Marsch durch Bern

17. Juli 2011 16:27; Akt: 17.07.2011 18:53 Print

FCB-Fans griffen in Bern Journalisten an

von Lukas Mäder - Zum Saisonauftakt kam es am Samstag in Bern zu unschönen Szenen. Beim Umzug von FCB-Fans durch die Innenstadt griffen Hooligans mehrere Journalisten an. Nicht zum ersten Mal.

storybild

Gewaltbereite Fans des FC Basel am Samstag in Bern: Der Hooligan mit der schwarz-weiss karierten Sturmmaske soll einen Radiojournalisten angegriffen haben. (Bild: Gaël Klein - RTS)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Beim Marsch von Anhängern des FC Basel (FCB) durch die Innenstadt von Bern am Samstag kam es zu gewaltsamen Szenen. FCB-Hooligans bedrohten Journalisten und griffen sie teilweise an. Beim Stadttheater attackierten mehrere FCB-Anhänger einen Zeitungsjournalisten mit Kamera. «Sie haben versucht, mich zu schlagen und mir die Kamera zu entwenden», sagt dieser zu 20 Minuten Online. Der Journalist konnte ausweichen und sich zu einem Gartenrestaurant nebenan flüchten, worauf die Hooligans von ihm abliessen. Beim Handgemenge verstauchten ihm die Angreifer den Finger. Der Journalist, der anonym bleiben will, überlegt sich nun, ob er Anzeige einreichen soll.

Ebenfalls körperlich angegriffen wurde ein Journalist des Westschweizer Radios RSR, der für eine Reportage Originalton sammelte. Er wurde in der Nähe des Viktoriaplatzes von FCB-Anhängern gestossen und sein Aufnahmegerät entwendet. Rund eine Stunde später fand er das Gerät völlig zerstört in der Nähe, wie der Radiojournalist zu 20 Minuten Online sagt. Der Haupttäter, den er zuvor fotografiert hatte, war mit einer schwarz-weiss karierten Sturmmaske vermummt und sprach gut französisch. Der Journalist will am Montag Anzeige einreichen.

Bedroht wurde auch eine Videojournalistin von Tele Bärn. Am Bahnhof sei ein FCB-Hooligan an sie herangetreten und habe sie aufgefordert, die Aufnahmen zu löschen. Zudem habe er ihr gedroht, falls sie den Fanzug weiterhin filme. Das habe sie in der Altstadt von Bern dennoch getan. Als die gleiche Person sie erneut entdeckt hatte und auf sie zukam, rannte die Videojournalistin davon, wie sie sagt. «Danach habe ich das Filmen bleiben lassen.»

Bereits im April Drohungen

Zu solchen Vorfällen kam es am Samstag nicht zum ersten Mal. Bereits im April, als die FCB-Fans erstmals einen Marsch durch die Innenstadt erzwangen, wurden Fotografen bedroht. Damals forderten FCB-Anhänger mehrere Fotografen unter Drohung auf, ihre Speicherkarten zu löschen. Er habe ein Übersichtbild auch einiger Entfernung machen wollen, erzählt ein Agenturfotograf, da sei plötzlich ein muskulöser Kerl neben ihm gestanden. «Er sagte mir, entweder würde ich die Speicherkarte formatiere oder es gebe Schläge.» Der Fotograf sei der Aufforderung nachgekommen.

Gewalt und Drohungen insbesondere gegen Fotografen scheint bei den Basler Fans systematisch zu sein. So schildern mehrere Betroffene, dass eigentliche Späher dem Fanzug vorausgingen. Diese hielten Ausschau nach Fotografen - teilweise auch filmende Passanten oder Touristen - und würden diese bedrohen. Der Vorfall im April gab dem Agenturfotografen zu denken. «Ich wurde vorher in meiner langen Zeit als Fotograf noch nie bedroht.»

Der Polizei Bern sind Vorfälle bekannt, in die Journalisten involviert waren, wie Sprecherin Daniela Sigrist sagt. «Unsere Leute haben den Betroffenen geraten, Anzeige zu erstatten.» Bisher sei aber noch keine eingegangen.

Einsatz von Gummischrot

Die Polizei Bern zieht denn auch keine positive Bilanz des FCB-Marsches. Zwar hat es laut Sigrist keine massiven Sachbeschädigungen gegeben. Aber es kam zu Verkehrsbehinderungen und Klagen der Anwohner. Nach dem Spiel musste die Polizei zudem Gummischrot einsetzen, als Polizisten in der Nähe des Bahnhofs Wankdorf angegriffen wurden. Der SBB liegen keine Meldungen über gravierende Schäden am Extrazug vor.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger Nufer am 17.07.2011 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Während eines Arbeitstages einbuchten

    Alle Vemummten und gewaltbereiten Hooligans verhaften und mindestens während eines Arbeitstages im Bau behalten. So kommen sie bei ihren Arbeitgebern in Erklärungsnot. Ich bin nämlich überzeugt, dass die meisten von ihnen an der Arbeitsstelle lammfromm sind, die es dort nie wagen würden das Maul aufzureissen.Darum müssen sie es auf der Strasse anonym kompensieren.

  • Ein Basler... am 17.07.2011 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    Recht am Bild wird ja auch nicht erfragt

    Das Fotografieren eines Fanzuges geht auch aus der Sicht des Datenschutzes nicht in Ordnung, man müsste ja, aus Recht am Bild, jeden einzelnen Fan fragen, ob er auch die Zustimmung zum Bild gibt. Dass am an aber den Fotografen auffordert, die Bilder zu löschen, ist schlichtweg Blödsinn: jedes gelöschte Bild einer Karte kann ohne Mühe innert Sekunden wiederhergestellt werden, also sofern man die Kamera nicht gewalteinsetzend an sich bringt ist der Schaden schon angerichtet. Katz und Maus v2...

    einklappen einklappen
  • Andreas Durrer am 17.07.2011 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt...

    Hooligans dürfen in diesem Land scheinbar machen, was sie wollen und unsere Sicherheitspartei SVP bleibt stumm. Bei den Ausländern gelten dann aber ganz andere Spielregeln. Ausschaffung wegen Bagatellen und Schweizer Fussballfans dürfen unbescholten gewaltsam Journalisten angreifen... Es braucht nun griffige und schmerzhafte Massnahmen, damit diesem Treiben einhalt geboten wird. Vielleicht sollte die SVP ihre Initiativenenergie mal in diese Richtung lenken anstatt bei bereits gelösten Themen zu verschwenden. Aber um die Schweizer Kriminellen müssen sich wohl die anderen Parteien kümmern.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nachtrag A. Durrer am 19.07.2011 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Neuer Pressefokus...

    ...Die Presse sollte dem gesamten Schweizer Fussball die Plattform nehmen und überhaupt nichts mehr berichten! Keine Resultate, keine Bilder, keine Berichte, einfach nichts mehr. Es gibt genügend Alternativen und Sportarten, welche nicht nur interessanter, sondern auch fair sind. So können dann auch die Sponsoren Sport unterstützen, welcher unterstützenswert ist, anstatt solchen Raufhandel ständig quer zu subventionieren. 1 Jahr lang mal Fussball raus, Topsport rein und das Thema ist eh gegessen, denn ohne Sponsoren, keine teuren Spieler, keine teuren Stadions und bald auch keine Fans mehr...

  • Marco am 19.07.2011 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Chaot

    Egal ob Fussball oder 1. Mai. Die Bilder müssen gleich veröffentlicht werden. Unbeteiligte merken von Anfang an, ob sie neben einem Chaot hergehen oder nicht.

  • nurmalso am 19.07.2011 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Immer die selbe Ausrede

    "Ich wurde provoziert" ist die Standardausrede jedes notorischen Raufboldes. Ich kenne die "Fanmärsche" das FCB nur zu gut, das ist wie ein Pulverfass, das sich begeistert auf jeden Funken stürzt. Es ist tatsächlich nur ein kleiner Teil, der Sachbeschädigungen, Tätlichkeiten und Drohungen begeht, doch diese Leute werden zu 100% von den restlichen "freidlichen" Fans gedeckt, keiner würde der Polizei gegenüber eine Aussage machen, selbst bei schwerer Körperverletzung. Auch hier im Kommentarbereich wird Beschädigung von öffentlichem und privatem Eigentum sowie Nötigung von Journalisten verteidigt

    • Erwin Giger am 19.07.2011 11:15 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Bin genau der gleichen Ansicht! Wieso werden diese Idioten noch gedeckt? Gewalt egal ob gegen Menschen oder Gegenstände sind strafbar und sollten bestraft werden! Warum stehen die sogennant friedlichen Fans nicht mal zusammen und schauen dass diese Kravallbrüder neutralisiert werden? So könnten sich die friedlichen Fans mal auszeichnen und müssten nicht ständig schlechte News auf sich nehmen! Aber nein sie unterstützen gar diese Idioten, schlimm sowas!

    • Marco am 19.07.2011 15:44 Report Diesen Beitrag melden

      Jammern

      Je mehr die Chaoten krawall machen, desto mehr Schaulustige scharen sich um sie herum. Danach Jammern sie, wenn sie was abbekommen oder behindern die Polizei, weil sie denken, dass diese ja total daneben handelt. Anschliessend Jammern, weil die Tickets teurer werden. Hauptsache Jammern und sich selber im Unrecht fühlen können.

    einklappen einklappen
  • Andreas Durrer am 19.07.2011 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bankrotterklärung...

    Interessant wie sich hier viele Fans an Bildmaterial stören. Gäbe es keine Presse, würden die Sponsoringgelder der Clubs zusammensacken und das Thema wäre über kurz oder lang auch gegessen. Vielleicht sollte einfach die Presse nun ein Jahr lang über keinen Match mehr berichten und kein Fussball mehr am TV ausgestrahlt werden (schliesslich sind auf TV-Aufnahmen auch Fans zu sehen). Dies wäre wohl die griffigste Massnahme überhaupt, denn ohne Sponsoren auch kein Fussball oder die Ticketpreise werden so hoch, dass sich sowieso nur noch Banker den Eintritt leisten können. Problem gelöst!

  • Ürsel am 19.07.2011 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ojeee

    Die Krawallbrüder müssen gefasst werden und vom Fussballumfeld verbannt werden. Vorallem vermummte Typen gehören sowieso nicht dahin und sollten eigentlich sofort gefasst werden. Aber . . . es ist halt auch so, dass einige (Medien-)Leute am Strassenrand ja nur darauf warten, dass sich einer der Marschierenden nicht korrekt verhält. Zuerst heisst es 2 Tage lang, es sei friedlich abgelaufen. Dann findet sich doch tatsächlich noch jemand, der eins auf die Mütze gekriegt hat. Naja, man muss ja auch nicht zuschauen. Dann hätte der marsch beim nächsten mal auch seinen Reiz verloren.