Stopp aufgehoben

10. August 2012 10:59; Akt: 10.08.2012 15:03 Print

Zürcher Kispi beschneidet wieder

Das Kinderspital Zürich führt wieder religiös begründete Knaben-Beschneidungen durch. Jeder Einzelfall soll aber sorgfältig geprüft werden und die Zustimmung beider Eltern ist notwendig.

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Auch in der Schweiz ist die Beschneidung von Neugeborenen wohl eine Straftat. Doch da nicht mit einer Anklage gegen einen ausführenden Arzt zu rechnen ist, nimmt das Zürcher Kinderspital wieder Beschneidungen vor. (Bild: Keystone/AP/Jens Meyer)

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Anfang Juli gab das Zürcher Kinderspital bekannt, vorerst keine Buben mehr zu beschneiden. Grund war ein Gerichtsurteil aus Deutschland, das die Beschneidung als Körperverletzung taxierte. Das Kispi wollte Rechtssicherheit haben und entschied sich deshalb zu einem vorübergehenden Stopp.

Nun teilt das Spital am Freitag mit, dass dieser Stopp aufgehoben wird. «Medizinisch nicht notwendige Beschneidungen bei Knaben werden künftig nach einer Einzelfallabwägung mit sorgfältiger Prüfung des Kindswohls sowie nach Aufklärung
und Zustimmung beider Elternteile durchgeführt», heisst es in einem Communiqué des Kinderspitals Zürich.

Kindeswohl im Zentrum

Gemäss einer Einschätzung des Leitenden Oberstaatsanwalts des Kantons Zürichs sei nicht damit zu rechnen, dass gegen einen ausführenden Arzt Anklage erhoben wird. Dies, obwohl die medizinisch nicht notwendige Beschneidung bei noch nicht urteilsfähigen Buben auch in der Schweiz den Straftatbestand der einfachen Körperverletzung wohl erfülle. Sie sei jedoch akzeptiert von Gesellschaft, Kultur und Politik. Im Zentrum stehe das Kindeswohl, das in jedem Fall sorgfältig abgeklärt werde.

Das Kispi sei sich bewusst, dass die weltweit verbreitete Knabenbeschneidung auf alte Traditionen zurückgehe. Sie sei aus dem Glauben oder sozial begründet, heisst es in der Mitteilung weiter. Im Durchschnitt werden am «Kispi» eine bis zwei medizinisch nicht begründete Beschneidungen pro Monat durchgeführt. Diese Zahl ist seit Jahren relativ konstant.

Jüdische Seite zufrieden

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund äusserte sich zufrieden über den Entscheid. Wie SIG-Präsident Herbert Winter auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte, ist es «gut und richtig», dass das Kispi für den Eingriff die Zustimmung beider Elternteile verlangt. Und dass das Kindeswohl im Zentrum stehe, sei auch für Juden unabdingbar: «Das Kindeswohl ist ein sehr hohes Gut», so Winter.

Den Moratoriumsentscheid habe er als «total überstürzt» empfunden, erklärte der SIG-Präsident weiter. Noch dazu, weil er sich auf ein Urteil im Ausland gestützt hatte. Offenbar habe sich das Kispi jetzt «eines Besseren besonnen» und verstanden, dass nach geltendem Schweizer Recht die Knabenbeschneidung keine strafbare Handlung ist.

Volk für ein Verbot

In einer Volksabstimmung hätte die Beschneidung keine Chance, wenn es nach den Lesern von 20 Minuten Online geht. Deutliche 64 Prozent sagten Ja zu einem Verbot von religiös motivierten Beschneidungen bei Knaben und Männern. Obwohl der Eingriff im Judentum und im Islam ein zentrales Ritual ist, sehen zwei Drittel der knapp 8000 Umfrage-Teilnehmer keinen Verstoss gegen die Religionsfreiheit.

Spitaldirektor Markus Malagoli erläutert den Entscheid. (Video: Keystone)

(rme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Captain Future am 13.08.2012 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Beschneidung ist pervers

    Wer für Beschneidung ist, ist in meinen Augen pervers! Wenn Mann sich das vorstellt, da wird ein Kind neu geboren und den Ärzten und Eltern fällt nichts besseres ein, als sich mit voller Gier auf das "beste Stück" zu stürzen, um daran herumzuschnippeln.

  • Amira am 11.08.2012 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Für einmal einig....

    Gott sei Dank betrifft dieses "Problem" (das eigentlich keines ist) auch die Juden. Wenn das nur die Moslems machen würden, wäre das eine ganz klare Sache, es würde nämlich verboten. Dort ist man sich für einmal einig. Gott hat uns geschaffen wie wir sind, da gibt`s nichts zu schnippeln, das ist meine Meinung.

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  • Marcus am 10.08.2012 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Der Junge ist die Hauptperson

    Die Zustimmung beider Eltern ist also notwendig. Und warum??? Es geht hier um den Jungen und nicht um die Eltern. Diese haben die Klappe zu halten und darauf zu hören, was der Junge dazu sagt. Wenn er mit mind. 16 einverstanden ist, so kann man das ja machen aber vorher nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Captain Future am 13.08.2012 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Beschneidung ist pervers

    Wer für Beschneidung ist, ist in meinen Augen pervers! Wenn Mann sich das vorstellt, da wird ein Kind neu geboren und den Ärzten und Eltern fällt nichts besseres ein, als sich mit voller Gier auf das "beste Stück" zu stürzen, um daran herumzuschnippeln.

  • Deathclock am 13.08.2012 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Statistiken

    In Angola wo zwischen 80% und 100% aller Männer beschnitten sind, wurde bei 53 von 100000 Frauen ein Zervixkarzinom diagnostiziert. Bei Finninnen wurde dieser Kerbs bei 4 von 100000 Frauen festgestellt wobei die Beschneidungsrate 0.5% beträgt (WHO Statistiken). Daraus folgt, eine Sauna Besuch ist ca. 13x mal wirkungsvoller gegen Gebärmutterhalskerbs als eine Beschneidung. Statistiken können immer so dargestellt werden wie es der Auftraggeber verlangt.

    • Ding Dong am 13.08.2012 14:22 Report Diesen Beitrag melden

      Blickwinkel

      Die Finnen können sich die Hygiene und gute med. Versorgung leisten. Andere können dies leider nicht, nicht gerade deshalb, weil sie es nicht wollen. Wie würde die Statistik aussehen, wenn die Männer in Angola nicht beschnitten wären. Es ist genau gleich wie Impfen. Man will Gefahren vorbeugen. Sonst ist die Spritze auch eine Körperverletzung. Und das Baby kann dazu auch keine Stellung nehmen.

    • Deathclock am 13.08.2012 14:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Ding Dong

      Gut nehmen wir Simbabwe, Sambia ober Malawi wo bis zu 20% der Männer beschnitten sind, aber dennoch ca. 53 von 100000 Frauen pro Jahr an Gebärmutterhalskrebs erkranken. Sie wissen was das in Prozenten macht? 0.053% erschreckend, auch wenn sich die Wahrscheinlichkeit durch Sex mit einem unbeschnittenen Mann verzehnfachen WÜRDE wäre es 0.53%. Kath kauen oder rauchen ist um ein vielfaches schädlicher.

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  • beschnitten am 13.08.2012 01:26 Report Diesen Beitrag melden

    es ist eine eigene entscheidung

    jeder religioese ist am schluss irgendwann einmal beschnitten wenn er es mit 20 macht mit den allen schmerzen etc sagt er waer ihm schon lieber als baby beschnitten geworden.also eigentlich heist das auch schon selbstentscheidung.fragt mal einen juden ob er lieber nicht beschnitten waere.

  • 807687 am 12.08.2012 19:04 Report Diesen Beitrag melden

    Beschneidung - egal warum -

    ist nicht nur schlecht. Am 8. Lebenstag durchgeführt, wie es das Alte Testament postuliert, führt die Beschneidung zu wenig Schmerzen und kaum Blutungen, zudem heilt die Wunde am schnellsten. Der Junge hat dann auch noch kein "biografisches Verständnis" um darüber traumatisiert zu werden. Später verhindert der Sexualverkehr mit beschnittenen Männern Gebärmutterkrebs weitgehend und gibt dem Mann mehr Lustgewinn und der Frau dadurch mehr Rücksichtnahme und einen sensibleren Umgang durch den Mann. Wer beide Variationen kennt, weiss, wovon ich rede.

  • Ding Dong am 12.08.2012 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    @ Rafael S.

    Wahrscheinlich sitzen Sie ein Leben lang zu Hause und können täglich duschen. Es kann im Leben viel passieren, dass Sie nicht täglich duschen können. Eine Entführung in Asien oder Afrika ... Man sollte sich auch nicht impfen lassen, weil all die Krankheiten in CH gar nicht gibt. Verstehen Sie denn die Ironie?