Böse Erinnerungen

20. April 2017 04:52; Akt: 20.04.2017 08:20 Print

Dortmunds Déjà-vu im Bus und der missratene Start

Vor dem CL-Viertelfinal-Rückspiel in Monaco müssen die seelisch angeschlagenen BVB-Spieler lange im Car ausharren. Prompt verschlafen sie die ersten Minuten der Partie.

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Plötzlich rückte die bevorstehende Herkulesaufgabe gegen die AS Monaco in den Hintergrund, stattdessen kamen die Erinnerungen an die Vorwoche hoch. Die monegassische Polizei hätte den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund zum Stadion eskortieren sollen, doch der Car blieb rund 20 Minuten vor dem Hotel stehen – ohne Angabe von Gründen.

Für die nach dem Sprengstoffanschlag von vergangener Woche traumatisierten Dortmunder hatte die Warterei aufwühlende Wirkung. Trainer Thomas Tuchel sagte vor dem Match gegenüber Sky: «Das, was passiert ist, war extrem unglücklich. Wir waren abfahrbereit und konnten mehr als eine Viertelstunde nicht losfahren. Es hat sich nicht gut angefühlt mit dieser Vorgeschichte.» Und weiter: «Wir waren gut vorbereitet, die Stimmung war gut. Aber die Viertelstunde hat dafür gesorgt, dass keiner mehr an Fussball gedacht hat.» Eine Erklärung hätten sie nicht erhalten, «es hiess nur, dass es um die Sicherheit geht».


Bürki: «Von der ersten Sekunde an nicht bereit»

Nachdem das Rückspiel schliesslich mit fünfminütiger Verspätung angepfiffen worden war, dauerte es prompt nicht lange, ehe eine Unkonzentriertheit zum ersten Gegentor führte. BVB-Goalie Roman Bürki liess einen Schuss von Mendy nach vorne abprallen, Jungstar Mbappé schob zum 1:0 für das Heimteam ein. «Das war sicher ein Fehler von mir», sagte der Schweizer Keeper im Anschluss an die 1:3-Niederlage.

Eine knappe Viertelstunde später verlor Ginter Monaco-Stürmer Falcao aus den Augen, der per Kopf auf 2:0 erhöhte. Bürkis Fazit zur Startphase: «Wir waren von der ersten Sekunde an nicht bereit und haben dem Gegner mit zwei individuellen Fehlern die Treffer ermöglicht. Vielleicht haben wir uns zu sehr aufs Toreschiessen fokussiert.»

Der Berner wollte den Zwischenfall mit dem Car nicht als Ausrede nehmen, er habe das Gefühl gehabt, sie seien «parat für den Match». Ganz anderer Meinung waren die Experten im Sky-Studio und die TV-Kommentatoren. Für sie war klar, dass der Vorfall die Dortmunder Spieler zumindest im Unterbewusstsein beeinflusst und damit die fahrigen ersten Minuten begünstigt hatte.

Mit solchen Gedanken mochte sich Bürki nicht aufhalten. Bevor er in die Garderobe verschwand, sagte er mit Blick auf die vergangenen Tage aber noch: «Wir alle haben gelernt, dass es Wichtigeres gibt als Fussball.»

(20 Minuten/sda)