Kooperation mit SBB

31. Januar 2012 21:00; Akt: 01.02.2012 10:06 Print

Der YB-Fan-Express rollt weiterDer YB-Fan-Express rollt weiter

von Lukas Mäder - Der Berner Fussballclub YB wird auch weiterhin die Extrazüge der SBB betreuen. Mit den Ausweiskontrollen beim Eishockey-Club SCB ist ein zweites Pilotprojekt erfolgreich verlaufen.

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Am Anfang der öffentlichen Debatte um Hooliganismus in der Schweiz stand die sogenannte Fans stürmten nach der Niederlage des FC Basel gegen den FC Zürich in der Finalissima das Spielfeld. Es kam zu einem Im Hinblick auf die Euro 2008 in Österreich und in der Schweiz berief der Bund einen Runden Tisch ein. Im Bild ein in Genf für allfällige Hooligans. führte den Runden Tisch, an dem alle Beteiligten vertreten waren, weiter. Im Bild empfängt Maurer 2010 Captain Alex Frei und die Nationalmannschaft im Bundeshaus. Kritiker werfen Maurer vor, und zu wenig Wille für eine politische Lösung aufzubringen. Das Bild zeigt Maurer im Juni 2011 in Dänemark zusammen mit Peter Gillieron (M) vom Fussballverband und Uefa-Präsident Michel Platini (l.). Doch das Hauptproblem des Runden Tisches sind seine fehlenden Kompetenzen. Entscheide waren nur möglich mit Einwilligung aller Beteiligten - was längst nicht mehr der Fall ist. Am 1. September 2011 gab Maurer bekannt, . Da die meisten Kompetenzen im Bereich Hooliganismus bei den Kantonen liegen, kam mit dem Ende des Runden Tisches der (KKJPD) eine Schlüsselrolle zu. Im April 2010 präsentiert die damalige KKJPD-Präsidentin Karin Keller-Sutter in Bern ein Massnahmenpaket gegen Gewalt an Sportanlässen. Die FDP-Politikerin Keller-Sutter ist ein gegen gewalttätige Fussballfans. Auf Seiten der Fans hat sie sich zu einer Hassfigur entwickelt. Keller-Sutter stand seit November 2010 als Präsidentin der KKJPD und St. Galler Justizdirektorin im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Mit dem Niederlegen der Ämter 2012 nach ihrer Wahl zur Ständerätin dürfte dies ändern. Konkret mit den Fussball-Hooligans beschäftigen müssen sich die Ihr Verband unterstützt schärfere Massnahmen. Gleichzeitig funktionieren auf lokaler Ebene die Beziehungen zu Clubs und Fanarbeiter oft gut. Auf dem Bild sind FCZ-Fans auf dem Weg zum Bahnhof Wankdorf. Stark betroffen vom Hooliganismus sind auch die die mit Extrazügen Fans befördern müssen. Die Bundesbahnen wollen, dass die Clubs für die Schäden ihrer Fans aufkommen und die Extrazüge chartern müssen. Mit YB haben sie seit August 2011 eine freiwillige Vereinbarung, die dem Club die Verantwortung für die Ordnung in den Extrazügen übergibt. Im Bild SBB-CEO Andreas Meyer im Februar 2010. Unterstützung erhalten die SBB vom Dessen Direktor Peter Füglistaler lässt eine Gesetzesänderung ausarbeiten, damit die Clubs für Schäden in die Pflicht genommen werden können. Laut dem heute gültigen Transportgesetz müssen die SBB alle Personen transportieren, die einen gültigen Fahrausweis besitzen. Lange zurückhaltend gaben sich der So argumentierte SFL-Präsident Thomas Grimm Ende noch Ende 2010, man können einen Club auch nicht für einen Überfall verantwortlich machen, nur weil der Räuber ein Shirt des Clubs getragen habe. Inzwischen arbeitet der Verband aber an einem bei dem Gästefans von Fanarbeitern und nicht von maskierten Polizisten mit Schlagstöcken empfangen werden. Grimm (l.) mit SFV-Präsident Peter Gillieron an der Nacht des Fussballs im August 2009 in Bern. Sehr unterschiedlich ist das Engagement der Während einige insbesondere in der Prävention aktiv sind, sind andere dem Vernehmen nach nicht an einer Lösung interessiert. FCZ-Präsident Ancilo Canepa (l.) und GC-CEO Marcel Meier im Juli 2011 in Zürich. Eine eigentliche Funktion zwischen den Fronten nehmen die ein. So ist manchmal von einer anwaltschaftlichen Beziehung zu den Fans die Rede. Während sie das Vertrauen der Fans brauchen und oft finanziell vom Club abhängig sind, brauchen sie einen guten Draht zu den Sicherheitskräften und den SBB. Urs Frieden (vorne links), Vorstandsmitglied der Fanarbeit Bern, am FCB-Umzug durch die Berner Innenstadt im Juli 2011. Der wohl wichtigste Akteur beim Thema Hooligans sind schliesslich die die meist in Gruppierungen organisiert sind. Obwohl nur eine Minderheit gewaltbereit ist, findet eine Solidarisierung statt. Feuerwehrleute vor YB-Fans in Collombey-Muraz, Oktober 2010. Insbesondere beispielsweise auch die Hooligan-Datenbank des Bundes, sind die Fangruppen geschlossen. Ebenso lehnen sie das Pyro-Verbot in den Stadien ab. Fans des FC Luzern im Mai 2010 in Bern.

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In der Diskussion um gewaltätige Fussballfans kommen von Seiten der kantonalen Justizdirektoren am Donnerstag schärfere Massnahmen auf den Tisch. Doch es geht auch anders: Das Beispiel von SBB und den Berner Young Boys (YB) zeigt, wie es auch auf freiwilliger Basis funktionieren kann. YB und SBB hatten im letzten August einen Pilotversuch beschlossen, bei dem der Fussballclub für die Sicherheit in den Extrazügen zu den Auswärtsspielen aufkommt. Noch ist es nicht offiziell, aber 20 Minuten Online weiss: Der bis Ende der Hinrunde befristete Pilotversuch wird weitergeführt.

Die Bilanz des Pilotversuchs mit fünf Extrazügen ist positiv. Zu Schäden kam es nicht. Einzig ein erhöhter Reinigungsbedarf wurde festgestellt. Finanziell profitieren die SBB davon, dass sie weniger Personal aufbieten müssen. In den YB-Fanzügen standen neben dem Lokführer nur je zwei Zugbegleiter im Einsatz, was der normalen Besetzung bei Fernverkehrszügen entspricht. Ansonsten müssen die SBB auf Fussball-Extrazügen je nach Gefahrenpotential zusätzlich bis zu zwölf Transportpolizisten einsetzen. Den zusätzlichen Personalaufwand hat YB zu tragen. Abhängig von der Anzahl Fans begleiteten jeweils mindestens zehn Sicherheitsleute des Clubs die Fanzüge, die jeweils aus sechs oder mehr Waggons bestehen. Das YB-Personal wurde von der Transportpolizei vorgängig geschult. Sie übernahmen auch die Billettkontrolle bei den Berner Fans.

Haftung übernahmen die SBB

Bei den YB-Fanzügen handelte es sich bisher nicht um Charterzüge, sie waren also nicht von YB gemietet. Zudem musste YB für allfällige Schäden keine Haftung übernehmen, wie dies die SBB allgemein seit längerem von den Fussballclubs fordern. Ob diese Regelung auch künftig so bestehen bleibt, wollen die SBB noch nicht mitteilen. Klar ist, dass die SBB sowieso ein Interesse an Einigungen wie mit YB haben. «Wie dieses Modell zeigt, gelingt es gemeinsam, den Aufwand zu minimieren, wenn die Clubs Verantwortung übernehmen», sagt SBB-Sprecher Reto Kormann. Deshalb stehen die SBB auch mit anderen Clubs in Verhandlung. Diese sind offenbar nicht immer einfach. Laut eines Insiders warteten die anderen Clubs bisher ab, wie das Projekt mit YB weitergeht.

Noch deutlich weniger weit ist ein zweites Projekt in Bern: die Ausweiskontrolle beim Einlass ins Stadion, wie die Justizdirektoren zumindest bei gewissen Spielen vorschreiben wollen. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) führte zusammen mit dem Berner Hockeyclub SCB in den letzten Monaten an drei Spielen Tests durch, bei denen es um einen Abgleich der Ausweisdaten mit der Hooligan-Datenbank ging, in der unter anderem Stadionverbote gespeichert sind. Die bisherigen Versuche sind erfolgreich verlaufen, wie es beim SCB heisst. Insbesondere der letzte Versuch vom 9. Dezember, bei dem erstmals Matchbesucher in Echtzeit kontrolliert wurden, sei vielversprechend gewesen. Der Test fand auf freiwilliger Basis nur an einem Eingang statt, sieht doch die Hausordnung keine Ausweispflicht vor.

Kosten optimieren

Die mobilen Lesegeräte für Ausweise sowie die Online-Abfrage hätten am Versuch fehlerfrei funktioniert. Die betroffenen Matchbesucher haben positiv reagiert. Optimierungsbedarf besteht hingegen noch beim Personaleinsatz. Laut SCB wurden deutlich mehr Helfer benötigt. Voraussetzung für eine regelmässige Durchführung ist für den Berner Hockeyclub jedoch, dass keine zusätzlichen Stellen geschaffen werden müssen. Die Kostenfrage ist Teil des Evaluationsberichts, den der SCB nun erstellt und in den nächsten Wochen dem federführenden Bundesamt für Polizei zustellt.

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  • Markus Hofer am 01.02.2012 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Der Umgang mit unseren Daten

    So richtig wohl ist es mir auch nicht, wenn ich die ID vor Stadion durch ein Lesegerät ziehen muss. ABER: Wir geben bei jedem Einkauf mit Kreditkarte oder Maestro/EC unsere Daten auch nach aussen. Und mit wir sind ca. 99% der Schweizer Bevölkerung gemeint. Das ist ja auch kein Problem, oder?

    • Urrrs am 01.02.2012 15:21 Report Diesen Beitrag melden

      Hofer:

      Na und? Weil bei bestimmten Dingen schon Daten gesammelt werden müssen wir nicht überall unsere Rechte abtreten oder? Ausserdem hat es bei der Kreditkarte einen Sinn, die Abwicklung von Transaktionen muss halt registriert werden. Beim Stadion geht es nur darum, Leute die der Öffentlichkeit nicht passen weil sie Bier statt Cüpli saufen auszusperren.

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  • Tajno am 01.02.2012 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wird der Ausweis tatsache...

    ... werd ich in kein Stadion mehr gehen :-). Sowohl bei Konzerten als auch bei Sportveranstaltungen. Und das sage ich auch als Mitarbeiter eines Ordnungsdienstes eines NLA Clubs - Sobald die Ausweispflicht kommt, werde ich dies weder als Besucher noch als Mitarbeiter unterstützen. Als Mitarbeiter ging ich eh schon durch die Datenbank - mir gehts effektiv nur ums Prinzip... Sicherheit durch gläserne Bürger - Nein Danke!

    • Hyperion am 01.02.2012 14:17 Report Diesen Beitrag melden

      Alternativen

      Als Mitarbeiter des Ordnungsdienstes können Sie bestimmt auch eine geeignete Alternative anbieten, wie Hooligans effektiv vom Stadion ferngehalten werden. Alternativ kann man z.B. eine Liste der Namen (inkl. Fotos) der Leute mit Stadionverbot allen Ordnungshütern verteilen und diese müssen sie sich merken. Wird dann besonders "lustig", wenn man bei einer solchen "analogen Lösung" die Ordner noch haften lässt; vom Datenschutz durch die Verteilung dieser Listen spreche dabei noch gar nicht.

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  • Bernd am 01.02.2012 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Schäden

    Gute Sache. Allerdings hätte man im Artikel erwähnen können, dass mutwillige Sachbeschädigungen auch vorher fast nie passiert sind. Die "Schadensummen" der SBB setzen sich aus Reinigungskosten und Defizit wegen der vergünstigten Tickets zusammen. Das einzige Foto, das zu Schäden in Extrazügen existiert ist ja auch nicht wirklich tragisch, es handelt sich um herausgehobene Sitzflächen, die sich problemlos wieder einsetzen lassen. Natürlich gab es auch schon Zwischenfälle, auf die Anzahl Züge und Passagiere gerechnet passiert allerdings so gut wie gar nichts.

    • Lukas Mäder, 20 Minuten Online am 01.02.2012 10:39 Report Diesen Beitrag melden

      Ungedeckte Kosten

      Guten Tag. Die 3 Millionen Franken sind die ungedeckten Kosten der SBB. Darin sind neben Schäden (die aber keinen besonders grossen Anteil ausmachen) auch Mehraufwand für die Züge und die Reinigung sowie insbesondere auch die Personalkosten enthalten. Den SBB geht es nicht nur darum, die teilweise vorkommenden Schäden zu verhindern, sondern insbesondere auch darum, die Personalkosten zu senken. Mit freundlichen Grüssen, Lukas Mäder

    • Bernd am 01.02.2012 11:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Lukas Mäder

      Gute Antwort, besten Dank. Dies wird für meinen Geschmack oft einfach zu wenig betont oder meist nicht einmal erwähnt. In vielen Artikeln liest man nach wie vor von 3 Mio. Schäden pro Jahr und da frage ich mich jeweils, ob es sich um fehlende Recherche oder um beabsichtigte Hetze auf Kosten der Fussballfans handelt.

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