Nach Jahren der Dominanz

20. April 2017 16:00; Akt: 04.05.2017 07:03 Print

Ausgezaubert? Barça kämpft mit Ablaufdatum

von A. Stäuble - «Més que un club» – das war der FC Barcelona während zwölf Jahren. Endet die Regentschaft mit dem zweiten Viertelfinal-Aus in Serie endgültig?

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Dass Spektakel keine Selbstverständlichkeit ist, zeigte der warme Abschied, den ihnen die 96'000 Fans im Camp Nou bereiteten. Sie waren geblieben bis am Schluss, um ihren Helden, die sie in den vergangenen Jahren so oft verzaubert, entzückt, verblüfft und mit Erfolgen beschenkt hatten, zu huldigen. Aus Dankbarkeit, aus Anstand und vielleicht auch im Wissen, dass das Ende dieser womöglich einmaligen Ära näher rückt.

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Erstmals seit zwölf Jahren zwei Mal in Serie verpassten die Katalanen den Halbfinal der Champions League. Damals, 2005 mit dem Gewinn des ersten Meistertitels seit 1999 und dem zweiten Triumph in der Champions League 2006 endgültig, nahm das Märchen seinen Anfang. Es war der Beginn der Renaissance, die in der Amtszeit von Frank Rijkaard (2003–2008) begann und unter den Fittichen von Pep Guardiola (bis 2012) in einer bislang nie da gewesenen Art spielerischer Dominanz gipfelte.

Auch unter Luis Enrique (ab 2014) war Barça äusserst erfolgreich und zuweilen auch dominant. Vor allem aber vermochten die Ausnahmekönner den Zauber auf ein noch höheres Level zu hieven. Durch die Verpflichtungen von Neymar (2013) und Luis Suárez (2014) kam die Fussballwelt in den Genuss eines historischen Offensivtrios, genannt MSN. Was der Dreizack seither zeigte, ist schlicht phänomenal.

Tränen bei Neymar

Doch seit dieser Saison scheint ihnen die Genialität und Leichtfüssigkeit abhandengekommen zu sein. Das nagt am Selbstvertrauen und manchmal auch an der Spielfreude. Es kam einem Armutszeugnis gleich, dass es dem Trio gegen Turin während 180 Minuten nicht gelang, ein Tor zu erzielen. Davon zeugten mitunter die bitteren Tränen, mit denen sich Neymar am Mittwochabend vom Platz quälte.

Dass auch das Bemühen Lionel Messis, der seine Genialität immer wieder aufblitzen liess und zumindest in der ersten Halbzeit gute Chancen aufwies, verpuffte, passte zur derzeitigen Ohnmacht der Spektakelmacher. Dem Argentinier wollte wie schon im Final 2015 kein Tor gegen Gianluigi Buffon gelingen. Damals hatte Barcelona Juve ohne sein Zutun bezwungen (Rakitic, Suárez und Neymar trafen).

Umbruch zeichnet sich ab

Doch für das gewisse Etwas könnten auch andere sorgen, oder ihm zumindest auf die Sprünge helfen. Etwa in Form von Kreativität oder schnellen Zuspielen aus dem Mittelfeld. Doch dort scheinen die Ideen derzeit auch nicht im Übermass vorhanden zu sein. Oder zumindest in einem Mass, welches für überdurchschnittliche Leistungen auf allerhöchstem Niveau, etwa einen weiteren Triumph in der Königsklasse, reichen könnte.

Alle bisherigen Triple-Gewinner

Ein Umbruch könnte Barcelona guttun. Mit einem Durchschnittsalter von 27,4 Jahren ist die Mannschaft zwar nur die fünftälteste in der K.-o.-Runde der Champions League (Manchester City 28,4, Juventus Turin 28, FC Bayern 27,6, Leicester City 27,5). Doch die für das System wichtigen Spieler treiben den Altersdurchschnitt nach oben: Andrés Iniesta (32), Sergio Busquets (28), Ivan Rakitic (29).

Geht Iniesta vorzeitig?

2015 hatte Spielmacher Xavi Hernández den Club ein Jahr vor Vertragsende verlassen. Nun könnte es ihm sein ehemaliger Compagnon gleichtun. Andrés Iniesta, Dreh-und Angelpunkt, präsentiert sich in dieser Saison verletzungsanfällig und befindet sich mit 32 Jahren im Spätsommer seiner Bilderbuchkarriere. Gerüchten zufolge soll der vierfache CL-Sieger, Welt- und Europameister trotz Vertrags bis 2018 über einen vorzeitigen Abgang im Sommer nachdenken.

Der Transferplan für den Sommer soll im Minimum einen Rechtsverteidiger für den schwer verletzten und nicht über alle Zweifel erhabenen Aleix Vidal und einen zentralen Mittelfeldspieler beinhalten. Egal ob mit eigenen oder auswärtigen Kräften: Nur die Problempositionen qualitativ zu besetzen, wird kaum reichen. Um auch dem Stammpersonal wie Rakitic oder Busquets Pausen zu gewähren, fehlt es dem Kader aktuell an Breite.

Und auch für die Edeltechniker in der Offensive fehlt eine wirkliche Alternative. Wenn MSN nicht liefern, dann hat es Barça nicht nur gegen die Grossen in der Champions League schwer. National gehören die Katalanen zwar noch immer zur Elite, doch in den vergangenen Monaten fiel ihnen auch das Daily Business schwerer als in den Jahren zuvor. Wer auch immer Luis Enrique im Sommer beerben wird, auf den wartet viel, aber auch spannende Arbeit.

Der Clásico wartet

Nun wartet am Wochenende aber erst einmal der Clásico – die wohl letzte Möglichkeit, Leader und Erzrivale Real Madrid vom Titelgewinn abzuhalten und gleichzeitig die Hoffnung auf das Double aufrechtzuerhalten. Zumindest das Worst-Case-Szenario – eine titellose Saison – dürften die Katalanen vermeiden können. Im Cupfinal gegen Alavés, dem 11. der Primera División, ist Barça der haushohe Favorit.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Madridista am 20.04.2017 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist normal

    Es ist nicht aussergewöhnlich, dass auch mal verloren wird. Außergewöhnlich waren nur die grossen Erfolge in den letzten Jahren. Schön, dass dies die Fans im Stadion offenbar ähnlich sehen.

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  • Alex am 20.04.2017 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Barca

    Was soll das. Sie waren vielleicht gegen die beste Verteidigung der "Welt" nicht erfolgreich. Kann passieren. Trotz allem ist und bleibt Barca einer der besten Clubs in Europa

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  • Marco Weckerle am 20.04.2017 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Real Fan

    Was Barcelona geleistet hat, war absolute Weltklasse. Es ist normal dass es mal nicht so gut läuft. Ich denke aber dass Barca bald wieder um den Titel spielen wird. Ausserdem hatten sie ja auch ihre Möglichkeiten gegen Juve. Aber es kann nicht immer alles klappen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • tiziano am 21.04.2017 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht die einzigen

    Was muss da erst Bayern München denken? Da sind die schlüsselspieler bald 40. Und danach kommt nur noch besserer BL Durchschnitt. Aber bei Barcelona ist es jammern auf allerhöchsten Niveau. Hatten einfach Pech aber juve ist halt einfach auch sackstark.

  • Justus Bernau am 21.04.2017 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Spieler verpflichten - per favore

    Barcelona muss neue Spieler verpflichten, für das Mittelfeld und die beiden Aussenverteidiger. Messi wirkt lustlos und irgendwie ausgelaugt, er hat zu viel gespielt!

  • Ein unzufriedener Fan am 21.04.2017 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Transferpolitik gleich null

    Was die Transferpolitik von Barca betrifft, einfach nur miserabel. Es müssen neue und GUTE Spieler her, inkl. neuer Vereinsführung. 6-7 aktuelle Spieler verdienen das Barca-Dress gar nicht. Angefangen bei J. Mathieu, L. Digne, D. Suarez, A. Gomes, P. Alcacer. Mascherano und Iniesta im Herbst ihrer Karrieren (leider). Neymar ist bis heute in meinen Augen kein Mann für grosse Spiele, man kann von ihm nicht erwarten dass er ein Spiel entscheidet (wie Leo und Cr7), für mich klar überschätz. Ich hoffe auf eine neue Ära.

  • Digiboy am 21.04.2017 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Zauber ruht sich nur aus

    Ich finde den Artikel total übertrieben. Denn Real zB hat auch ewig auf la Decima gewartet und wurde (zurecht) nie abgeschrieben. Barca ist und bleibt eine TOP 5 Mannschaft in Europa. Ich denke mit ein wenig Umstrukturierung, einem "Neuanfang" können sie wieder auf das Niveau der letzten paar Saisons zurückkommen. Das hat Messi, der in absoluter Topform ist und kein bisschen an Genialität verloren hat,auch gut getan nach den verlorenen Finalspielen. Barca wird in spätestens 3 Jahren wieder den CL-Pokal in die höhe stemmen können, wenn sie die Mannschaft punktuell verbessern.

  • Mufassa am 21.04.2017 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alter

    Zur Info Bayerns Mannschaft gegen Real hatte ein Durchschnitsalter von über 30 Jahren und sie haben zwei tolle Leistungen hingelegt.

    • THINK am 21.04.2017 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mufassa

      Ja, aber es besteht nun dringender Handlungsbedarf bei Bayern. Ein Lewandowski vorne reicht nicht. Bayern hat gegen starke Mannschaften wie es die Spanier nunmal sind kein Zug mehr zum Tor. War unter Heynckes ganz anders.Es fehlt der Mut mehr junge Spieler eine Chance zu geben. Der junge Portugise Sanchez dort kam kaum zum Einsatz bisher. Welche eine Vergeudung des jungen Talents!

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