Benaglios Auskick

07. Juli 2011 22:40; Akt: 08.07.2011 10:58 Print

«Jetzt muss ich mal einiges klarstellen!»«Jetzt muss ich mal einiges klarstellen!»

Wolfsburg-Goalie Diego Benaglio (27) äussert sich exklusiv in seiner Kolumne in 20 Minuten über widersprüchliche Medienstorys über ihn und die harte Vorbereitung.

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: Während Benaglio im Klub meist Torhüter Nummer 3 war und in der Regionalliga Süd ran musste, gehörte er in der Schweizer U21-Nati zum Stamm. Diego Benaglio wechselte im Sommer 1999 von der U18 zu den Profis bei GC. Drei Jahre später ging er weiter zum VfB Stuttgart. Hier ein Bild von 2004 mit den damaligen Teamkollegen Marco Streller und Hakan Yakin. Im November 2005 hexte er beispielsweise für die Schweiz in den Playoffs gegen Portugal. Es sollte nicht sein. Die Schweiz schied aus (1:1, 1:2). Benaglio erkämpfte sich bald einen Platz im A-Team - zumindest als Reservetorhüter. Er war hinter Pascal Zuberbühler und Fabio Coltorti der 3. Torhüter für die WM. Diesen Schritt ermöglichte er sich mit guten Leistungen bei CD Nacional Madeira, dem portugiesiscem Klub, zu dem er im Sommer 2005 mit der Hoffnung auf Spielpraxis ging. Schockmoment kurz vor der WM 2006: Benaglio prallt mit Valon Behrami im Training zusammen. Die Entwarnung kam schon am Tag danach. So debütierte Benaglio am 3. Juni 2006 in der Schweizer Nati beim Testspiel gegen China. Die Schweiz siegte 4:1. Wie erwartet, kam der Zürcher an der WM in Deutschland nicht zum Einsatz. Er jubelte aber natürlich mit seinen Teamkollegen, so wie hier nach dem 2:0 gegen Südkorea und der Achtelfinalqualifikation. Enttäuschung wenig später: Die Schweiz scheidet im Elfmeterschiessen gegen die Ukraine aus. Nach der WM ging das Rennen um die neue Nummer 1 in der Nati los. Benaglio kam immer wieder zu Einsätzen. Benaglio wechselte im Januar 2008 von Portugal zum VfL Wolfsburg in die Bundesliga. Jetzt konnte jeder seine Leistungen wöchentlich problemlos verfolgen. Am 5. Feburar 2008 ernannte Köbi Kuhn Benaglio zur neuen Nummer 1 im Schweizer Tor. In dieser Funktion hütete er den Kasten erstmals gegen England wenige Tage später. Benaglio spielte stark, die Schweiz verlor 1:2. Die Euphorie vor der Heim-EM in der Schweiz war gross. Benaglio gab gegen Tschechien und die Türkei (Bild) alles. Es reichte nicht. Nach 2 Spielen war das Aus Tatsache. Im abschliessenden Spiel gegen Portugal gab Pascal Zuberbühler seine Abschiedsvorstellung. Benaglio entwickelte sich immer weiter. In Wolfsburg verehrten die Fans ihren neuen Keeper. Der 1,94-Meter grosse Benaglio trug wesentlich zum überraschenden Titel Wolfsburgs bei. In der Folge versuchten sich die Kicker im Biathlon. Hier bei einem Training mit der deutschen Legende Fritz Fischer. Grosse Ehre im August 2009: Benaglio wird als «Credit Suisse Player of the Year» ausgezeichnet. Der Zürcher entwickelte sich immer mehr zum grossen Rückhalt der Nati. Vorbereitung auf die WM 2010. Benaglio in Action: Gegen Spanien sorgte er für das Wunder von Durban. Der Keeper hielt, was es zu halten gab. Ein englischer Beobachter schrieb danach: «Hätte an diesem Tag jemand eine Handvoll Münzen aufs Tor geworfen, Benaglio hätte jede einzelne gefangen.» Als einziger Schweizer überzeugte Benaglio an der WM und hechtete sich in die Notizblocks der ganz grossen Teams. Das Aus der Schweiz in der Gruppenphase konnte er aber auch nicht verhindern. Ab August 2010 schreibt Diego Benaglio wöchentlich eine Kolumne zu den Erlebnissen seiner Karriere. Hier bei der Planungssitzung mit Audi-Markenchef Ernesto Larghi und 20-Minuten-Geschäftsführer Marcel Kohler (r.). Familienglück: Diego und Nadin Benaglio werden am 16. September stolze Eltern von Töchterchen Melija. In die Euro-Qualifikation 2010 startete Benaglio als klare Nummer 1. Allerdings verpasste er wegen einer Adduktorenverletzung das Spiel in Montenegro (Bild) und konnte danach gegen Wales nur gerade die ersten Minuten mittun. Mittlerweile ist der Keeper auch beliebter Sponsorenpartner, so etwa für Ausrüster Puma. Sportlich verlief die Bundesliga-Saison 2010/11 für Benaglio nicht gerade zu seiner Zufriedenheit. Aufgrund von Verletzungen verpasste er einige Spiele, die er von der Tribüne aus mitverfolgen musste. In der Rückrunde unterliefen Benaglio hin und wieder ungewohnte Fehler. Aber der ganzen Wolfsburger Mannschaft lief es nicht - der Abstieg konnte am letzten Spieltag gerade noch verhindert werden. Rückschlag mit der Nati: Das Team von Ottmar Hitzfeld verpasst die EM-Qualifikation für das Jahr 2012. Auch in der Saison 2011/2012 ist Diego Benaglio im Tor von Wolfsburg gesetzt. Mit Wolfsburg spielt Benaglio aber eine gute Saison. Das Team befindet sich in der oberen Hälfte des Mittelfeldes. Benaglio ist glück bei Wolfsburg. Deshalb verlängert der Goalie seinen Vertrag bei den Wölfen bis 2017.

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«Gegenwärtig befinden wir uns in der härtesten Zeit eines jeden Fussballers, der Saisonvorbereitung. Zuerst waren wir 8 Tage in Oeversee, vom 4. bis 8. Juli sind wir in Glücksburg. Neben einzelnen Tests haben wir in erster Linie hart an der Fitness gearbeitet. Das ist anstrengend und manchmal auch etwas schmerzhaft (Muskelkater). Da ich nach den Sommerferien mit einer Bronchitis in Wolfsburg eingerückt bin, konnte ich in den ersten paar Einheiten nicht alles mitmachen. Gegenwärtig ist bei mir aber alles wieder in bester Ordnung.

Uns wird es also nicht langweilig. Offenbar ganz im Gegensatz zu einigen Medienschaffenden. Wenn nicht viel los ist, nennt man das auch Sauregurkenzeit. Da werden aus Mücken Elefanten gemacht und manchmal auch Geschichten erfunden. Auch über mich werden zur Zeit viele Geschichten geschrieben. Keine Angst, ich habe nicht vor, meine Philosophie zu ändern und ab heute auf alle Falschmeldungen eine Gegendarstellung abzugeben.
Trotzdem: Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass es für viele Fussballinteressierte verwirrend ist, wenn innerhalb kürzester Zeit widersprüchliche Meldungen verbreitet werden.

Manchmal sind es einfach auch nur Spekulationen. Ein Beispiel: In den dreieinhalb Jahren in Wolfsburg habe ich für den VfL zirka 120 Pflichtspiele bestritten. Eine stolze Zahl, wenn man bedenkt, dass ich nach Aussage einzelner Journalisten permanent verletzt oder krank gewesen sein soll. Dass die Zeit nach der WM in Südafrika nicht meine beste war, sehe ich auch so. Trotzdem, in der Saison, in der wir mit Wolfsburg Meister wurden, mussten wir 41 Gegentore hinnehmen. In der letzten Saison, in der wir den Klassenerhalt erst im letzten Spiel gegen Hoffenheim geschafft haben, waren es genau 7 mehr, nämlich 48! In der vergangenen Spielzeit habe ich 28 von 34 Spielen bestritten, in der Meistersaison waren es gerade mal 3 mehr, nämlich 31. Damals haben dieselben Leute geschrieben, dass ich einen wesentlichen Beitrag zum Meistertitel geleistet habe. Schon komisch.

Ich bin nun seit fast zehn Jahren Profifussballer. In dieser Zeit ist keine Transferperiode vergangen, ohne dass neue Spieler zu meinem Team gestossen sind. Das betrifft ab und zu auch die Torhüterposition. So läuft das nun mal in diesem Geschäft. Es wäre mir aber nie in den Sinn gekommen, meine Einstellung oder meinen Einsatz darauf auszurichten, wer kommt, wer geht oder wer gerade da ist. Das habe ich auch in Zukunft nicht vor. Egal, wer meine Mitkonkurrenten um die Nummer 1 sind, im Verein oder in der Nati, ich werde wie immer alles daran setzen, die Nummer 1 zu sein.»

Aufgezeichnet von Andy Huber

(20 Minuten)