und den Siedlungsdruck immer weiter ins Umland zu fördern? Das was du unethisch meinst ist doch eher die Einschränkung von Sonderwünschen von Verwöhnten.

    • Timothy am 11.01.2018 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      @Nationless

      Chapeau, das hat wohl gesessen! Wann darf ich Sie zum Friedensnobelpreis gratulieren?

    • anwohner am 11.01.2018 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Timothy

      der boden ist kontaminiert und wie sich schon bei der binz zeigte: unkraut vergeht nicht!

    einklappen einklappen
  • Walter Meier am 11.01.2018 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Karl Popper

    Man lese Karl Popper, bezüglich Demokratie. Dann stehen keine Fragen mehr offen. Also tu was Du willst und lass dich nicht erwischen. Oder nach Asterix mit dem Formular A38. Schlag Sie mit den eigenen Waffen. Dann braucht es auch keinen weiteren Kredit, der wieder das Weihrauch umnachtete Volk berappen soll.