Kap der Leiden

20. September 2012 11:23; Akt: 20.09.2012 12:56 Print

Erstes Rennen – Letzter Platz

von Reto Fehr - Seit gut zwei Monaten trainiert das Team «Stiftung Wädlitest» für das Cape Epic. Beim ersten Rennen läuft alles gut – bis auf das Resultat. Die positive Meldung gibts einen Tag danach.

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Impressionen von der Bleiche Trophy 2012.

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Nina glaubt, irgendwann in den frühen Teenagerjahren ein letztes Mal an einem Einzelwettbewerb teilgenommen zu haben. Vermutlich im Reiten. Bei mir wars etwa zur gleichen Zeit. Die Sportart wohl Geländelauf. Jetzt – nach Jahren ohne Wettkampf – testeten wir im Hinblick auf das Cape Epic ein erstes Mal Rennatmosphäre. Dafür auserkoren haben wir die 7. Bleiche Trophy, die im Zürcher Oberland mit Start und Ziel in Wald stattfand.

1116 Höhenmeter bewältigen wir innert 30,6 Kilometern. Am Cape Epic, einem der härtesten Mountainbikerennen der Welt, werden wir im März 2013 eine Woche lang täglich rund 2000 Höhenmeter auf 100 Kilometern abspulen. Das Rennen entspricht also gemessen an den Höhenmetern fast einer halben Cape-Epic-Etappe. Schon nach wenigen Metern steigt in Wald (ca. 600 MüM) der Weg an und führt fast permanent bergauf bis auf über 1000 Meter über Meer. Es bleibt kurz Zeit, die Aussicht zu geniessen, dann folgt die technisch teilweise anspruchsvolle und vor allem sehr steile Abfahrt nach Steg. Weiter radeln wir der Töss entlang und bis zum «Heartbreak Hill», welcher der letzte grosse Anstieg des Rennens bedeutet, bevor auf dem Schlussabschnitt die Fahrt von knapp über 1000 Metern über Meer wieder nach Wald hinunter führt.

Heartbreak Hill zu steil

Unsere Ambitionen sind bescheiden: Sturzfrei und möglichst ohne abzusteigen ins Ziel kommen. Die Zeit ist Nebensache, die Platzierung sowieso. Stetiger Kontrolle unterziehen wir dafür unseren Puls. Dieser steigt schon kurz vor dem Start im Getümmel des kleinen Feldes unerwartet hoch. Erstmals wollen wir in einem Rennen – wie danach beim Cape Epic ebenfalls – die ganze Strecke zusammen zurücklegen. Nach Aufstiegen muss Nina teilweise kurz das Tempo drosseln, nach Abfahrten ich. Sturzfrei kommen wir durch, bewältigen praktisch alles fahrend, aber beim «Heartbreak Hill», einem gut 200 Meter langen, brutal steilen Aufstieg, sind wir zu Fuss fast schneller – der Puls hämmert trotzdem mit 180.

Nach knapp 2:30 Stunden erreichen wir das Ziel. Die Anspannung ist jetzt weg – vor dem Start war diese in der Nervosität und im Pulk mit anderen Fahrern noch ziemlich hoch. Die wichtigste Erkenntnis ist allerdings, dass wir der Versuchung widerstehen müssen, dem Tempo anderer folgen zu wollen. Zuweilen ist dies in einer Gruppe gar nicht so einfach. Trotzdem ist vor allem das Tempo auch der Punkt, an dem wir zulegen müssen. Zum Abschluss gibt’s doch noch den Blick auf die Rangliste: Geteilter letzter Rang. Positiv ausgedrückt bedeutet dies für Nina einen Podestplatz in der Kategorie Frauen. Das gute Resultat kommt erst am nächsten Tag: Muskelkater quält uns nicht, es kann weiter trainiert werden.


Bleiche Trophy 2011-Trailer (Quelle: YouTube/fixli81)