Benaglios Auskick

19. Mai 2011 23:00; Akt: 20.05.2011 00:30 Print

«Trainingsplan statt Beine hochlagern»«Trainingsplan statt Beine hochlagern»

Der Schweizer Goalie Diego Benaglio berichtet über seine Gedanken am letzten Samstag. Erstmal war da eine grosse Leere –war er doch mit seiner Mannschaft Wolfsburg zwischenzeitlich zweitklassig. Er weiss aber, warum sie den Umschwung noch geschafft haben.

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: Während Benaglio im Klub meist Torhüter Nummer 3 war und in der Regionalliga Süd ran musste, gehörte er in der Schweizer U21-Nati zum Stamm. Diego Benaglio wechselte im Sommer 1999 von der U18 zu den Profis bei GC. Drei Jahre später ging er weiter zum VfB Stuttgart. Hier ein Bild von 2004 mit den damaligen Teamkollegen Marco Streller und Hakan Yakin. Im November 2005 hexte er beispielsweise für die Schweiz in den Playoffs gegen Portugal. Es sollte nicht sein. Die Schweiz schied aus (1:1, 1:2). Benaglio erkämpfte sich bald einen Platz im A-Team - zumindest als Reservetorhüter. Er war hinter Pascal Zuberbühler und Fabio Coltorti der 3. Torhüter für die WM. Diesen Schritt ermöglichte er sich mit guten Leistungen bei CD Nacional Madeira, dem portugiesiscem Klub, zu dem er im Sommer 2005 mit der Hoffnung auf Spielpraxis ging. Schockmoment kurz vor der WM 2006: Benaglio prallt mit Valon Behrami im Training zusammen. Die Entwarnung kam schon am Tag danach. So debütierte Benaglio am 3. Juni 2006 in der Schweizer Nati beim Testspiel gegen China. Die Schweiz siegte 4:1. Wie erwartet, kam der Zürcher an der WM in Deutschland nicht zum Einsatz. Er jubelte aber natürlich mit seinen Teamkollegen, so wie hier nach dem 2:0 gegen Südkorea und der Achtelfinalqualifikation. Enttäuschung wenig später: Die Schweiz scheidet im Elfmeterschiessen gegen die Ukraine aus. Nach der WM ging das Rennen um die neue Nummer 1 in der Nati los. Benaglio kam immer wieder zu Einsätzen. Benaglio wechselte im Januar 2008 von Portugal zum VfL Wolfsburg in die Bundesliga. Jetzt konnte jeder seine Leistungen wöchentlich problemlos verfolgen. Am 5. Feburar 2008 ernannte Köbi Kuhn Benaglio zur neuen Nummer 1 im Schweizer Tor. In dieser Funktion hütete er den Kasten erstmals gegen England wenige Tage später. Benaglio spielte stark, die Schweiz verlor 1:2. Die Euphorie vor der Heim-EM in der Schweiz war gross. Benaglio gab gegen Tschechien und die Türkei (Bild) alles. Es reichte nicht. Nach 2 Spielen war das Aus Tatsache. Im abschliessenden Spiel gegen Portugal gab Pascal Zuberbühler seine Abschiedsvorstellung. Benaglio entwickelte sich immer weiter. In Wolfsburg verehrten die Fans ihren neuen Keeper. Der 1,94-Meter grosse Benaglio trug wesentlich zum überraschenden Titel Wolfsburgs bei. In der Folge versuchten sich die Kicker im Biathlon. Hier bei einem Training mit der deutschen Legende Fritz Fischer. Grosse Ehre im August 2009: Benaglio wird als «Credit Suisse Player of the Year» ausgezeichnet. Der Zürcher entwickelte sich immer mehr zum grossen Rückhalt der Nati. Vorbereitung auf die WM 2010. Benaglio in Action: Gegen Spanien sorgte er für das Wunder von Durban. Der Keeper hielt, was es zu halten gab. Ein englischer Beobachter schrieb danach: «Hätte an diesem Tag jemand eine Handvoll Münzen aufs Tor geworfen, Benaglio hätte jede einzelne gefangen.» Als einziger Schweizer überzeugte Benaglio an der WM und hechtete sich in die Notizblocks der ganz grossen Teams. Das Aus der Schweiz in der Gruppenphase konnte er aber auch nicht verhindern. Ab August 2010 schreibt Diego Benaglio wöchentlich eine Kolumne zu den Erlebnissen seiner Karriere. Hier bei der Planungssitzung mit Audi-Markenchef Ernesto Larghi und 20-Minuten-Geschäftsführer Marcel Kohler (r.). Familienglück: Diego und Nadin Benaglio werden am 16. September stolze Eltern von Töchterchen Melija. In die Euro-Qualifikation 2010 startete Benaglio als klare Nummer 1. Allerdings verpasste er wegen einer Adduktorenverletzung das Spiel in Montenegro (Bild) und konnte danach gegen Wales nur gerade die ersten Minuten mittun. Mittlerweile ist der Keeper auch beliebter Sponsorenpartner, so etwa für Ausrüster Puma. Sportlich verlief die Bundesliga-Saison 2010/11 für Benaglio nicht gerade zu seiner Zufriedenheit. Aufgrund von Verletzungen verpasste er einige Spiele, die er von der Tribüne aus mitverfolgen musste. In der Rückrunde unterliefen Benaglio hin und wieder ungewohnte Fehler. Aber der ganzen Wolfsburger Mannschaft lief es nicht - der Abstieg konnte am letzten Spieltag gerade noch verhindert werden. Rückschlag mit der Nati: Das Team von Ottmar Hitzfeld verpasst die EM-Qualifikation für das Jahr 2012. Auch in der Saison 2011/2012 ist Diego Benaglio im Tor von Wolfsburg gesetzt. Mit Wolfsburg spielt Benaglio aber eine gute Saison. Das Team befindet sich in der oberen Hälfte des Mittelfeldes. Benaglio ist glück bei Wolfsburg. Deshalb verlängert der Goalie seinen Vertrag bei den Wölfen bis 2017.

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«Man kann sich ungefähr vorstellen, was mir letzten Samstag kurz nach Beginn der 2. Halbzeit in Hoffenheim durch den Kopf ging, als ich – gezwungenermassen – auf die Anzeigetafel blickte: Frankfurt führte dank Rode bei Meister Dortmund mit 1:0, Gladbach lag mit dem Treffer von Arango beim HSV vorne und wir mit 0:1 hinten. Vor zwei Jahren waren wir zu diesem Zeitpunkt Meister und jetzt plötzlich abgestiegen! Es ist schon verrückt, da werden in einer Bundesliga-Saison in 34 Partien mindestens 3060 Minuten gespielt und bei uns sollten die verbleibenden knapp 45 Minuten über Sein oder Nichtsein entscheiden. Glücklicherweise drehten wir die Partie noch und gewannen schliesslich 3:1.

Was zu diesem Umschwung führte? Schwer zu sagen. Vielleicht hat genau diese Konstellation der Resultate dazu geführt, dass nochmals ein Ruck durch die Mannschaft ging. Nach dem Motto: jetzt erst recht! Ich mag im Rückblick jedoch keine endlose Analyse machen. Wir haben eine schlechte Saison einigermassen versöhnlich beendet und damit basta! Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass Felix Magath die richtigen Schlüsse daraus zieht und die neue Saison wieder nach seinen Vorstellungen in Angriff nehmen wird.

Ich genoss in dieser Woche zwar vier freie Tage, doch dann gilt es für das wegweisende Länderspiel der Schweizer Nati vom 4. Juni in England schon wieder ernst. Wir haben für die Zeit bis zu unserem Zusammenzug am 30. Mai in Feusisberg einen Trainingsplan erhalten – also nichts mit Beine hochlagern. Im Wembley erwartet mich erneut ein Finale: Wir müssen punkten, um in der EM-Qualifikation noch eine Chance zu haben. Aber glauben Sie mir, nach dem Nervenkrieg vom letzten Samstag kann mich nichts mehr so leicht erschüttern!»

Aufgezeichnet von Andy Huber