Torschüsse wie Blitze

16. Mai 2017 07:53; Akt: 16.05.2017 07:57 Print

Fabrice, der Herzog von Paris

von Marcel Allemann, Paris - Er ist mit seinen Toren der Schweizer Shooting-Star an dieser WM. Doch wer ist dieser Fabrice Herzog?

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Zwei Tore gegen Kanada, eines gegen Finnland – und was für Tore das waren! Schüsse wie Blitze unters Lattenkreuz. Dabei war der Start ins Turnier harzig. Er hatte zu Beginn die Rolle des 13. Stürmers inne, bekam kaum Eiszeit. «Das war eine schwierige Situation. Doch Patrick Fischer hat mir gesagt, dass meine Chance kommen wird», sagt Herzog. Sie kam. Und der 22-Jährige schlug zu. Gnadenlos.

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«Mein Ziel ist es, jeden Schuss im Tor unterzubringen. Das hat bislang ganz gut geklappt», sagt Herzog. Bescheidenheit auf dem Eis ist nicht sein Ding. Ganz im Gegensatz zu seinem Auftritten daneben, wo sich unser Herzog von Paris zwar höflich, aber zurückhaltend, ja fast scheu gibt. «Ich bin einer, der eigentlich lieber nicht im Rampenlicht steht», gibt er zu. Doch das ist nach diesen Toren schwierig geworden.

«Fabrice ist in der Kabine genau so, wie ihr ihn auch wahrnehmt; ruhig, bodenständig und anständig. Aber er ist auch einer jener Spieler, auf die man sich als Teamkollege immer zu 120 Prozent verlassen kann», sagt Reto Suri. Der Zug-Stürmer kennt Herzog schon ein wenig länger, war in der Saison 2012/13 dabei, als dieser seine ersten NLA-Spiele für den EVZ machte. «Er hat schon damals viel Potenzial mitgebracht und sich seither gut weiterentwickelt.»

«Fabrice ist auf den Erfolg ausgerichtet»

Fabrice Herzog stammt aus Frauenfeld, spielte später auf Juniorenebene für die Pikes Oberthurgau. Dort entdeckte ihn während eines Spiels gegen den EVZ der damalige Zuger Nachwuchs-Trainer Leo Schumacher (heute GCK Lions) und holte ihn als 17-Jährigen in die Zentralschweiz. In Zug begann er auch eine Lehre als Automechaniker, schmiss diese nach einem Jahr jedoch wieder hin, weil er seiner Meinung nach nicht genug Zeit für das Eishockey aufwenden konnte. «Fabrice ist auf den Erfolg ausgerichtet und tut alles dafür», so Schumacher über seinen ehemaligen Schützing.

Nach den zwei Jahren in Zug und den ersten NLA-Einsätzen, ging Herzog für ein Jahr nach Übersee, spielte dort mehrheitlich für die Québec Remparts in der Nachwuchs-Liga QMJHL, kam aber auch bei den Toronto Marlies in der AHL zum Einsatz. Nach einer Saison kehrte er gestärkt nach Zug zurück und schaffte den Durchbruch in der NLA.

Der Thurgauer spielte so überzeugend, dass ihn der ZSC nach Zürich lockte, wo er nun seit Sommer 2015 unter Vertrag steht. Sein Abgang schmerzte den EVZ. So sagte Trainer Harold Kreis einst in einem Interview, dass er, wenn er einen Wunsch frei hätte, gerne Herzog zurück hätte.

Nächste Station NHL

Das Ende der Fahnenstange ist für den Nati-Shooting Star kaum erreicht. 2013 wurde er von den Toronto Maple Leafs gedraftet und die NHL ist auch sein grosses Ziel. «Ich arbeite darauf hin, dass ich dort eine Chance bekomme», so Herzog. Vor allem seine beiden Tore gegen Kanada könnten sich als Türöffner erweisen, diese wurden dort natürlich registriert.

Zudem ist Toronto-Headcoach Mike Babcock an der WM vor Ort. Dieser wird inzwischen auch wissen, dass Herzog in der Saison 2015/2016 bei den ZSC Lions Seite an Seite mit seinem Jungstar Auston Matthews spielte und die beiden sehr gut harmonierten.

Die ZSC Lions müssen also um ihren WM-Helden zittern, denn dieser besitzt in seinem bis 2019 gültigen Vertrag eine NHL-Ausstiegsklausel. Der neue ZSC-Sportchef Sven Leuenberger, der Herzog bislang nicht persönlich kennenlernen konnte, sagt dazu: «Seine tollen Leistungen sind uns natürlich nicht entgangen. Ich weiss allerdings nicht, ob der Markt für diesen Spielertypen in Nordamerika nicht zu gross ist. Sollte es ihm aber für einen NHL-Vertrag reichen, dann müssen wir weiter schauen.»

Erst 22 und schon Familienvater

Obwohl erst 22 Jahre alt, ist Herzog bereits Vater einer 15 Monate alten Tochter namens Emma. Verheiratet ist er mit Tamara, der Schwester von Goalie Gianluca Hauser (ex Zug, nun bei Sierre). Bei einem der WM-Spiele sei seine Tochter noch wach gewesen, erzählt der junge Familienvater. «Es war für sie sicher komisch, den Kopf ihres Papis im Fernseher zu sehen», mutmasst Herzog. Begreifen, dass dieser derzeit die ganze Hockey-Schweiz begeistert, wird sie indes jedoch noch nicht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ZSC4ever am 16.05.2017 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die vom ZSC sind doch nicht so schlecht

    schon lustig. Vor der WM und nach dem ersten Spiel gegen Slowenen standen hier Kommentare, dass es zu viele Zürcher im Team hat. Und jetzt sind es mit Schäppi, Suter und Herzog drei junge ZSC Spieler welche einen grossen Anteil haben und zusammen am meisten Tore zur 1/4 Final Quali schossen. Tja die Bösen, Arroganten mit der grossen klappe aus Zürich gehören halt doch auch zur Schweiz. Und genau keiner der drei ist so einer genauso wenig wie die meisten Zürcher eigentlich nicht. Wir reden nur etwas zu schnell und manchmal zu laut :-) Mir macht diese Nati von Anfang Spass und weil das Team so "geili Sieche" sind war ich mit tausenden von echten Schweizer Hockey Fans in Paris, als noch überhaupt nicht sicher was aus der Vorrunde wird. Alles was kommt ist Zugabe zum geniessen. Hopp Schwiiz

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  • DogoZH am 16.05.2017 09:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es riise ....

    Bravo Fabrice!!! Geile Siech!!! Eine vo ois! Das macht als Z und Nati fan doppelt froid!!! Hopp SchwiiZH!!!

  • Marco Thosio am 16.05.2017 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt andere

    Vincent Praplan überzeugt mich viel mehr, tut neben den Toren auch sonst viel für die Offensive. Malgin für mich auch top obwohl das nicht verwunderlichg ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Don Petrus am 16.05.2017 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Stark!

    Als passiver Hockeyfan der Tigers (im Schnitt etwa 1 Matchbesuch pro Saison) hörte ich bis anhin weder von Herzog noch von Praplan. Ergo sind diese beiden Spieler auch die grössten Überraschungen für mich. Hui, die existieren und können sogar Hockey spielen.. :-D

  • Kowaltschuk am 16.05.2017 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf dem Boden bleiben

    Ich mag Herzog die 3 Tore von Herzen gönnen. Wie schnell es im Eishockey gehen kann, sieht man im Vergleich Brunner Herzog extrem. Brunner s Leistungen waren schwach und er musste Herzog weichen. Dass jetzt aber in den Medien schon von der NHL fabuliert wird, geht doch etwas an der Realität vorbei. Spielertypen wir Herzog gibt es in Nordamerika zu hauf, ohne dass sie ein NHL Stadion je von innen gesehen haben. Sein NLA Leistungsausweis reicht bis anhin wohl noch nicht aus um schon von der NHL zu träumen, da ändern auch diese Tore noch nichts.

    • Walter W. am 16.05.2017 13:26 Report Diesen Beitrag melden

      übertreiben ist beliebt

      Träumen darf man immer, es ist gut das er träumt, denn dieser Traum sollte ihn zu mehr Training und noch mehr Arbeit motivieren!!! Und nur wer an seinen Traum glaubt und dafür kämpft kann ihn verwirklichen! Sonst stimme ich vollkommen zu, wie schnell wir beim Analysieren von Looser zu Heldentum wechseln ist oft übertrieben...Fischer wurde innert weniger Tage vom Hockey-Cheerleader zum Banden-General und Helden auserkoren... Herzog wäre vor 1 Woche als "unwichtigen" Ergänzungsspieler abgetan worden, nun ist er der nächste NHL Schweizer...die Medien übertreiben halt gerne :))

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  • Alois Röschti am 16.05.2017 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Super Typ

    Fabrice ist wirklich ein super Typ. Anständig und freundlich. Auch gegen uns als Funktionäre vom Z. Er grüsst mich immer wieder, obwohl wir uns ja nicht wirklich kennen. Dazu ein super Spieler, bei welchem das volle Potential noch nicht ausgeschöpft ist. Darum Fabrice. Lass es rocken und zeig, was in Dir steckt ! Dann kannst Du einer der ganz grossen werden !

  • marko 32 am 16.05.2017 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glückwunsch

    Glückwunsch

  • urs12345 am 16.05.2017 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ?????

    Die Tore mag ich ihm gönnen. Aber dass er mit zwei abgebrochenen Lehren als Vorbild für junge Eishockeyspieler dient ist sehr bedenklich.