Mai war Rekordmonat

14. Juni 2018 05:37; Akt: 14.06.2018 10:07 Print

Zecken stechen so häufig wie noch nie

Es ist Zeckensaison, doch so viele Stiche gab es noch nie. Offenbar lauern die Zecken jetzt auch in städtischen Grünanlagen. Grund dafür könnte das Littering sein.

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Noch nie waren so viele Personen wegen eines Zeckenstichs beim Arzt. Das zeigen die Daten des bundesweiten Meldesystems Sentinella. Der Bund schätzt, dass zwischen Januar und Juni 2018 rund 11'000 Patienten zum Arzt gingen, weil sie von einer Zecke gebissen wurden. 2016 wurden im ganzen Jahr nur rund 9000 Fälle verzeichnet.

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Wurden Sie schon einmal von einer Zecke gestochen?

«Der Mai war ein Rekordmonat und auch der Juni wird wohl ein Spitzenmonat», sagt Werner Tischhauser, Zeckenforscher an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Das habe mit dem warmen und feuchten Wetter zu tun. Im März dagegen seien die Zecken auffällig inaktiv gewesen. Neben der Häufung erstaunen den Forscher die Orte, an denen Personen gestochen werden.

«Littering holt Zecken in die Wiesen»

«Die Gefahr, eine Zecke aufzulesen, lauert nicht nur im Wald, sondern auch auf städtischen Grünflächen wie Parks und Uferanlagen», so Tischhauser. Mehrmals hätten die Zecken dieses Jahr auch am Stadtzürcher Seeufer zugeschlagen. Das zeigten Daten, die von Nutzern der Zecken-Apps erfasst werden.

Grund dafür könnte laut dem Zeckenexperten das Littering sein: «Der Abfall, den die Leute am Abend liegen lassen, zieht Mäuse und Füchse an, die Träger von Zecken sind. Beim Streifzug fallen die vollgesogenen Zecken ab und landen auf der Wiese, wo sie auch Badegästen auflauern können.» Bereits in den vergangenen Jahren habe es Zeckenstichmeldungen vom Zürcher Seebecken gegeben.

Es gibt noch andere Zecken-Taxis

Auf das Problem ist der Forscher aber erst kürzlich aufmerksam geworden. «Ich habe die Angaben der Nutzer analysiert und festgestellt, dass sie Stiche und Sichtungen an eher exotischen Orten wie dem Zürichhorn oder dem Mythenquai melden.» Er habe sich dann gefragt, warum auch auf städtischen Grünanlagen Zecken auftreten.

«Die Vermutung lag nahe, dass das mit dem Abfall zusammenhängt, der über Nacht herumliegt.» Die Stadt räume am Morgen zwar relativ früh auf, aber dann hätten die nachtaktiven Nager ihren Rundgang bereits beendet. Aber auch ohne Littering sei es möglich, dass Zecken ans Seeufer gelangen. «Hunde, Füchse, Eichhörnchen und Amseln kommen als Zecken-Taxi ebenfalls in Frage.»

Fachmann der Stadt dementiert Zeckenproblematik

Dramatisch schätzt der Experte die Situation aber nicht ein. «Das Risiko, eine Zecke einzufangen, ist gering», so Tischhauser. Dass es vermehrt zu Stichen kommt, sei vor allem dem hohen Besucheransturm geschuldet.

Auch bei der Stadt Zürich schätzt man die Situation nicht als dramatisch ein. «Wir untersuchen punktuell wenige uns gemeldete Fälle von Zeckenstichen und konnten bisher nicht feststellen, dass es in den städtischen Grünanlagen Zeckenprobleme gibt», sagt Marcus Schmidt, Projektleiter Schädlingsbekämpfung. Auch eine Studie, die vor drei Jahren verfasst worden sei, habe keine Anzeichen dafür gegeben.

«Ratten kommen kaum in Frage»

Die Vermutung von Tischhauser, dass Mäuse von Essensresten angelockt werden und so einzelne Zecken auf die Wiesen gelangen, sei plausibel. Wenn es ums Aufräumen gehe, leiste die Stadt aber gute Arbeit. Zudem sei neben Mäusen auch der Igel als Zecken-Taxi bekannt und dieser werde nicht durch Abfall angelockt. Und eines kann Schmidt ausschliessen: «Ratten kommen kaum in Frage. Diese bekämpfen wir systematisch.»

(tam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sebastian am 14.06.2018 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Bussen für Littering

    Es wäre an der Zeit, Bussen für Littering einzuführen. Nicht nur wegen der Zeckenproblematik, sondern vor allem wegen der nach-mir-die-Sintflut-irgendeiner-räumt-ja-auf-aber-nicht-ich-Kultur (s. Artikel von vor einiger Zeit über den vielen Abfall im Zürichsee).

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  • Kein Verständnis am 14.06.2018 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso rennen alle immer zum Arzt...

    Ich frage mich wieso man bei einem Zeckenbiss gleich zum Arzt rennen muss... ich hatte als Kind schon mehrfach Zecken und auch als Erwachsener, solange man keine Rötung um die Bissstelle bekommt und die Zecke mit einer Zeckenzange richtig entfernt sehe ich keinen Anlass unsere Gesundheitskosten unnötig in die Höhe zu treiben.

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  • f.m am 14.06.2018 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hä...

    11 000 waren beim arzt wegen einer zecke? wegen verdacht auf fsme / borreliose? oder durfte der teure arzt die zecke einfach entfernen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • carlotta am 14.06.2018 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Beratung Krankenkasse

    Krankenkassen bieten telefonischen Rat. Wegen Zeckenbiss hat man mich gut beraten und beruhigt, aber auch gesagt, unterwelchen Umständen ein Arztbesuch unumgänglich wird

  • Mathias am 14.06.2018 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    An die Gesundheitskostenmahner

    Wir haben in der Schweiz hohe Franchisen und Selbstbehalt. Wer wegen eines Zeckenbisses den HA konsultiert, verursacht KEINE Gesundheitskosten für die Allgemeinheit, da er die ca. 80 Fr. für die Konsultation aus der eigenen Tasche berappen muss. Hört auf, die unsinnigen Bobo-Legenden zu verbreiten. Was wirklich einschenkt ist die Behandlung richtiger Krankheiten. Eine solche kann eine nicht rechtzeitig diagnostizierte Borreliose, FSME etc. sein. Das kostet dann nicht 80 Fr., sondern mehrere Tausender evtl. für den Rest des Lebens.

  • Zecky Zeck am 14.06.2018 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Immer Beine prüfen wenn man im Gras war

    Ich hatte noch nie eine Zecke, und gehe mit dem Hund 3x am Tag raus. Einfach paar Regeln beachten: Bei kurzen Hosen hohes Gras, Büsche etc. meiden. Falls das nicht geht, danach gründlich Beine prüfen. Manche Zecken sind sehr klein, wie schwarze Pünktchen. Sie bewegen sich aber. Sollte man eine Zecke haben, gerade mit einer Zange rausziehen, mitsamt Kopf. Danach Stelle beobachten. Bildet sich ein roter Kreis - sofort zum Arzt. Sonst ist gut.

  • SST am 14.06.2018 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plage

    Warum wird dieses Problem verharmlost? Ich lese täglich!!!, zu spitzenzeiten bis 40 Zecken (noch nicht vollgesaugt) von meinem Hund ab! Die Viecher sind inzwischen schon immun gegen jegliche Zeckenmittel. Das beste Rezept gegen die Viecher: Augen auf und sich und das Umfeld gut absuchen! UND - Zecken verbrennen! Es nützt nichts, wenn man sie ins Klo spült!

  • Ein Mensch am 14.06.2018 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch

    erntet was er sät.