Oberengstringen ZH

18. Juli 2011 21:53; Akt: 19.07.2011 08:52 Print

Zungenküsse und Oralsex mit einer 13-Jährigen

von Attila Szenogrady - Zwei verheiratete türkische Männer haben sich an einer 13- bis 14-jährigen Winterthurer Schülerin regelmässig sexuell vergangen. Das Gericht sah darin keine Nötigung.

Fehler gesehen?

Die Winterthurer Schülerin war 13 Jahre alt, als die sexuellen Handlungen im Sommer 2009 einsetzten. Tatort war ein Restaurant in Oberengstringen, wo die Mutter des Kindes arbeitete. Es lernte dort die beiden Angeklagten kennen. Es handelte sich um zwei verheiratete Türken im heutigen Alter von 32 und 28 Jahren. Laut Anklage machten sich die beiden Brüder an die Geschädigte heran und übten mit ihr über ein halbes Jahr lang diverse sexuelle Handlungen aus.

Die umfangreiche Anklageschrift schilderte, wie die Beschuldigten die Schülerin immer wieder in verfängliche Situationen manövrierten und mit ihr Zungenküsse austauschten oder sie zum ungeschützten Oralverkehr brachten. Die meisten der Übergriffe fanden im Getränkelager oder im Kurierfahrzeug des Restaurants statt. Für die Geschädigte kam erschwerend hinzu, dass ihre Mutter zur Tatzeit mit einem Bruder der beiden Täter liiert war.

Die Sache flog auf, als der Bruder der Schülerin eine SMS-Nachricht eines Beschuldigten las und alles der Mutter erzählte. Diese erstattete Strafanzeige, worauf die Polizei die beiden Männer festnahm. Sie verbrachten 72 Tage in Untersuchungshaft und mussten sich am Montag wegen sexueller Nötigung, sexuellen Handlungen mit Kindern sowie Pornographie am Bezirksgericht Dietikon verantworten.

Hohe Strafen verlangt

Der jüngere Angeklagte gab die sexuellen Kontakte zu, stellte aber Gewalt, Zwang oder Druck in Abrede. Alles sei einvernehmlich geschehen, sagte er aus. Sein älterer Bruder widerrief frühere Zugeständnisse und erklärte, dass gar nichts passiert sei. Die zuständige Staatsanwältin Claudia Wiederkehr sprach von glaubhaften Belastungen der Schülerin und forderte für die beiden arbeitslosen Brüder happige Freiheitsstrafen: 30 Monate teilbedingt für den nicht geständigen Beschuldigten, 24 Monate bedingt für den jüngeren Bruder. Der ältere Angeklagte sollte 15 Monate absitzen.

Der Verteidiger des teilgeständigen Täters setzte sich für eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 15 Franken ein. Der zweite Anwalt verlangte im Hauptantrag einen vollen Freispruch.

Beide Verteidiger stellten die Geschädigte in ein schlechtes Licht. Sie habe ein sexualisiertes Verhalten an den Tag gelegt und freiwillig den Kontakt zu den Beschuldigten gesucht, plädierten sie.

Sex ja, Nötigung nein

Das Gericht schlug einen Mittelweg ein. Es verurteilte beide Beschuldigten wegen sexuellen Handlungen mit Kindern zu bedingten Freiheitsstrafen von 17 und 13 Monaten. Zudem sollen beide Angeklagten der Geschädigten ein Schmerzensgeld von je 4000 Franken entrichten. Eine sexuelle Nötigung sahen die Richter dagegen als nicht erwiesen an. So sei die Verweigerungshaltung der Schülerin diffus geblieben, erklärte der Gerichtsvorsitzende Stephan Aeschbacher. Weiter habe das Mädchen ausgesagt, dass es in beide Männer verliebt gewesen sei. Der jüngere Mann habe auch verstanden, dass ein «nein» ein «nein» sei, gab die Schülerin bei der Polizei zu Protokoll. Sie habe keinen erkennbaren Widerstand gezeigt, sagte Aeschbacher. Zudem sei die Geschädigte immer wieder mit den Angeklagten mitgegangen. Aeschbacher machte zum Schluss klar, dass bei vollen Schuldsprüchen die Strafen massiv höher ausgefallen wären.