Verlust von Wohnungen

03. Oktober 2017 10:02; Akt: 05.10.2017 16:43 Print

Zürcher Mieterverband will Airbnb regulieren

Plattformen wie Airbnb wirken sich nachteilig auf Mieter aus. In Schweizer Städten führten sie zum Verlust von Mietwohnungen, warnt der Zürcher Mieterverband.

storybild

Der Zürcher Mieterinnen und Miterverband fordert eine Regulierung für Airbnb.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Vermittlungsplattformen wie Airbnb haben negative Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt in Städten, die stark vom Tourismus geprägt sind und eine tiefe Leerstandsquote haben. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Inura-Instituts Zürich. Der Zürcher Mieterinnen- und Mieterverband nimmt dies zum Anlass, eine stärkere Regulierung der Angebote auf Vermittlungsplattformen zu fordern.

Umfrage
Nutzen Sie Airbnb?

Für einen funktionierenden Wohnungsmarkt wird in Kanada und in den USA von einer Leerstandsquote von 3 Prozent ausgegangen. Die Situation in grossen Schweizer Städten steht da in einem schlechten Verhältnis: 2015 standen 0,22 Prozent der Wohnungen in der Stadt Zürich leer, Basel kam auf 0,42 Prozent, Genf auf 0,45 Prozent.

Eine Schätzung von 2016 besagt, dass zwischen 0,3 und 0,7 Prozent aller Genfer Wohnungen kommerziell genutzt werden. 15 Prozent der Schweizer Anbieter auf Airbnb werden als kommerziell eingestuft.

«Äusserst emotionale Angelegenheit»

«Das Problem, das durch kommerzielle Anbieter entsteht, ist ein Verdrängungseffekt», sagt Walter Angst, Sprecher des Zürcher Mieterverbandes. So seien jene kommerzielle Anbieter, die die Wohnungen und Zimmer gewinnbringend anbieten und mehrere Objekte gleichzeitig zur Verfügung stellen.

Die Stadt Zürich habe eine sehr tiefe Leerstandsquote, sprich kaum Leere Wohnungen und Häuser. Deshalb sei wegen des scheinbar grossen kommerziellen Angebots auf Airbnb ein Anstieg der Mietzinsen zu erwarten. «Daraus folgt eine Verdrängung aus dem Wohnraum. Das ist für Mieterinnen und Mieter sowie für das Quartier sehr problematisch und wird deshalb zu einer äusserst emotionalen Angelegenheit», sagt Angst.

Steuerliche Aspekte sollen geregelt werden

Anders sieht die Situation laut Angst dann aus, sobald die Untervermietung auf Airbnb nicht kommerziell ist: «Wenn jemand beispielsweise in die Ferien geht und während dieser Zeit seine Wohnung auf Airbnb ausschreibt, kann dies sogar eine Bereicherung für das Quartier und den lokalen Tourismus sein.»

Deshalb schlägt die Studie regulatorische Massnahmen vor wie etwa eine Festlegung der Nutzung auf den Hauptwohnsitz des Anbieters oder eine maximale Zahl an Unterkünften, die ein Teilnehmer anbieten kann. Unabhängig davon empfiehlt die Studie, steuerliche Aspekte ebenfalls zu regeln.

«Lösung nur zusammen mit Airbnb möglich»

Ob diese Regulierungen in jedem Fall helfen, könne man erfahrungsgemäss aber nicht garantieren. Eins steht jedoch fest: «Um den Problemen des kommerziellen Angebots entgegenzutreten, muss man zwingend mit Airbnb zusammen eine Lösung erarbeiten, denn das geht nur mit dem Anbieter zusammen», so Angst.

Städte wie Paris und Santa Monica haben direkt mit Airbnb Abmachungen getroffen und befinden sich in einem Datenaustausch. Es sei jedoch unklar, ob die Schweizer Städte dieselbe Verhandlungsmacht besässen, besagt die Studie

Airbnb: Keine Verknappung des Wohnraumes

Laut Airbnb-Sprecherin Isabelle von Klot stimmt die Behauptung, dass Airbnb für eine Verknappung des Wohnraumes sorge, nicht: «Es führt vielmehr zu einer effizienteren Nutzung des Wohnraums, in der Zeit in der die Gastgeber beruflich oder privat unterwegs sind.» Das kurzzeitige Vermieten des eigenen Zuhauses spiegle wieder, wie die Schweizer heutzutage leben, arbeiten und reisen wollen.

Weiter beruhe die Studie auf fehlerhaften Daten. «Airbnb selbst teilt regelmässig Daten mit Regierungen und Wissenschaftlern. Wir arbeiten eng zusammen mit Politik, Tourismusorganisationen und Verwaltung, weil wir dabei unterstützen wollen, den Tourismus verantwortungsvoll und nachhaltig weiterzuentwickeln», so von Klot.

(wed/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herner am 03.10.2017 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eo

    Alles auf Kosten der Mieter. Es isch schwierig genug, eine Wohnung zu finden, welche Preis-Leistungsmässig fair zu kriegen ist...

    einklappen einklappen
  • Alumdria841 am 03.10.2017 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Airbnb kostet bei uns wie ein Hotel

    Als ob jemand in der Schweiz über Airbnb was mieten will. Ich war in Köln während der Gamescom in einer Airbnb Unterkunft die nur ca 30/Nacht gekostet hat. Für das bekommt man in der Schweiz gerade mal einen Parkplatz.

  • Ivo C. am 03.10.2017 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Leider nicht zu vermeiden

    Das ist leider echt so und die Schweiz in allgemeinen leidet under der bezahlbaren Wohnungsnot. Ich verstehe die gewerblichen Betreiber solcher Einrichtungen, aber man sollte das schon regulieren und ein Obergrenze setzen. Es wird aber immer einen Umweg geben, sich noch mehr Wohnungen zu sichern...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Iku Madea am 06.10.2017 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Leerstand teurer Wohnungen auf AirBnB

    Bei mir in der Nachbarschaft sind vermehrt total sanierte Wohnungen auf AirBnB, (Zürich, Kreis 4) ausgeschrieben. Ein Beispiel: für CHF 412 die Nacht. Eine Wohnung früher für CHF 1400 zu haben, kostet nach der Sanierung nun über CHF 4100. Da ist sicher AirBnB nicht schuld. Der Investor hat wohl die Nachfrage nach teuren Wohnungen überschätzt. Weil die Wohnungen nicht wie erwartet "wie warme Weggli" weggehen, werden sie nun auf AirBnB vermietet. Dies ist aber nicht AirBnB anzulasten.

  • Marie Pecheur am 05.10.2017 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einbruchtouristen

    Mitbewohner eines Mehrfamilienhauses stören sich an den unbekannten AirBandB Gästen. Sie benutzen die Infrastruktur des Hauses ohne die Gepflogenheiten z.B. der Waschküche zu kennen. Zudem können Einbruchtouristen Wohnüberbauungen ausspionieren und später gezielt für Einbrüche wiederkehren.

  • luki am 03.10.2017 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein host

    Man könnte ja alle Hotels in Mietwohnungen umbauen. Dann wäre genügend freier Wohnraum da. Aber dann würde ja die Hotellerie wieder wettern, wie immer... Und die müssen schliesslich Geld verdienen :) nicht so wie wir, mit unserem Gehalt. Wir dürfen das nicht. Gruss, ein Airbnb-Host

    • Michi am 04.10.2017 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @luki

      Wie vielen Angestellten musst du einen Lohn zahlen?

    einklappen einklappen
  • arnold gasser am 03.10.2017 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    segensreiche Entwicklungen

    Ja, das ist die tolle 'sharing economy'. Aber alles halb so schlimm - da ihr jetzt alle dank Uber so viel sparen könnt, bleibt sicher genug für die teureren Wohnungen übrig.

  • Marc am 03.10.2017 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist mir bekannt

    Ich habe schon mal auf das Problem angewiesen aber niemand glaubte mir