Stadt Zürich

10. November 2017 05:44; Akt: 10.11.2017 05:44 Print

Sturz vom Beizen-Stuhl – Gast zieht Wirt vor Gericht

Ein Gast beschuldigte den Wirt, nachdem er in einem Restaurant vom Stuhl gestürzt war und sich den Arm gebrochen hatte. Das Obergericht schmetterte seine Klage ab.

storybild

Von einem Gast müsse man erwarten können, dass er wisse, wie man sich auf Pflastersteinen richtig hinsetze, findet das Zürcher Obergericht. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Apéro am Zürcher Seebecken endete beim Arzt: Ein Mann setzte sich im vergangenen April in ein beliebtes Gartenrestaurant in der Nähe des Bellevues. Als er auf dem Klappstuhl sein Körpergewicht verlagern wollte, geschah das Unglück.

Umfrage
Was halten Sie vom Entscheid des Obergerichts?

Ein Stuhlbein rutschte in eine Fuge des Pflastersteinbodens, der Stuhl kippte um, der Gast landete auf dem Boden. Das Resultat war ein mehrfacher Bruch des Oberarms.
Für den Gast war schnell klar, wer an diesem Unfall schuld war: der Wirt, der nicht für einen ebenen Untergrund gesorgt und darüber hinaus auch nicht auf die Unebenheiten aufmerksam gemacht hatte. Da müsse man doch ein Warnschild aufhängen. Er reichte Strafanzeige ein wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen.

Normale Pflastersteine

Für die Staatsanwaltschaft war jedoch klar, dass den Wirt keine Schuld trifft. Seine Aufgabe sei es, eine gute und hygienische Mahlzeit zu servieren, aber nicht irgendwelche Gefahren abzuwehren, die er nicht selber geschaffen hatte. Die Staatsanwaltschaft entschied deshalb, keine Strafuntersuchung einzuleiten.

Dies wollte der verunfallte Gast jedoch nicht akzeptieren und gelangte ans Obergericht. Allerdings muss er auch hier eine Niederlage einstecken, wie aus dem Urteil hervorgeht.
Sein Sturz vom Stuhl sei zwar bedauernswert und unerfreulich, schreibt das Obergericht in seinem Urteil. Der Wirt habe sich aber nicht strafbar gemacht. Ein Strafverfahren sei nicht angezeigt.

Beim Boden handle es sich um normale Pflastersteine. Die seien etwas uneben, was aber allgemein bekannt sei. Von einem Gast müsse man erwarten können, dass er seinen Stuhl unter diesen Voraussetzungen richtig platziere und sich entsprechend vorsichtig darauf bewege.

Warnschild ist übertrieben

Ein Warnschild anzubringen hält das Gericht für übertrieben. Die Gefahr des unebenen Bodens sei für den Gast ja offensichtlich. Da brauche es kein Schild. Der Wirt habe somit auch die Sorgfaltspflicht nicht verletzt.
Alles mit Hinweisschildern vollzuhängen ist für das Gericht ohnehin prinzipiell der falsche Weg. Je mehr Hinweise, desto weniger würden diese beachtet.

Weil seine Beschwerde auch in zweiter Instanz erfolglos blieb, muss der Gast die Gerichtsgebühren von 1500 Franken übernehmen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verunfallte kann es noch ans Bundesgericht weiterziehen.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • basrouge am 10.11.2017 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hirn on

    Dass sich Gerichte überhaupt mit solch unsinnigen Anklgen beschäftigen ist auch sehr fragwürdig. Dieser Herr sollte sich in Zukunft mal das Wort Selbstverantwortung von jemandem erklären lassen, auch Hirn einschalten hilft einem durchs Leben.

    einklappen einklappen
  • Sehnsucht 6 7 am 10.11.2017 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    korrekt

    Dieser Mann hat Zeit für solch unsinnigen Klagen. Sorry aber da ist er ganz selber schuld wenn er unfähig ist auf einen Stuhl zu sitzen. Der Gerichts Entscheid ist völlig korrekt.

  • Typhoeus am 10.11.2017 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein typischer

    Nörgler. Er hat ja wohl gemerkt, dass der Boden uneben war.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan am 10.11.2017 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    selber zahlen

    In Oesterreich nennt man solche Personen (treffend) Prozess-Hansel. Hoffentlich muss er die ganzen Kosten des Verfahrens selbst tragen. Leider nehmen solche Fälle zu, die Eigenverantwortung wird aber auch von Staates wegen abgebaut, was ich als falsch erachte.

  • Pittimus vom Moränenhügelland am 10.11.2017 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin kein Zappelphilippinchen

    Ich, female und nicht Schwergewicht, überlege immer vorher und kläre ab ob ein Stuhl mich tragen möchte, sonst lass ich ihn gerne im Regen stehn. Unseren Kindern brachten wir vor allem auch bei, dass die Geschichte wie beim "Zappelphilipp", böse enden kann.

  • Céline Strahm am 10.11.2017 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dumm, dümmer...

    Zum Glück wurde die Köage abgeschmettert! Die 1500.- hat der Herr redlich verdient!

  • Rusty Bloom am 10.11.2017 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    So ich euch

    Verhalten wir uns als Gesellschaft nicht schon lange so? Womöglich war die Gedankenrichtung, wie ihr mir, so ich euch.

  • Chrömli am 10.11.2017 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Plattenboden

    Unsere Katze muss mit uns auch vor Gericht. Sie ist beim Schlafen auf dem Stuhl, runter auf den Plattenboden gefallen! Sie verlangt jetzt ein Kissen unter dem Stuhl!