Hardturm-Projekt

18. Mai 2018 09:25; Akt: 18.05.2018 10:53 Print

«Der Weg der SP führt nicht zu einem Stadion»

Die SP fordert, dass beim Hardturm-Projekt auf die beiden Hochhäuser verzichtet wird. Die rot-grünen Stadträte kritisieren das scharf.

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Blick auf das künftige Hardturm-Areal mit den beiden Hochhäusern. Die HRS Investment AG und Immobilienanlagegefässe der Credit Suisse realisieren hier ein neues Stadion und zwei Wohn- und Geschäftshochhäuser. Das Team hat den Investorenwettbewerb mit dem Projekt Ensemble gewonnen. Die Architekten sind Pool Architekten (ZH), Caruso St John Architects (London) und Boltshauser (ZH). Die beiden Hochhäuser werden 137 Meter hoch ... ... und damit elf Meter höher als der 126 Meter hohe Prime Tower – aktuell das höchste Gebäude der Stadt. Aber zurück zum Hardturm-Projekt: Hier eine Visualisierung von der Pfingstweidstrasse her. Der Platz vor dem Stadion als Begegnungszone. Blick unter die (obere) Tribüne ... ... und ins Stadioninnere. In diesen Häusern werden die Genossenschaftswohnungen realisiert – und zwar von der Allgemeinen Baugenossenschaft (ABZ). Die Wettbewerbsprojekte aller fünf Bieterteams sind vom 13. bis 23. Juli 2016 in den Wettbewerbsräumen des Amts für Hochbauten im Pavillon Werd, Morgartenstrasse 40 in Zürich, ausgestellt. Öffnungszeiten: Mo bis Fr, 16 bis 20 Uhr; Sa und So, 14 bis 18 Uhr; 13. Juli 2016 nur von 18 bis 20 Uhr. Nun folgen die vier unterlegenen Projekte: Zwei Hochhäuser hatte auch das Projekt Portal Hardturm Team 1, PSP Swiss Property AG mit den Architekten Adrian Streich (ZH), Bob Gysin (ZH) sowie Burkard und Meyer (Baden). Letztere hatten bereits das 2013 abgelehnte Stadion entworfen. Es sieht denn auch bei der Neuauflage ziemlich ähnlich aus. Das Mi-ca-do-Kollektiv (Team 3) begnügte sich mit einem Turm, der dafür 150 Meter hoch geworden wäre. Dahinter stecken die Anlagestiftung Turidomus/Anlagestiftung Adimora vertreten durch Pensimo Management AG mit den Architekten Baumschlager Eberle (ZH), Chabanne (Lyon) und BIG Group aus Dänemark. Weit weniger hoch wäre das Projekt Jalkapallo (Team 4) der Schweizerischen Lebensversicherungsgesellschaft AG geworden. Entworfen hatten dieses die Architekten Theo Hotz Partner (ZH), Burkhalter Sumi (ZH) und Philippe Cabane (BS). Und so hätte dieses Projekt von oben ausgesehen. Schliesslich noch das vierte Projekt, das unterlegen ist. Es heisst Blau Weiss (Team 5) und stammt vom Konsortium Helvetic/Berninvest AG mit den Architekten Huggenbergfries (Limmat-Tower Dietikon), Schwaar + Partner sowie Maier Hess. Im obersten Stockwerk des höchsten Hochhauses war eine Sky-Bar eingezeichnet. Fast so imposant wie die beiden geplanten Hochhäuser beim Zürcher Stadion war der Aufmarsch der Redner anlässlich der Medienkonferenz am 12. Juli 2016, bei der die Stadt das Ergebnis des Investorenwettbewerbs präsentiert hat. Es sprachen Zürichs Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) ... ... Hochbauvorstand André Odermatt (SP) ... ... Stadtrat Gerold Lauber (CVP) als Schul- und Sportvorsteher ... ... Stadtbaumeister Patrick Gmür ... ... GC-Präsident Stephan Anliker ... ... und FCZ-Geschäftsführer Thomas Schönenberger. Vorderhand bleibt das Hardturm-Areal aber eine Brache. Wann das Stadion und die Hochhäuser gebaut werden können, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen. Sicher ist: Das Stadtparlament muss sich auch noch damit befassen – und ziemlich sicher auch das Stimmvolk. Und eben genau an der Urne war das vorherige Stadionprojekt am 22. September 2013 gescheitert. Diese Miniausgabe in Tortenform, am selben Tag vor dem Match GC – Thun im Letzigrund präsentiert, konnte das Nein nicht abwenden. Das waren noch Zeiten: Blick ins Hardturm-Stadion während des spektakulären Meisterschaftsfinales gegen Sion am 8. Juni 1991. 3:2 gewannen die Grasshoppers und konnten damit eine Runde vor dem Meisterschaftsende den Pokal entgegennehmen. Sie wurden damit zum 22. Mal Schweizer Meister. Zwei Hochhäuser sind übrigens auch das Markenzeichen des Luzerner Fussballstadions.

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Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) und Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) haben sich an der Medienkonferenz klar hinter das Hardturm-Projekt gestellt. Sie kritisieren das Vorgehen der Stadtzürcher SP scharf: «Der Weg der SP führt nicht zu einem Stadion. Es wird kein Stadion-Projekt geben, wenn das Projekt zurückgewiesen wird», sagte Leupi.

Es gehöre zum Spiel, dass das Parlament Änderungen an einem Projekt anbringe. Es sei aber schon sehr speziell, dass so kurz vor dem Entscheid solch wesentliche Anpassungen gefordert würden. So könne man politisch nicht arbeiten. «Es war klar, dass der dritte Anlauf für ein Stadion keine eierlegende Wollmilchsau sein wird», so Leupi. Es sei ein richtiges und gutes Projekt.

Man würde bei Punkt Null beginnen

Die beiden Zürcher Stadträte sind überzeugt, dass der Antrag im Parlament abgelehnt wird. Bei nachträglichen Änderungen in diesem Umfang müsste das Projekt sonst neu ausgeschrieben werden. «Damit würde man wieder bei Punkt Null beginnen.» Die SP solle doch ehrlich sein und sagen, dass sie kein Stadion möchte. Das Wort Investor werde mit dem eines Mäzens verwechselt, so Leupi. Eine Rendite von 4,5 Prozent sei nicht illegal, wie die SP behaupte.

Leupi nahm Stellung zur SP-Forderung, dass mehr gemeinnützige Wohnungen ins Projekt integriert werden müssen: «Die Credit Suisse bietet an, zu den 150 gemeinnützigen Wohnungen des Projekts zusätzlich 150 Wohnungen der Stadt zu verkaufen, wenn das Projekt realisiert ist.» Die SP müsse sich bewusst sein, dass bei Ablehnung des Projekts 300 gemeinnützige Wohnungen nicht gebaut werden.

Leupi: «Das ist eine Milchbüchleinrechnung»

Die Rechnung der SP bezüglich der Einnahmen für die Stadt sei falsch, so Leupi weiter. Für einen Ertrag von 1,6 Millionen Franken wären 1400 gemeinnützige Wohnungen nötig. Dafür sei das Areal zu klein. «Ich sage es klipp und klar: Das ist eine Milchbüchleinrechnung.»

Zum Argument, dass das Projekt durch Rekurse wegen der beiden Hochhäuser blockiert werden könnte, äusserte sich Odermatt: Bei grossen Projekten gebe es immer ein Risiko für Rekurse. Deshalb auf das Projekt zu verzichten, sei nicht zielführend. «Dann müsste ich alle meine Projekte stoppen.» Es werde eine Drohkulisse aufgebaut, die in sich zusammenfällt.

Fussballclubs spüren Rückhalt

Auch den Vorwurf, dass die Hochhäuser nicht ins Stadtbild passen, lässt Odermatt nicht gelten: «Die Hochhäuser stehen am richtigen Ort. Das sagen auch die Experten. Sie setzen einen wichtigen Akzent. Zürich erhält im Westen damit ein Eingangstor.»

Die Präsidenten der beiden Fussballclubs zeigten sich an der Konferenz sehr enttäuscht über das Vorgehen der SP. «Ich spüre viel Rückhalt in der Bevölkerung, auch an der SP-Basis», sagt etwa FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Trotz der Forderung ist er überzeugt, dass das Zürcher Derby 2021 im neuen Stadion ausgetragen werden kann.

Volk soll nochmals an die Urne

Bei der Investorin HRS ist man ebenfalls enttäuscht: An der Erstellung des Projekt sei die SP beteiligt gewesen und man habe sich damals gefunden, so CEO Martin Kull. Er verstehe nicht, warum man so kurz vor Schluss so grundlegende Anpassungen fordert.

Was der Stadtrat zum Schluss deutlich machte: «Es gibt kein Stadionprojekt nach diesem Stadionprojekt.» Er will deshalb die Bevölkerung über das Projekt abstimmen lassen. Das könnte laut Odermatt noch dieses Jahr der Fall sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Edmo am 18.05.2018 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Niemals

    Im rotgrünen Zürich käme ich nicht mal im schlimmsten Albtraum auf die Idee, Bauherr zu werden. Jahrelang nichts als Ärger und immense Kosten. Am Ende bleibt bestenfalls ein völlig verstümmeltes Projekt, an dem keiner mehr Freude haben kann. Ausser natürlich die Linken mit ihrer Schadenfreude.

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  • Bjørn Wikinger am 18.05.2018 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Zürich wie es leibt und lebt.....

    Ist es in Zürich mit der jetzigen Regierung eigentlich nicht möglich irgend ein grösseres Projekt in erträglicher Zeit zu realisieren?Es ist schon klar,dass es immer etwas gibt das irgendwem nicht passt.Aber für dieses Problem gibt es ja die Demokratie.Jeder darf was sagen und die Mehrheit bestimmt. Und Zürich hat sich entschieden.Aber nein!Dann kommt der VCS oder irgend ein Anwohner oder einer von einer Partei der gerade nichts zu tun hat und alles beginnt wieder von Anfang.Zum Glück gabs das Problem bei der gründung von ZH noch nicht,sonnst würden ausser den Kirchen noch keine Häuser stehen.

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  • Firetornado am 18.05.2018 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Zürich- Sei ein Vorbild

    Die Hochhäuser sind nötig - und sie passen sehr wohl ins Stadtbild. Paar Menschen wollen nicht wahrhaben, dass wir diese Dichte in den Städten brauchen. Die Setzung der Hochhäuser ist im Übrigen richtig und kann als Auftakt des Viertels gelesen werden. Seid mutiger in Zürich und ebnet den Weg als Zugspferd für weitere Schweizer Städte. Gruss aus Bern

Die neusten Leser-Kommentare

  • (Kanton-) Zürcher am 18.05.2018 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Realisiert das Projekt asap

    Diese Stadt und ihre Bevölkerung/Politiker ist sowas von "durre". Wie kann man nur so "teubele" wegen einem Fussballstadion und 2 Hochhäuser. Überall auf der Welt wäre man dankbar wenn private Investoren dies ermöglichen würden. Einfach nur kaputt, beschränkt und engstirnig was hier in Zürich geboten wird.

  • Don am 18.05.2018 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von links..

    ...nach rechts wandern je länger meine Gedanken...die nächsten Wahlen kommen bestimmt...

  • Chris am 18.05.2018 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Furchtbare Sache!

    Schämt Euch, seit Jahren wird darüber diskutiert!!

  • Alan am 18.05.2018 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wunschkonzert

    Ist das jetzt also der Zeitpunkt wo jeder, der zuvor einverstanden war seine Sonderwünsche anbringt? Ich meine, selbst wenn man auf die Forderungen der SP einginge garantiert ja nichts, dass nicht die nächste Gruppe wieder mit einer Liste kommt. Wie wäre es mit einem Platz für Fahrende oder einem Strichplatz auf dem Fussballfeld? Und eine Hornusser-Anlage! Vielleicht zahlt uns China ja auch noch eine bronzene Karl-Marx Statue, die wir auf dem Hochhaus errichten können? So schätzungsweise im Jahr 2135 fällt dann niemandem mehr was ein, dann können wir das Stadion kübeln und Parkplätze bauen.

  • Ruedi SG am 18.05.2018 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BESTE LÖSUNG

    wäre 1 Stadion und 1 Verein FCZ und GC fusionieren