Europa-League-Final

19. Mai 2016 15:23; Akt: 19.05.2016 16:59 Print

Fussball-Fans hinterlassen 16 Tonnen Müll

Sevilla gewann in Basel zum dritten Mal in Folge die Europa League. Die Spanier feierten und die Engländer weinten. Dabei hinterliessen die Fans ein Abfallchaos.

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Liverpool versank in Tränen, die Basler Innenstadt im Abfall. Das Fussballfest hinterliess eine bescheiden schöne Bescherung. Die Zeit zerrann, das Bier floss in unzählige Toitoi-Toiletten wie auch an die Kirchenmauer, und der Dosenberg wuchs an jeder Ecke enorm. Der Wind hat zugenommen und der Riesenballon hat zeitweise den Riesenbildschirm verdeckt. Nach wiederholtem Raunen der Menge wurde er abgebaut. Zufriedene Liverpool-Fans auf dem Barfi zur Halbzeitpause. 1:0 für Liverpool. Die Menge am Barfüsserplatz tobt. Becher, Bierdosen und Pyros fliegen durch die Luft. Im Stadion brach kurzzeitig eine Schlägerei aus. Volles Haus auf dem Seibi wenige Minuten vor dem Anpfif des Europa-League-Finals. Im Joggeli nähert der Anpfiff. Sevillas Trainer Unai Emery hat den Rasen betreten. Vor dem Spiel gab er sich selbstbewusst: «Die Europa League ist die zweite Frau der Sevillistas.» Die Vorfreude aufs Spiel lassen sich diese Fans auf dem Weg zum Stadion auch nicht vom Regen vermiesen. Leergefegt: Auf dem Markplatz-Public-Viewing will keine Stimmung aufkommen, nachdem der Regen eingesetzt hat. Während des Spiels wird es laut aktuellen Prognosen ebenfalls nass bleiben. Die Fans haben sich nach 17 Uhr aufgemacht zum Stadion. Die Sevillanos scheinen guter Laune und noch bei Kräften, als sie die Wettsteinbrücke passieren. Die Engländer sind derweil schon gelähmt vom Bier und warten am Bankverein vergebens auf ein Tram. Zum Stadion führt aber nur der Fussweg. Campino in der Fanzone: Der Sänger der Toten Hosen ist glühender Liverpool-Fan und lässt sich das Spiel in Basel natürlich nicht entgehen. Weniger berühmt sind diese beiden Herren hier: Juan (33) und Mario (34) begleiten ihre Campéones zu jedem Auswärtsspiel und hoffen natürlich auf einen Sieg. Die Wettquoten sind auf ihrer Seite. Die Strassen gehören den Fans. Der Tramverkehr kam deshalb am Mittag in der Innenstadt zum Erliegen. Zwischen Barfüsser- und Claraplatz fährt nichts mehr. Das Kleinbasel ist fest in andalusischer Hand. Auf dem Claraplatz haben sich die Rojiblancos versammelt. In ihre Fanzone machte am Mittag auch der Clubpräsident des FC Sevilla seine Aufwartung und schwor die Fans auf einen Sieg am Abend ein. Eindrücklich präsentiert sich die Kulisse auf dem Barfüsserplatz, den die Engländer besetzt haben. Zu einer richtigen Eroberung gehört auch der Aushang von Transparenten. Stimmungsfeuerwerk: Nicht nur an Meisterfeiern des FC Basel sind Pyrofackeln ein beliebtes Mittel, um die Party anzuheizen. Auch die Scousers setzten am Dienstagabend schon auf Pyrotechnik, um die Fangchöre zu dirigieren. Die Reds meinen es Ernst mit der Eroberung des Barfüsserplatzes. Der Rote Platz von Basel, vormals bekannt als Barfi, von den Büros von Adobe Research Schweiz AG. Der Barfüsserplatz füllt sich langsam. Die Liverpool-Fans haben am Seibi ihre Zelte aufgeschlagen und feiern hier dem Match entgegen. Wer kein Matchticket hat, kann hier am Abend das Spiel auf Grossleinwand verfolgen. Ein zweites Public-Viewing ist auf dem Marktplatz. Miguel (25) und Asier (28) sind am Mittwochmogen aus Barcelona angereist, um in Basel mit dem FC Sevilla mitzufiebern. Sie haben sogar noch eine Unterkunft in der Stadt gefunden, die sie vor dem Spiel noch kennenlernen wollen. «First culture, then football», sagen sie. Diese gut gelaunte Reisegruppe aus Liverpool ist bereits am Dienstagabend in Basel angekommen und hat sich Nacht im Elsass um die Ohren geschlagen. Jetzt sind sie schon wieder durstig und ziehen nach Basel. Zu Fuss muss keiner gehen. Die Fangruppen werden mit Bussen in die Fanzonen in der Innerstadt gefahren. Die Liverpooler Fans werden auf der französischen Seite des Flughafens in Empfang genommen, während die Sevillanos über die Schweizer Seite einreisen. Lee Johnson (l.) und John O'Ryan (r.), beide 33, sind schon am Dienstag mit dem ersten Flug aus Liverpool angekommen. Sie werden beide im Stadion sein, wenn ihr Team auf den FC Sevilla trifft. Auch vor dem Mr. Pickwick's Pub sammelten sich am Dienstagnachmittag die ersten Liverpool-Fans. «Piwi's» Geschäftsführer Mark Gauci freut sich auf den Event. Mit 16'000 Litern Bier ist sein Pub auf den Ansturm vorbereitet. Indessen patroullieren in der Innenstadt nicht nur Basler Polizisten sondern auch englische «Bobbies» aus Liverpool. Die Verbindungsoffiziere begleiten ihre Teams bei jedem Auswärtsspiel - so auch in Basel. Auch die VIP-Bar heisst die englischen Fans willkommen. Dabei ist die Steinenvorstadt etwas einseitig rot gefärbt. Im Coop-Pronto am Barfüsserplatz ist man ebenfalls gut vorbereitet: Bier so weit das Auge reicht. Denn gleich nebenan wird eines der beiden Public Viewings stattfinden. So stockt auch das Paddy Reilly's seine Bierreserven auf. Indes ziert ein übergrosser EL-Pokal den Marktplatz. Hier wird das zweite Public Viewing stattfinden. Die Zeichen stehen auf Fussball-Fest.

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Die Stadt gehörte am Mittwoch den Fussball-Fans. Schon lange vor dem Europa-League-Final zwischen Liverpool und dem FC Sevilla waren die zugewiesenen Fanzonen und weite Bereiche um sie herum zum Bersten voll. Dabei floss das Bier in Strömen und Fangesänge hallten durch die Basler Strassen. Rund 25'000 Personen waren laut Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) aus England und Spanien angereist, um das Spektakel mitzuerleben. Wer im ausverkauften St.-Jakob-Park keinen Platz fand, verfolgte das Spiel trotz zeitweise miesem Wetter im Gedränge der Public Viewings am Barfüsserplatz und am Markplatz.

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Die Hoffnungen der Liverpool-Fans wurden zerstört, als Sevilla nach einem 0:1-Rückstand die Partie in der zweiten Halbzeit noch drehte und den Final mit 3:1 für sich entschied. Dabei kam es am Barfi schon beim 1:1-Ausgleich zu einer Schlägerei mit Verletzten, die von der Polizei beendet werden musste. Die Sanität musste laut Mitteilung total 21 Personen ins Spital bringen, die es mit dem Alkohol deutlich übertrieben hatten. Insgesamt waren 1500 Beamte und 90 Rettungskräfte im Einsatz. 30 Personen wurden unter anderem wegen Ticket- und Warenfälschungen sowie Diebstahls festgenommen.

16 Tonnen Müll in einer Nacht

Als die Fans nach Abpfiff im strömenden Regen abzogen, liessen sie eine dicke Müllschicht auf dem Boden zurück. Die Stadtreinigung hatte alle Hände voll zu tun. «Seit Mittwochabend haben 50 Personen total 16 Tonnen Abfall eingesammelt», sagt Leiter Peter Schär. Das sei eine «rechte Menge», denn sie sei nur auf die Fussball-Hotspots Stadion, Fanzonen und Public Viewings konzentriert gewesen. Zum Vergleich: Bei der Fasnacht würden 250 bis 300 Tonnen Abfall anfallen, jedoch über drei Tage und die ganze Stadt verteilt, erklärt Schär.

«Der Sondereinsatz war spannend für uns», sagt er weiter. Denn bei der Fasnacht oder Meisterfeier wisse man genau, was man zu erwarten habe. Der Europa-League-Final sei aber «unplanbar» gewesen. Da störte es auch nicht, dass offenbar ein Bierfass in den Ansaugschacht einer der fünf grossen Wischmaschinen, die im Einsatz waren, geraten sei und diese zeitweise aus dem Verkehr gezogen habe. Um 8 Uhr sei der Spuk für die Stadtreinigung vorbei gewesen.

«Sehr zufrieden»

Der verantwortliche Projektleiter Peter Howald vom Basler Sportamt zeigt sich sehr zufrieden mit dem Verlauf. Der Standort Basel habe sich als Austragungsort profilieren können. «In der Regel wird der Final in grösseren Stadien ausgetragen. Wir sind sehr glücklich, dass wir das machen konnten», sagt er. Die Stadt habe die Herausforderung gemeistert, obwohl man lange nicht wusste, wie viele Engländer tatsächlich anreisen würden. Denn Liverpool habe Tickets für das Spiel verkauft, ohne sie an ein Reiseangebot zu knüpfen – was die Uefa aber fordere. «Das machte die Planung schwierig», sagt Howald. Bei Sevilla sei das kein Problem gewesen, da die spanischen Anhänger alle organisiert gereist seien.

Howalds Fazit: «Es war eine absolut tolle Erfahrung». Vor allem beeindruckt habe ihn die selbstverständliche und pragmatische Zusammenarbeit aller betroffenen Stellen. Der FCB, die Polizei, der Flughafen, die IWB, die Stadtreinigung und viele mehr hätten hevorragend kooperiert.

«Definitiv nicht!» antwortet Howald mit einem Lachen auf die Frage, ob er als nächstes den Champions-League-Final nach Basel holen wolle. «Das wäre genial, aber dafür ist wohl das Stadion zu klein.»

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. Spock am 19.05.2016 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verpacken ist ein grosser Wirtschaftszweig

    wundert mich nicht. Schaut euch mal unsere Verpackungsindustrie an. Alles wird 3 und 4 fach verpackt, völlig unnötig und verantwortungslos.

  • Marcello am 19.05.2016 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ach ja...

    Wäre ich jetz so wie viele andere würde ich als nicht Fussball Fan sofort nach einem Verbot von solchen Veranstaltungen fordern. So wie z. B. nach dem Tanz dich frei in Bern (mit weniger Abfall) Zum glück bin ich nicht so ;)

  • AlCapone am 19.05.2016 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Barfi

    Man muss auch sagen, dass es am Barfüsserplatz deutlich zu wenige Abfallwägelchen oder Container hatte, die Meute hatte gar keine andere Wahl als alles am Boden zu lassen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schnabias am 20.05.2016 00:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein!

    Basel braucht solche Veranstaltungen nicht! Es ist generell unbegreiflich, warum Fussballevents automatisch mit Randale, Chaos und Müllbergen einher gehen müssen. Entsprechend sind sie auch nicht förderlich für ein positives Image der Stadt, im Gegensatz zu Veranstaltungen wie zum Beispiel das Basel Tattoo.

  • AlCapone am 19.05.2016 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Barfi

    Man muss auch sagen, dass es am Barfüsserplatz deutlich zu wenige Abfallwägelchen oder Container hatte, die Meute hatte gar keine andere Wahl als alles am Boden zu lassen...

  • Mr. Spock am 19.05.2016 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verpacken ist ein grosser Wirtschaftszweig

    wundert mich nicht. Schaut euch mal unsere Verpackungsindustrie an. Alles wird 3 und 4 fach verpackt, völlig unnötig und verantwortungslos.

  • Marcello am 19.05.2016 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ach ja...

    Wäre ich jetz so wie viele andere würde ich als nicht Fussball Fan sofort nach einem Verbot von solchen Veranstaltungen fordern. So wie z. B. nach dem Tanz dich frei in Bern (mit weniger Abfall) Zum glück bin ich nicht so ;)

  • Hellfire am 19.05.2016 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wie daheim

    Wie üblich. Ich lasse einfach fallen, es sieht schon keiner. Die Leute benehmen sich wohl eben, wie zu Hause auch (das möchte ich dann aber nicht sehen).