Benaglios Auskick

13. Oktober 2011 22:00; Akt: 13.10.2011 23:05 Print

«Ich möchte unbedingt nach Brasilien!»«Ich möchte unbedingt nach Brasilien!»

Nati-Keeper Diego Benaglio (28) hat das EM-Out einigermassen verdaut und denkt bereits an die WM-Quali 2014. Vorerst richtet er aber seinen Fokus auf das wegweisende Bundesliga-Heimspiel von Wolfsburg morgen gegen Nürnberg.

Bildstrecke im Grossformat »
: Während Benaglio im Klub meist Torhüter Nummer 3 war und in der Regionalliga Süd ran musste, gehörte er in der Schweizer U21-Nati zum Stamm. Diego Benaglio wechselte im Sommer 1999 von der U18 zu den Profis bei GC. Drei Jahre später ging er weiter zum VfB Stuttgart. Hier ein Bild von 2004 mit den damaligen Teamkollegen Marco Streller und Hakan Yakin. Im November 2005 hexte er beispielsweise für die Schweiz in den Playoffs gegen Portugal. Es sollte nicht sein. Die Schweiz schied aus (1:1, 1:2). Benaglio erkämpfte sich bald einen Platz im A-Team - zumindest als Reservetorhüter. Er war hinter Pascal Zuberbühler und Fabio Coltorti der 3. Torhüter für die WM. Diesen Schritt ermöglichte er sich mit guten Leistungen bei CD Nacional Madeira, dem portugiesiscem Klub, zu dem er im Sommer 2005 mit der Hoffnung auf Spielpraxis ging. Schockmoment kurz vor der WM 2006: Benaglio prallt mit Valon Behrami im Training zusammen. Die Entwarnung kam schon am Tag danach. So debütierte Benaglio am 3. Juni 2006 in der Schweizer Nati beim Testspiel gegen China. Die Schweiz siegte 4:1. Wie erwartet, kam der Zürcher an der WM in Deutschland nicht zum Einsatz. Er jubelte aber natürlich mit seinen Teamkollegen, so wie hier nach dem 2:0 gegen Südkorea und der Achtelfinalqualifikation. Enttäuschung wenig später: Die Schweiz scheidet im Elfmeterschiessen gegen die Ukraine aus. Nach der WM ging das Rennen um die neue Nummer 1 in der Nati los. Benaglio kam immer wieder zu Einsätzen. Benaglio wechselte im Januar 2008 von Portugal zum VfL Wolfsburg in die Bundesliga. Jetzt konnte jeder seine Leistungen wöchentlich problemlos verfolgen. Am 5. Feburar 2008 ernannte Köbi Kuhn Benaglio zur neuen Nummer 1 im Schweizer Tor. In dieser Funktion hütete er den Kasten erstmals gegen England wenige Tage später. Benaglio spielte stark, die Schweiz verlor 1:2. Die Euphorie vor der Heim-EM in der Schweiz war gross. Benaglio gab gegen Tschechien und die Türkei (Bild) alles. Es reichte nicht. Nach 2 Spielen war das Aus Tatsache. Im abschliessenden Spiel gegen Portugal gab Pascal Zuberbühler seine Abschiedsvorstellung. Benaglio entwickelte sich immer weiter. In Wolfsburg verehrten die Fans ihren neuen Keeper. Der 1,94-Meter grosse Benaglio trug wesentlich zum überraschenden Titel Wolfsburgs bei. In der Folge versuchten sich die Kicker im Biathlon. Hier bei einem Training mit der deutschen Legende Fritz Fischer. Grosse Ehre im August 2009: Benaglio wird als «Credit Suisse Player of the Year» ausgezeichnet. Der Zürcher entwickelte sich immer mehr zum grossen Rückhalt der Nati. Vorbereitung auf die WM 2010. Benaglio in Action: Gegen Spanien sorgte er für das Wunder von Durban. Der Keeper hielt, was es zu halten gab. Ein englischer Beobachter schrieb danach: «Hätte an diesem Tag jemand eine Handvoll Münzen aufs Tor geworfen, Benaglio hätte jede einzelne gefangen.» Als einziger Schweizer überzeugte Benaglio an der WM und hechtete sich in die Notizblocks der ganz grossen Teams. Das Aus der Schweiz in der Gruppenphase konnte er aber auch nicht verhindern. Ab August 2010 schreibt Diego Benaglio wöchentlich eine Kolumne zu den Erlebnissen seiner Karriere. Hier bei der Planungssitzung mit Audi-Markenchef Ernesto Larghi und 20-Minuten-Geschäftsführer Marcel Kohler (r.). Familienglück: Diego und Nadin Benaglio werden am 16. September stolze Eltern von Töchterchen Melija. In die Euro-Qualifikation 2010 startete Benaglio als klare Nummer 1. Allerdings verpasste er wegen einer Adduktorenverletzung das Spiel in Montenegro (Bild) und konnte danach gegen Wales nur gerade die ersten Minuten mittun. Mittlerweile ist der Keeper auch beliebter Sponsorenpartner, so etwa für Ausrüster Puma. Sportlich verlief die Bundesliga-Saison 2010/11 für Benaglio nicht gerade zu seiner Zufriedenheit. Aufgrund von Verletzungen verpasste er einige Spiele, die er von der Tribüne aus mitverfolgen musste. In der Rückrunde unterliefen Benaglio hin und wieder ungewohnte Fehler. Aber der ganzen Wolfsburger Mannschaft lief es nicht - der Abstieg konnte am letzten Spieltag gerade noch verhindert werden. Rückschlag mit der Nati: Das Team von Ottmar Hitzfeld verpasst die EM-Qualifikation für das Jahr 2012. Auch in der Saison 2011/2012 ist Diego Benaglio im Tor von Wolfsburg gesetzt. Mit Wolfsburg spielt Benaglio aber eine gute Saison. Das Team befindet sich in der oberen Hälfte des Mittelfeldes. Benaglio ist glück bei Wolfsburg. Deshalb verlängert der Goalie seinen Vertrag bei den Wölfen bis 2017.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

«Leider haben wir mit der Nati unser Ziel, den zweiten Gruppenplatz mit der Berechtigung uns über die Barrage für die Endrunde zu qualifizieren, nicht geschafft. Das heisst ja bekanntlich, die Euro 2012 in Polen und der Ukraine findet ohne uns statt. Das ist bitter. Es wäre die fünfte Teilnahme an einem grossen Turnier in Folge gewesen. Da schon nach der enttäuschenden 0:2-Niederlage gegen Wales alles klar war, hatte ich bereits vor dem Spiel gegen Montenegro ein paar Tage Zeit, meine Enttäuschung zu verarbeiten.

Entscheidend für unser Ausscheiden war meiner Meinung nach nicht nur das Spiel vom letzten Freitag in Swansea. Aber es war eben unsere letzte Chance – und die haben wir nicht genutzt. Wenigstens ist es uns gelungen, das bedeutungslose letzte Spiel der Quali gegen Montenegro zu gewinnen und so für einen mehr oder weniger versöhnlichen Abschluss der EM-Kampagne besorgt zu sein. Ich denke, mit der Art und Weise wie wir am Dienstag beim 2:0 in Basel aufgetreten sind, haben wir uns bei den Fans etwas rehabilitiert. Wir müssen jetzt die Zeit bis zum Beginn der WM-Quali in elf Monaten optimal nutzen und uns als Mannschaft weiterentwickeln. Denn wir wollen 2014 in Brasilien unbedingt wieder dabei sein. Ich bin überzeugt, dass unser Trainer Felix Magath in Wolfsburg die Quali-Pause dazu genutzt hat, mit unserem Team intensiv zu arbeiten. Das Heimspiel von morgen gegen Nürnberg wird aufgrund unseres 13. Tabellenplatzes ein Schlüsselspiel. Mit drei Punkten können wir den Anschluss ans Mittelfeld halten. Ich bin zuversichtlich, dass wir unseren Fans eine Partie nach ihrem Geschmack präsentieren werden.»

Aufgezeichnet von Andy Huber

(20 Minuten)