Langnau am Albis ZH

21. April 2017 05:44; Akt: 21.04.2017 10:20 Print

Streit um Waschplan unter Männern artet aus

In einem Mehrfamilienhaus stritten sich zwei Mieter um das Einhalten des Waschplans. Sogar ein Pfefferspray kam zum Einsatz. Ein Fall fürs Zürcher Obergericht.

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Das Zürcher Obergericht befasste sich am Donnerstag mit einem ungewöhnlichen Fall. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Streit in der Waschküche gehört schon beinahe zum Schweizer Kulturgut. Dass sich zwei Männer über einen Waschplan streiten und dabei sogar handgreiflich werden, wie dies im Sommer 2015 in einem Mehrfamilienhaus in Langnau am Albis geschah, ist jedoch auch für hiesige Verhältnisse eher ungewöhnlich. Am Donnerstag musste das Zürcher Obergericht in diesem Fall ein Urteil fällen.

Die Vorinstanz, das Bezirksgericht Horgen, hatte den 35-jährigen Gärtner und IV-Rentner W. wegen Tätlichkeit zu einer Busse von 1000 Franken verurteilt. Seinen Widersacher, der 45-jährige Carrosseriespengler B., hatte das Bezirksgericht der einfachen Körperverletzung schuldig befunden und ihn zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 140 Franken verbrummt. Beide Männer legten Berufung ein.

Bevor die Verhandlung am Zürcher Obergericht begann, versuchte Richter Rolf Naef an die Vernunft der beiden Männer zu appellieren: «Sie wurde beide von der Vorinstanz verurteilt, sie können aber beide die Strafanträge noch zurückziehen und damit mehrere tausend Franken sparen», erklärte Naef den Angeklagten und schickte sie zusammen mit ihren Verteidigern für zehn Minuten aus dem Gerichtssaal, in der Hoffnung, die Parteien würden sich ohne Gerichtsverfahren einigen – ohne Erfolg. Nach wenigen Minuten der Beratung betraten die Angeklagten und ihre Verteidiger erneut den Gerichtssaal, sie bleiben bei der Berufung.

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Nicht im Waschplan eingetragen gewesen

Der Waschplan-Streit musste also auch vor Obergericht verhandelt werden. Wie bereits bei der Verhandlung am Bezirksgericht stand Aussage gegen Aussage. Unbestritten ist, dass die Auseinandersetzung damit begann, dass die Bewohnerin S. ihre Wäsche waschen wollte, obwohl sie an jenem Samstagnachmittag nicht im Waschplan eingetragen gewesen war. S. ging in der Waschküche auf ihren Nachbarn W. zu und fragte, ob sie die Waschmaschine benutzen könnte. W. war jedoch selbst am Waschen und verneinte die Frage.

Daraufhin ist S. in die hintere Waschküche gegangen, wo der 45-jährige B. gerade mit seiner Wäsche fertig war. Dieser erlaubte S. nach ihm die Waschmaschine zu benutzen und begann mit S. über W.s strickte Einstellung bezüglich des Waschplans zu diskutieren. Die beiden Angeklagten haben verschiedene Versionen davon, was danach geschah.

«Abgelästert»

Gemäss W. habe er aus der anderen Waschküche gehört, wie die beiden über ihn «abgelästert» haben. Er wollte daraufhin die beiden zur Rede stellen, wobei ein Wortgefecht zwischen ihm und B. entstand. Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis soll W. in der Folge einen Pfefferspray gezückt und damit seinem Kontrahenten ins Gesicht gesprayt haben. Der kleinere aber kräftiger gebaute B. soll seinen Angreifer daraufhin gepackt und ein paar Treppenstufen hinunter gestossen haben, was bei W. zu leichten Verletzungen, unter anderem am Kopf, geführt habe. Beide Parteien bestreiten jedoch diesen Sachverhalt.

Laut dem Verteidiger von W. sei die erste Aggression von B. ausgegangen. Sein Mandant habe sich lediglich für die korrekte Einhaltung des Waschplans eingesetzt und dies sei nun mal nicht strafbar. W. leide an kognitiven Einschränkungen und habe den Pfefferspray aus Notwehr gezückt. Der Anwalt von B. machte jedoch geltend, dass W. schon davor durch sein Verhalten bei anderen Bewohnern des Mehrfamilienhauses negativ aufgefallen sei. Die Verwaltung hat W. inzwischen gekündigt. Sein Mandant habe W. nicht angegriffen, sondern ihn lediglich nach der Pfefferspray-Attacke auf die Seite gestossen um nach draussen zu kommen. Die Kopfverletzungen habe sich W. entweder absichtlich selbst zugefügt oder er habe vom Pfefferspray vernebelt seinen Kopf irgendwo angeschlagen. Beide Verteidiger forderten einen Freispruch für ihre Mandanten.

Einen Freispruch gab es dann am Obergericht tatsächlich. Da strittig ist, wer zuerst tätlich geworden ist und nicht klar ist, wie sich W. die Kopfverletzung zugezogen hatte, wurde B. im Sinne von im Zweifel für den Angeklagten freigesprochen. W. wurde jedoch wegen der Nutzung des Pfeffersprays der Tätlichkeit schuldig gesprochen und muss damit die Hälfte der Gerichtskosten zahlen, die andere Hälfte geht auf Kosten der Gerichtskasse. Die Busse von 1000 Franken wird auf Antrag seines Verteidigers in gemeinnützige Arbeit umgewandelt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. «Schön wie weit wir es mit der Emanzipation gebracht haben», witzelte Richter Naef vor der Urteilsverkündung. Ein Gericht mit vier Männern müsse nun über den Waschplan-Streit zweier Männer urteilen. «Ich bin einmal mehr froh, habe ich eine eigene Waschmaschine», so Naef.

*Namen der Redaktion bekannt

(mor)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 21.04.2017 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waschmänner

    Als wenn es keine weiteren Probleme gibt. Einfach lächerlich. Zeigt wie tief Teile unser Wohlstandsgesellschaft schon gefallen sind.

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  • alex s. am 21.04.2017 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schmunzel, schmunzel

    .genau um sowas zu vermeiden habe ich eine eigene waschmaschine in dee küche. Ausserdem ist mir das treppensteigen vom dachstock (4.) in den keller zu mühsam, da im altbau kein lift vorhanden ist. und, di maschine ist immer sauber. ich weiss, nicht alle haben diese möglichkeit.

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  • marko 32 am 21.04.2017 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blödheit

    Kinder

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Waschküchensheriff am 21.04.2017 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz normaler Alltag...

    ....logisch gehe ich jedesmal mit einem Pfefferspray bewaffnet meine Wäsche waschen! (8-tung Ironie)

  • Claudine1 am 21.04.2017 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Alter Zopf

    Das Waschküchenproblem besteht schon seit Jahrzehnten. Dieses Problem wäre jedoch gelöscht, wenn in jeder Wohnung ein Waschturm oder eine kleine Waschmaschine angeschlossen werden würde. Die Waschküche ist sowieso ein alter Zopf.

  • Marianne K. am 21.04.2017 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Waschküchen Problem

    der IV RENTNER könnte ja den Tag durch waschen, er hat ja genug Zeit. Und die Waschküche denen die Arbeiten am Abend und Wochenenden frei halten. Was ja nur logisch ist, alles andere ist Kindergarten vom IV RENTNER aus. Wenn andere über ihn reden sollte er zuhören und wenigstens darüber nachdenken, ob er im Fehler ist.

    • independer am 21.04.2017 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      Bravo, ganz Ihrer Meinung!

      Ich bin zwar nicht IV-Rentner. Aber ich bin Einzelperson und arbeite Schicht. Ich habe mich noch nie eingetragen. Einfach, um es denen leichter zu machen, die nicht so flexibel sein können. Weshalb soll ich denn volle 5 Stunden reservieren? Ich schmeisse die Wäsche kurz unter der Woche ein, wenn niemand eingetragen ist oder in der letzten Stunde vor der Nachtruhe. Wenn dann keiner mehr da ist, kann ja auch keiner mehr kommen und der eingetragene Mieter hat offensichtlich bereits fertig gewaschen. Im schlimmsten Fall wasche ich halt eine Woche mal nicht und dafür in der zweiten etwas mehr.

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  • Min20 am 21.04.2017 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einsicht

    Ich weiss jetzt wo die eigentlichen Gefahren des Lebens lauern. Es sind die Waschmachbarn.

  • Bettina am 21.04.2017 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein heikles Thema!

    Ich wohne in einem siebenstöckigen Haus. 14 Parteien müssen sich eine Waschmaschine und einen Tumpler teilen. Es besteht ein Waschplan. Nach diesem kann jeder nach 2,5 Wochen einen Tag waschen. Das brachte und bringt unweigerlich Probleme mit sich. Eine eigene Waschmaschine in der Wohnung zu haben ist hingegen laut Reglement in diesem Haus ein Kündigungsgrund. Ob dies auf einer rechtlichen Grundlage basiert, entzieht sich meiner Kenntnis. In der Vergangenheit gab es oft Probleme: Wäsche wurde aus der Maschine genommen, weil eine Dame (nicht mehr berufstätig) voll im Stress war/ ist. Zwei Frauen gingen sich auch mal in die Haare. Beiden Parteien wurde die Wohnung gekündigt. Eine Wohnung mit einer eigenen Waschmaschine ist in meinen Augen kein Luxus, sondern eine dringende Notwendigkeit, schon aus hygienischer Sicht.

    • CherryDarling am 21.04.2017 11:26 Report Diesen Beitrag melden

      Merkwürdige Klausel

      Ich würde beim Mieterschutz nachfragen, ob dieser Kündigungsgrund wirklich rechtens ist, theoretisch darf doch jeder Mieter seine eigenen Maschinen zu Hause benutzen, wenn er das will, die Wasser- und Stromkosten werden ja letzten Endes sowieso durch ihn bezahlt?

    • alice.gurini am 21.04.2017 12:26 Report Diesen Beitrag melden

      es Läuft und Läuft

      haben Sie schon mal eines erlebt das Wasser Läuft und Läuft die Treppen herunter und man kann nicht rein und da sind 2 Kleinkinder in den Bettchen !am Boden war eine Steckdose ?Panik pur wenn Die aus den Bettchen gegangen wären !bis die Feuerwehr kam !also das Passiert wenn man deas Sieb vergisst reinzuschrauben oder zu wenig reinschraubt !und Die Nachbarin in Ausgang geht?

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