Grinds

03. Juli 2017 05:43; Akt: 03.07.2017 08:08 Print

Zoll fordert Tabaksteuer für ein Kaffee-Produkt

6 Prozent Tabaksteuer für ein US-Produkt, das dieselben Inhaltsstoffe wie ein Energy-Drink enthält. Der Importeur findet das lächerlich. Für den Zoll ist es ein Snus-Ersatz

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Kleine Beutel mit Kaffeesatz, Taurin, Guarana und Vitamin B, die man zwischen Lippen Zähne einklemmt – diese Wachmacher heissen Grinds Coffee Pouches und sind derzeit ein grosser Hit in den amerikanischen Läden. Sportler in den höchsten Ligen und auch das US-Militär schwören darauf.

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Der Zürcher Alexander Lerch hat mit seinem Geschäftspartner Dirk Klietsch die Schweizer Lizenz für dieses Produkt und startete nach dem Snus-Verbot hierzulande richtig durch damit: «Im Moment sind fast alle Sorten ausverkauft – wir kommen fast nicht nach mit den Bestellungen», so Lerch.

Ursprünglich habe man die Grinds wegen den Inhaltsstoffen als Alternative zu Energydrinks anpreisen wollen. «Es ist aber auch ein beliebtes Produkt, um mit Tabakprodukten aufzuhören», so Lerch.

«Zahlen Energydrinks auch eine Tabaksteuer?»

Genau dieser Fakt sorgt bei Lerch und Klietsch nun aber für rote Köpfe: «Wir haben von der Zollverwaltung ein E-Mail erhalten, dass das Produkt ein Snus-Ersatzprodukt sei und daher eine Tabaksteuer von sechs Prozent fällig ist», sagt Lerch. Dafür habe er nun wirklich null Verständnis.

«Da bietet man ein Produkt an, das eine gesündere Alternative zu Tabak ist und wird mit einer Tabaksteuer dafür bestraft – obwohl die Grinds 0,0 Prozent Tabak beinhalten», sagt Lerch. Das sei doch einfach nur lächerlich. «Diverse Energydrinks haben exakt die gleichen Inhaltsstoffe – zahlen die Tabaksteuer? Ich glaube nicht.»

Bei der Kommunikationsstelle der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) bestätigt man dieses Schreiben. «Ersatzprodukte sind nach Art. 3 Abs. 1 der Tabaksteuerverordnung Erzeugnisse, die nicht oder nur teilweise aus Tabak bestehen, aber wie Tabak oder Tabakfabrikate verwendet werden, auch wenn sie für den Verbrauch nicht angezündet werden müssen – sie werden besteuert, wie die Produkte, die sie ersetzen», heisst es in einer schriftlichen Antwort.

Grinds Coffee Pouches sei demnach für die Zollverwaltung ein Tabakersatzprodukt, welches analog zu Snus und Kautabak mit sechs Prozent des Kleinhandelspreises zu besteuern ist.

Importeur kann Beschwerde führen

Andere Produkte, die so besteuert werden, ohne eine Spur von Tabak zu enthalten, sind beispielsweise legales CBD-Cannabis, Dampfsteine zur Verwendung von Wasserpfeifen oder Kräuterzigaretten.

«Energydrinks werden nicht wie Tabakfabrikate verwendet und sind daher nicht tabaksteuerpflichtig», heisst es bei der Zollverwaltung. Der Importeur könne gegen diese Einfuhrveranlagung Beschwerde führen.

Lerch und sein Geschäftspartner Klietsch wollen in den nächsten Tagen entscheiden, wie sie bei diesem Fall weiterfahren. So oder so: «Dass unsere Grinds mit Produkten wie CBD-Cannabis im gleichen Atemzug genannt und verglichen werden, ist ein Skandal.»

(wed)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Do Me am 03.07.2017 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaugummizigaretten

    Wo bleibt die Tabaksteuer für Kaugummizigaretten? Werden alkoholfreies Bier und Rimuss auch mit Alkoholsteuer belegt?

    einklappen einklappen
  • Alcatron am 03.07.2017 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke des Jahres

    Willkommen in der Schweizer Abzockszene... Wie der Eigenmietwert, zahlsch für etwas das gar nicht ist...

  • Flo Ka am 03.07.2017 06:26 Report Diesen Beitrag melden

    Meine kleine Welt

    Dann wird Kaugummi also auch mit der Tabaksteuer belegt, weil es ein Ersatz für Kautabak ist oder wie jetzt?

Die neusten Leser-Kommentare

  • DNA am 03.07.2017 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lustig und kreativ. Top.

    Es zeugt von der Sicherheit in unseligem Land. Alles sind friedlich und zufrieden. Keine Bedrohungen oder ähnliches. So muss der Zoll eben etwas gegen die Langeweile tun. Neue gesetzte sind da immer willkommen. Unser Parlament funktioniert seit Dekaden so.....

  • salvi1 am 03.07.2017 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mineralwasser

    Alkoholsteuer für Mineralwasser wäre mein Vorschlag für ein weiteres Abzockerhighlight. Denn für die vrschiedenen Zutaten zu erhalten braucht Wasser.

  • Asterix am 03.07.2017 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch ganz einfach

    Hat es Taback drin? Wenn ja, dann Tabaksteuern o.k. Wenn nein, dann sofort den Fehlentscheid korrigieren. Da muss keine Beschwerde geführt werden sondern mal die Intelligenz der entsprechenden Beamten in Frage gestellt werden. Sollte das Bundesamt nicht sofort korrigieren, Schadenersatz einklagen. Wenn befangene Richter die Tabaksteuer trotzdem aufrecht erhalten, den Betrag von der nächsten Steuerrechnung abziehen. Es reicht mit der Spinnerei in unseren Amtsstuben!

  • Mamma Moll am 03.07.2017 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Wer kommt auf die Idee sich so etwas zwischen die Zähne zu stecken? Hallo Zahnarzt...

  • Markus Eggenberger am 03.07.2017 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sonst noch Ideen?

    Wie wäre es mit einer Luft Steuer fürs Einatmen. Und gleich noch eine CO2 Steuer fürs Ausatmen?