Chaotisches Inventar

10. Dezember 2012 17:59; Akt: 10.12.2012 18:00 Print

Zürich vermisst einen Le Corbusier und 5000 Werke

Die Stadt Zürich hat keinen Schimmer, wo 5176 Kunstwerke ihrer Sammlung stecken, darunter ein Bild Le Corbusiers. Der Kommentar des Hochbaudepartements: «Verluste müssen in Kauf genommen werden.»

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Ganz so teuer wie obige Bilder sind die in Zürich vermissten Bilder nicht. Unsere Bildstrecke zeigt die teuersten Gemälde der Welt.

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Die Stadt Zürich hat ihre Kunstsammlung inventarisiert: Rund 35'000 Kunstwerke befinden sich in Schulhäusern, Büros, Spitälern oder im Depot. Ihr Wert beträgt gut 121 Millionen Franken. 5176 Werke sind jedoch unauffindbar. Diese hofft die Stadt Zürich durch weitere Kontrollen wiederzufinden.

Es war das erste Mal in der hundertjährigen Geschichte der städtischen Kunstsammlung, dass eine derartige Standortkontrolle durchgeführt wurde, wie es in der Mitteilung des Hochbaudepartements vom Montag heisst. Während zwei Jahren wurden an 500 Standorten rund 30'000 Werke kontrolliert.

9340 Kunstwerke, die im Jahr 2006 keinen Standorteintrag im Inventar besassen, konnten durch die Kontrollen lokalisiert werden. Damit konnte die Zahl der standortlosen Werke auf 4141 reduziert werden. Hinzu kommen allerdings 1035 Kunstwerke, die weder an ihrem vermerkten Ort noch an einer der anderen kontrollierten Stellen aufgefunden wurden. Somit werden 5176 Werke vermisst.

Keine Spur von «Le Corbusier»

«Die Sammlung ist unterwegs», sagte Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartements, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. «Verluste müssen in Kauf genommen werden.» Man sei aber auf einem viel besseren Stand als vor zwei Jahren. Ausser einem in den 1990er Jahren verschwundenen Bild von Le Corbusier hat keines der unauffindbaren Bilder einen besonders hohen Wert.

Wie das Ölbild «La Bouteille» verloren gehen konnte, weiss man bis heute nicht. Das Bild hatte die Stadt 1964 für 80'000 Franken erworben; unterdessen dürfte es ein Mehrfaches wert sein. Zunächst hing das Werk im Triemlispital, dann in einem Sitzungszimmer. In den 1990er Jahren wurde es ins Untergeschoss verfrachtet, wo sich seine Spur verliert.

Die Zahl der vermissten Werke sei vorläufig, heisst es beim Hochbaudepartement. Durch die fortlaufenden Kontrollen und Recherchen würden weitere Werke wiedergefunden. Zukünftig sollen pro Jahr die Standorte eines Departements kontrolliert werden, um die Datenbank à jour zu halten.

Verkauf von Druckgrafiken

Zudem möchte Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) den Bestand der Sammlung verringern. Ein Teil der Druckgrafiken, die oft in mehrfacher Ausführung vorhanden sind, sollen der Bevölkerung zum Kauf angeboten werden. Welche das sind und zu welchem Preis, ist gemäss Spinner noch offen. Rund 21'000 der 35'000 inventarisierten Werke sind Druckgrafiken.

Die Stadt hatte 2007 festgehalten, dass die Qualität der Bewirtschaftung der wertvollen Sammlung äusserst ungenügend sei, weil zu wenig Ressourcen zur Verfügung standen.

Gemäss Spinner war damals eine einzige Person mit der ganzen Sache betraut. So waren die Standorte vieler Werke unbekannt, die Bilder wurden teilweise unsachgemäss gelagert oder sie wurden bei einem Umzug einfach mitgezügelt. Mit der Inventarisierung habe nun eine Professionalisierung stattgefunden.

(kub/sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Das alles wurde schon vor 5 Jahren an einer Medienkonferenz kommuniziert. Das sind also absolut keine News. Heute wurde an einer Medienkonferenz aufgezeigt, dass die Kunstsammlung nun professionell bewirtschaftet wird und darum künftig solche Verluste nicht mehr vorkommen. Die Stadt will die Bilder und Grafiken in ihren Häusern der Öffentlichkeit zugänglich machen, das beinhaltet ein gewisses Risiko. Aber die wertvollen Bilder verschwinden nicht mehr - da war Corbusier eine Ausnahme (er verschwand in den 90er Jahren). – Urs Spinner, Hochbaudepartement

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urs Spinner, Hochbaudepartement am 10.12.2012 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Früher flop - heute top!

    Das alles wurde schon vor 5 Jahren an einer Medienkonferenz kommuniziert. Das sind also absolut keine News. Heute wurde an einer Medienkonferenz aufgezeigt, dass die Kunstsammlung nun professionell bewirtschaftet wird und darum künftig solche Verluste nicht mehr vorkommen. Die Stadt will die Bilder und Grafiken in ihren Häusern der Öffentlichkeit zugänglich machen, das beinhaltet ein gewisses Risiko. Aber die wertvollen Bilder verschwinden nicht mehr - da war Corbusier eine Ausnahme (er verschwand in den 90er Jahren).

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  • Alfred W. am 10.12.2012 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich glaube, ich spinne(r) !!!

    Was heisst das?!: Verluste müssen in Kauf genommen werden. Einfach so weiter machen? Beamte können einfach nichts vernünftiges unternehmen. Schlussendlich zahlt der Steuerzahler die Zeche und die ... gehen in die Ferien. Mama mia, was für eine Mentalität!

  • N.D. am 11.12.2012 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bei den oberen suchen

    Da würde ich mal die obere Etage fragen. Die hängen da wohl im Wohnzimmer!! Wo denn sonst.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Adrian Künstler am 11.12.2012 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Bild Nr. 1

    Was bitte hat das Bild Nr. 1 mit Kunst zu tun? Nicht schlecht, so ein paar Striche für 83 Millionen zu verkaufen.

  • N.D. am 11.12.2012 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bei den oberen suchen

    Da würde ich mal die obere Etage fragen. Die hängen da wohl im Wohnzimmer!! Wo denn sonst.

  • Hans B. am 10.12.2012 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann nicht mehr.

    Na ich lach mich tot mit Verlusten muss gerechnet werden das ist doch mal n Motto.

  • Vergessener Bürger am 10.12.2012 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    5176 Wohnzimmer

    Immerhin wurden 5176 Wohnzimmer verschönert, was auch schon fast als Dienst an der Öffentlichkeit gelten darf. Leider wurde unser Wohnzimmer dabei ausgelassen.

  • Hans Moser am 10.12.2012 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fahrlässig im laufenden Band "Stadt Zürich"

    So kann man sich auch bereichern, indem man das Fremdeigentum (Stadt Zürich) einfach vernachlässigt. 5000 Werke ohne Standorteintragung ? Unglaublich, wie man mit solchen Sachen umgeht - ist ja nicht das eigene ? Man sollte alle verloren Werke von der Stadt Zürich berappen lassen und anhand von einer Spende für bedürftigte Leute als Strafzahlung verwenden.

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