MTB-WM

31. August 2011 20:23; Akt: 31.08.2011 20:23 Print

Silber für Staffel - Gold für Juniorin

Obwohl die Staffel die Titelverteidigung im Cross Country verpasst, gewinnt die Schweiz schon am ersten Tag der Heim-WM Gold - dank Juniorin Linda Indergand.

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Linda Indergand holt die erste Goldmedaille für die Schweiz.

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Die Schweizer Mountainbiker haben an den Heim-Weltmeisterschaften in Champéry gleich in den ersten beiden Rennen zugeschlagen. Im Team-Wettbewerb gab es Silber, bei den Juniorinnen sicherte sich Linda Indergand gar den Titel.

«Das Ziel war ganz klar Gold, aber wird sind auch mit dem 2. Platz zufrieden.» Nino Schurter war nicht am Boden zerstört, dass die Schweiz auf eigenem Terrain den Staffel-WM-Titel aus dem Vorjahr nicht erfolgreich verteidigen konnte. Frankreich präsentierte sich diesmal stärker. Die Differenz zur «Equipe Tricolore», die trotz der Absenz des zweifachen Olympiasiegers Julien Absalon triumphierte, betrug 41 Sekunden.

Marotte zu weit weg

Im Team-Wettbewerb nominiert jede Nation pro Geschlecht ein Mitglied aus der Elite-Abteilung plus nach Möglichkeit einen U23-Fahrer und einen Junior. In welcher Reihenfolge man die Athleten aufstellt, ist den Trainern überlassen. Bei Swiss Cycling war Team-Leader Schurter an die vierte und letzte Position gesetzt worden. Als er Nathalie Schneitter ablöste und sein Pensum aufnahm, lag die Schweiz an 5. Stelle. Der Bündner wusste jedoch, dass die Chancen auf einen Medaillengewinn absolut intakt sind, weil er von der Gegnerschaft eine Frau und zwei Nachwuchs-Fahrer vor sich hatte. Gleichzeitig spürte er aber auch, dass es schwierig werden würde und dass er eine Portion Glück benötigen würde, um die rund 25 Sekunden Rückstand auf Frankreich wettzumachen. Die Franzosen hatten für das abschliessende Teilstück in der Person von Maxime Marotte ebenfalls einen Weltklasse-Mann vorgesehen.

«Als ich dann vor dem letzten Aufstieg gesehen habe, dass ich Marotte nicht mehr abfangen kann, wollte ich nicht mehr unnötigerweise zu viele Körner verschiessen», meinte Schurter hinterher. Er dachte wohl an das Einzel-Rennen vom Samstag, in dem er zum Kreis der Top-Favoriten gehören wird. Gegen das Ziel hin genoss für ihn Priorität, den 2. Rang ins Trockene zu bringen.

Die Taktik seiner Equipe mochte Schurter nicht kritisieren. Es sei schon der richtige Entscheid gewesen, die erste und die letzte Position mit den beiden aussichtsreichsten Team-Mitgliedern zu bestücken. Thomas Litscher hatte den Anfang gemacht, ehe Junior Lars Forster und Elite-Frau Schneitter folgten. Frankreich und das drittplatzierte Italien waren beim Austüfteln der Aufstellung gleich vorgegangen. Für Schurter ist es bereits die sechste WM-Medaille in der Staffel; neben zweimal Gold (von 2006 und 2007) hat er nun viermal Silber.

Indergand unangefochten, Neff erneut im Pech

Dass der «Schweizerpsalm» am ersten WM-Tag in Champéry doch noch ertönte, war Linda Indergand zu verdanken. Die 18-jährige Urnerin fuhr im Rennen der Juniorinnen in einer eigenen Liga. Sie distanzierte ihre erste Verfolgerin, die Deutsche Lena Putz, um 2:19 Minuten. Indergands Erfolg ist keine grosse Überraschung. Die KV-Stiftin aus Silenen hat in diesem Jahr auf Stufe U19 schon EM-Silber und den Gesamtsieg in der Schweizer Rennserie «Racer Bikes Cup» geholt. «Ich hatte schon zu Beginn des Rennens gemerkt, dass ich über schnelle Beine verfüge», gab Indergand zu Protokoll. Sie ist die dritte Schweizer Junioren-Weltmeisterin im Cross Country nach Sonja Traxel (2000) und Nathalie Schneitter (2004).

Am ehesten hätte Indergand eine Landsfrau den Titel streitig machen können. Europameisterin Jolanda Neff, die man im Vorfeld der WM als Kron-Favoritin gehandelt hatte, hielt auf der ersten Runde als einzige mit ihr mit. Die St. Gallerin brach aber nach Renn-Hälfte ein. Nach einer Woche mit Magen-Darm-Grippe, Übelkeit und Kopfweh mangelte es Neff an Energie. Sie musste sich in der Endabrechnung mit Rang 4 begnügen, weshalb die Maturandin in Tränen ausbrach.

Neff hatte bereits an den letzten Weltmeisterschaften Pech gehabt. 2010 in Mont-Sainte-Anne (Ka) musste sie ihren Wettkampf - auf Medaillen-Kurs liegend - mit einem Hitzestau und Kreislaufproblemen aufgeben.

Champéry VS. Mountainbike-WM.
Staffel:

1. Frankreich (Fabien Canal/U23, Victor Koretzky/Junior, Julie Bresset, Maxime Marotte) 54:04.
2. Schweiz (Thomas Litscher/U23, Lars Forster/Junior, Nathalie Schneitter, Nino Schurter) 0:41 zurück.
3. Italien (Gerhard Kerschbaumer/U23, Lorenzo Samparisi/Junior, Eva Lechner, Marco Aurelio Fontana) 0:54.
4. Tschechien (Jaroslav Kulhavy, Radim Kovar/Junior, Katerina Nash, Ondrej Cink/U23) 1:10.
5. Deutschland (Manuel Fumic, Christian Pfäffle/Junior, Sabine Spitz, Marcel Fleschhut/U23) 1:23.
6. Holland (Rudi van Houts, Henk Jaap Moorlag/U23, Thijs Zuurbier/Junior, Anne Terpstra) 1:43.
22 Teams klassiert.

Cross Country. Juniorinnen:
1. Linda Indergand (Sz) 57:30.

2. Lena Putz (De) 2:19 zurück.
3. Julia Innerhofer (It) 2:44.
4. Jolanda Neff (Sz) 3:17.
Ferner, die weiteren Schweizerinnen: 7. Andrea Waldis 6:24. 24. Eliane Müggler 10:48. 25. Ramona Forchini 11:32.
34 klassiert.

Porträt für «Stars von morgen» von Linda Indergand

(fox/sda)