José Mourinho

12. September 2017 14:56; Akt: 12.09.2017 15:14 Print

Der Erfolgreichste und Unbeliebteste der Welt

von E. Tedesco, Manchester - José Mourinho ist einer der bekanntesten Trainer der Welt und der erste Kontrahent von Neuling Raphael Wicky in der Champions League.

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«Wenn ich eine Sache an mir ändern könnte – was das wäre? Ich kann mich nicht ändern. Das ist unmöglich. Ich bin, was ich bin», sagt José Mourinho über sich.

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Und er ist einer der prominentesten und erfolgreichsten Trainer: Champions-League-Sieger 2004 (mit Porto) und 2010 (mit Inter), Europa-League-Sieger 2003 (mit Porto) und 2017 (mit Manchester United), achtfacher Meister (Porto, Chelsea, Inter und Real) und vierfacher Welttrainer des Jahres. Insgesamt sammelte «Mou» in seiner Karriere bisher 33 Pokale – und er ist erst 54 Jahre alt.

Er ist «the special one». Der Trainer, der den Fussball geprägt hat und ihn weiter prägen wird. Und er ist am Dienstag im Auftakt in die Gruppenphase der Champions League der erste grosse Gegenspieler von FCB-Trainer Raphael Wicky – einem Neuling in der Super League – und in der Champions League sowieso. Aber was macht Mourinho so speziell?

Seine Kunst zu motivieren
Der 54-Jährige gilt als einer der vollkommensten Fussballtrainer der Welt. Seine grössten Qualitäten besitzt er im Bereich der Mannschaftsführung und Motivation. Er versteht es, die Spieler mit Loyalität und Ehrlichkeit hinter sich zu bringen und verteidigt sie bei jeder Gelegenheit. Instinktiv übernimmt er die Verantwortung und nimmt so den Spielern den medialen Druck von den Schultern. Sunderland-Trainer David Moyes sagte einst über Mourinho: «Er hat den Trainerjob erst sexy gemacht.»

Spielchen mit der Presse
Seine Psychospielchen mit der Presse sind Programm – und fast schon legendär. Sein Auftreten schwankt zwischen arrogant, provokativ und launisch. Woche für Woche zieht er in der Medienkonferenz eine Show ab. Weshalb? In erster Linie, damit sich die Spieler auf das Wesentliche konzentrieren können. Die Profis danken es ihm. «Er ist der Anführer, aber er kümmert sich auch um alle. Mourinho ist ein Typ, für den ich bereit bin zu sterben», sagte Zlatan Ibrahimovic einst über seinen Trainer.

«Er ist zu hundert Prozent authentisch. Er hat nie gelogen. Er hat Charisma. Erinnern Sie sich, wie er reagierte, als er mit Real Madrid nach Mailand zurückkam und ausgepfiffen wurde?», fragte einst Marco Materazzi einen Journalisten. «Er antwortete, indem er drei Finger in die Höhe hielt.» Mit den «Nerazzurri» holte Mourinho 2010 das Triple.

Der FC Basel in Manchester

Sein Selbstbewusstsein
Selbstbewusstsein und Ego sind bei «Mou» ungefähr so gross wie der Mount Everest. Seine Auftritte und Sprüche, mit denen man Bücher füllen könnte, sind nicht aufgesetzt. Und daraus macht er keinen Hehl. Man sagt, Mourinho glaube von sich, der Beste zu sein. Mourinho antwortet: «Ich habe nie gesagt, dass ich der Beste bin. Ich kenne nur keinen Besseren.» Und seine Unbeliebtheit kommentiert er so: «Auch Jesus wurde nicht von allen geliebt.» Sollte sein Leben je verfilmt werden, wünscht sich Mourinho Hollywoodstar George Clooney in der Hauptrolle. Seine Frau Tami habe ihm einmal gesagt, Clooney würde perfekt für seine Rolle passen. Er widersprach nicht.

Seine Taktik
Er lässt viel mit dem Ball arbeiten, Spiele in Unterzahl und diverse Pressing-Formen bilden die Basis seiner Übungseinheiten. Seine Teams spielen seit seiner Zeit bei Chelsea sehr ähnlich. Der Matchplan: Eine gut organisierte Defensive, schnelles Umschaltspiel und die Unordnung der Gegner eiskalt ausnützen. Die Spiele bereitet er akribisch vor. Man kann fast sagen, er seziert seine Gegner. Dann erhält jeder Akteur die Analysen der Gegner elektronisch zugeschickt, samt taktischen Vorgaben. Unter der Woche wird das Training detailliert auf den Gegner ausgerichtet.

Seine Akribie
Er soll dicke Ordner mit Informationen zu fast allen Teams der Welt besitzen, die Woche für Woche ergänzt werden, um seiner Mannschaft die grösstmögliche Chance auf Erfolg zu bieten. Auch einer für den FC Basel ist darunter. Während sich Trainer wie Ranieri, Wenger, Ferguson und Benitez oft die Zähne an «Mou» ausgebissen haben, hat ihn einer bisher als Einziger innert einer Saison zweimal geschlagen – Murat Yakin war «the only one», dem dies mit dem FC Basel 2013 gelang ...

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John am 12.09.2017 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke, endlich mal ein Fairer Bericht über Mourinho. Guter Beitrag.

  • Rolf am 12.09.2017 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Speziel aber gut

    Super geschrieben! Mal nicht ein beitrag in welchem bloss die negativen seiten aufgezeigt werden! Die Erfolge & die Spieler geben ihm recht! Wie zlatan bereits sagte, würden 98% seiner spieler für ihn durch die hölle, dass muss schon was heissen!

  • Stuart am 12.09.2017 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top top

    Wieso unbeliebt ich finde Josè super Trainer jeder hat seine seite und ist ein ehrlicher Coach!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Spiritualist am 13.09.2017 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfolg und Beliebtheit 'beissen' sich oft.

    Erfolgreich zu sein, da kann man sich den Luxus auch noch 'everybodys darling' zu sein halt nicht leisten. Gut so!

  • Chuck Norris am 12.09.2017 21:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt

    Wenn Ibrahimovic sagt er würde für ihn Sterben dann muss was drann sein. Special One halt. Noch fragen?

  • Scotsman am 12.09.2017 21:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sir Alex unerreicht

    Der wird auch mit einem CL Titel für Man. United nie die Grösse eines Matt Busby und Alex Ferguson erreichen. Die besten Trainer aller Zeiten waren ausnahmslos alles Schotten (Stein, Shankly, Busby und Ferguson). Der gute Jose mag europäische Titel mit Porto gewonnen haben, aber Ferguson schaffte dies mit einer Gurkentruppe wie Aberdeen als er das grosse Real 1983 im Finale des Cupsiegercups bezwang.

  • Al Mighty am 12.09.2017 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich mag Jose nicht besonders

    Aber mit dem Transfer von Lukaku...das wäre auch mein Favorit der Saison gewesen. Goldhändchen, denke ich.

  • weissesned am 12.09.2017 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Kehrseite der Medaille

    Vielleicht sollte man auch die Kehrseite der Medaille erwähnen: Ich kann es zwar nicht belegen, aber bin mir ziemlich sicher, dass bis vor diesem Sommer unter keinem anderen Trainer soviel Geld für neue Spieler ausgegeben wurde. ... Shevchenko, Kaka, Christiano Ronaldo, Ibrahimovic, Pogba um nur einige von ihnen zu nennen.

    • Orozbe am 12.09.2017 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @weissesned

      Kaka und Ronaldo wurden von Pellegrini geholt

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