Kap der Leiden

24. November 2012 12:32; Akt: 21.01.2013 19:38 Print

«Das war der Sturz der Woche»

von Reto Fehr - Das 20-Minuten-Online-Team «Stiftung Wädlitest» reist zur Vorbereitung aufs Cape Epic auf die Vulkaninsel La Palma. Gelernt haben wir viel – aber geschmerzt hats ebenfalls.

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Das Gelände auf La Palma ist teilweise äusserst anspruchsvoll. Auf dem Lavafeld ist fahren nicht erlaubt. Es gibt es nur eine Möglichkeit: Tragen. Auch hier gilt: Mit der richtigen Technik ist das einfacher, als dass es aussieht. Eine rutschige Angelegenheit: Abfahrt auf Vulkansand. Auch am Cape Epic wird es einige sandige Passagen geben. Wichtig in der Abfahrt: Gewicht nach hinten. Liegt der Schwerpunkt zu weit vorne, vergräbt sich das Vorderrand im Sand und es kommt zum Abflug. Das 20-Minuten-Online-Team Stiftung Wädlitest mit Bike'n'Fun-Guide Rudi. Eine kurze Treppe. Rudi zeigt wies geht. Das da vorne sollte ein Weg sein. Doch der Regen hat diesen völlig ausgewaschen. Jeden Morgen besammeln wir uns in Los Llanos für die Tagestour. Bike'n'Fun bietet für jedes Niveau Touren an. Sattel und Federung einstellen oder auch einen platten Reifen wechseln: Hier werden letzte Anpassungen am Rad durchgeführt. Ein seltenes Erlebnis: An unserem gemütlichen Tag rollen wir für einmal zum Meer hinunter. Balance-Übungen am Strand. Die Mountainbikes sind auf die Beschaffenheit des rauen Untergrunds auf der kanarischen Insel ausgelegt. Die Belohnung nach jedem Anstieg: Der Blick aufs Meer. Täglich bewältigen wir rund 1000 Höhenmeter. Am Cape Epic sind es dann im Schnitt deren 2000. Der oft steinige Untergrund ist ideal fürs Techniktraining. Auch in Südafrika werden einige Strecken über Geröll führen. Die Hexenplatte auf La Palma. Von hier führen unzählige Wege noch weiter in die Berge oder wilde Abfahrten zurück na Los Llanos. La Palma gilt als eine der steilsten Inseln der Welt. Auch darum ist sie für Mountainbiker ideal.

Cape-Epic-Trainingslager auf La Palma.

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Irgendwann ging alles zu schnell: Gewicht nicht mehr weit genug hinter dem Sattel, die mit Zeige- und Mittelfinger gedrückte Vorderradbremse nicht gelöst und dann kam da vor allem noch dieser Stein. Das Rad blockiert und ich fliege über den Lenker auf den harten Steinboden. Zum Glück sind die Schoner montiert, denn unser Guide Rudi erklärte als Erstes: «Die Steine hier sind spitziger und rauer als in der Schweiz. Wenn ihr stürzt, dann ist die Tapete ab.» Dank den Protektoren an Armen und Beinen kommen wir mit kleinen Schrammen davon.

Wir befinden uns auf La Palma. Da wir Bike-Anfänger sind, riet unser Ochsner Sport Coach Urs Gerig jede Möglichkeit zum Techniktraining zu nutzen. Dies geht auf den Kanarischen Inseln im November deutlich einfacher. Statt Nebel und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt scheint hier die Sonne bei über 20 Grad. Für Bike-Fans ein Traum.

Eine der steilsten Inseln der Welt

Die Insel ist schnell erklärt: 42 Kilometer lang, 28 km breit und ziemlich in der Mitte bildet der Roque de los Muchachos den höchsten Punkt auf 2426 Metern über Meer. Diese Mischung macht das Eiland zu einem der steilsten der Welt. Es wimmelt von Weglein auf losem Geröll, spitzigen Steinen und teilweise sandigen Pfaden. Kurz: Ideal, um an unserer Fahrtechnik zu feilen. Wir leihen bei Bike'n'Fun in Los Llanos erstklassige Mountainbikes aus und können uns täglich einer Tour mit Guide anschliessen. Alle sprechen deutsch, was das Fachsimpeln erleichtert.

So strampeln wir täglich rund 1000 Höhenmeter hoch, können die fantastische Aussicht geniessen und rollen über den schwarzen Vulkansand, auf Waldboden oder Geröll. Für uns ist die Unterlage mehrheitlich Neuland, doch im März 2013 am Cape Epic, einem der härtesten Mountainbike-Rennen der Welt, wird es durchaus ähnliche Streckenabschnitte zu bewältigen geben. Alles fahren können wir nicht, die Fortschritte merken wir dafür täglich. Zudem bezwingen wir Single-Trails, die wir noch vor Kurzem für unfahrbar hielten. Trotzdem: Nach einem schmerzhaften Sturz Ninas auf die Hüfte, lassen wir es am dritten Tag gemächlich angehen und bleiben für einmal auf geteertem Untergrund. Wir radeln zum Meer und dann wieder 450 Höhenmeter hoch bis zu unserer Unterkunft.

Die «Tapete» ist noch dran

Neben den täglichen Fahrten gibt Rudi Tipps zur Technik und wir können das Gelernte bei den Abfahrten gleich anwenden. Die richtige Position bei Haarnadelkurven, den Schwerpunkt bergab so weit wie möglich nach hinten verlagern oder auch, dass im Idealfall die Bremsen nur mit dem Zeigefinger betätigt werden. Hätte ich alles befolgt, hätte mein eingangs erwähnter kleiner Unfall vermieden werden können. Immerhin krönt Rudi meinen unsanften Abgang am letzten Abend zum «Sturz der Woche.» Und ja, die «Tapete» ist nach der knappen Woche überall noch dran.