Zürich

09. Januar 2018 10:50; Akt: 09.01.2018 10:56 Print

Uber-Chauffeur macht Geisterfahrt auf Autobahn

Wegen einer Strassensperre wendete ein Uber-Fahrer im Mai 2016 auf der Autobahneinfahrt Zürich-Brunau. Er behauptet, der Passagier habe sich das Manöver nur eingebildet.

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Das Züricher Obergericht verurteilte den Uber-Fahrer zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen sowie einer Busse von 300 Franken. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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Eine Strassensperre nach einem Autounfall auf der Autobahneinfahrt Zürich-Brunau wurde einem Uber-Fahrer im Mai 2016 zum Verhängnis: Der Taxifahrer wollte eine andere Route nach Bonstetten suchen – und wendete sein Auto noch auf der Autobahn. Nach 30 Metern habe er seinen Fehler erkannt und erneut gewendet, wie die NZZ schreibt. Der Fahrgast flüchtete aus dem Auto und zeigte den Lenker kurze Zeit später bei der Polizei an.

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Ein Jahr später, im Mai 2017, verurteilte ihn das Bezirksgericht Zürich zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen sowie zu einer Busse von 300 Franken. Der 61-jährige irakische Kurde liess dieses Urteil nicht auf sich sitzen, denn der längere Fahrausweisentzug bedeutete den Verlust seiner Lebensgrundlage.

Passagier soll sich das Manöver eingebildet haben

Noch wenige Stunden nach der Anzeige des Passagiers wurde eine erste Befragung durchgeführt, wobei sich dabei die Schilderungen des Uber-Fahrers und des Kunden weitgehend gedeckt hätten. Bei einer zweiten Einvernahme, die rund ein Dreivierteljahr später stattfand, stritt er jedoch jegliche Anschuldigungen ab.

Der Fahrer machte geltend, die Polizei habe ihn bei der ersten Befragung falsch verstanden. Auch das Protokoll habe er nur unterschrieben, weil er mit seinen schlechten Deutschkenntnissen den Inhalt sowieso nicht verstanden habe. Er behauptete, dass der Passagier Alkohol konsumiert habe und sich die waghalsigen Manöver nur eingebildet habe, da dieser während der ganzen Fahrt mit seinem Mobiltelefon hantierte.

Passagier habe keinen Grund zu lügen

Vom Antrag des Verteidigers auf Freispruch in dubio pro reo wollte das Zürcher Obergericht am Montag aber nichts wissen. Die Deutschkenntnisse des Beschuldigten seien besser, als dieser behaupte. Zudem habe der Passagier keinen Grund zu lügen. Den Versuch, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, gelinge dem Fahrer also nicht. Das Obergericht verurteilte den Taxifahrer wegen einer vorsätzlichen groben Verletzung der Verkehrsregeln und erlegte ihm eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen sowie eine Busse von 300 Franken auf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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