Center-Problem

10. Mai 2016 05:46; Akt: 10.05.2016 07:38 Print

Die NLA-Clubs tragen Mitschuld am Nati-Debakel

von Marcel Allemann, Moskau - Das Center-Problem ist eine der Hauptsorgen der Nati an der WM. Diese Suppe eingebrockt haben uns die Sportchefs in der NLA.

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Die WM ist für die Schweizer vorbei, sie müssen nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. Die Nationalmannschaft verliert das entscheidende Spiel gegen Tschechien 4:5. Zwar geht die Schweiz im ersten Drittel durch Denis Hollenstein 1:0 in Führung, ... ... in der Folge sind die Tschechen aber klar die bessere Mannschaft und drehen die Partie in souveräner Manier. Auch wenn die Schweizer nochmals herankommen, befinden sie sich am Boden. Die WM geht mit einer Enttäuschung zu Ende. Assistenzcoach Reto von Arx im Gespräch mit Rafael Diaz: Der Verteidiger ist bereit für das letzte Gruppenspiel gegen Tschechien. Am Ende jubeln die Schweden: Die Schweizer unterliegen den Skandinaviern 2:3 nach Penaltyschiessen. Die Nati zeigt eine starke Leistung gegen die Schweden. Zweimal gehen die Schweizer in Führung, Sven Andrighetto gelingt im ersten Drittel das 1:0. Zweimal kommt Schweden zurück und hat im Penaltyschiessen das Glück auf seiner Seite. Nichts zu holen gegen den Gastgeber. Die Schweiz verliert das fünfte WM-Spiel gegen Russland 1:5. Das Team von Patrick Fischer zeigt allerdings eine ansprechende Leistung und hält phasenweise gut dagegen. Auch körperlich, wie hier Nino Niederreiter (r.). Doppeltorschütze Ivan Telegin eröffnet das Skore früh mit einem umstrittenen Tor. Umstritten, weil er vor dem erfolgreichen Nachschuss Goalie Reto Berra behindert. NHL-Star Jewgeni Kusnezow zaubert den Puck beim 2:0 aus der Luft ins Tor. Simon Moser (82) erzielt kurz vor Schluss den Schweizer Ehrentreffer. Spektakel mit Happy End: Die Schweiz besiegt Lettland im vierten WM-Match 5:4. Das entscheidende Tor schiesst wie schon gegen Dänemark Eric Blum (l.). Der Verteidiger trifft in der 59. Minute. Es ist der Schlusspunkt einer turbulenten Partie. Im Startdrittel fallen noch keine Tore, obwohl beide Mannschaften gute Chancen kreieren. Danach nimmt NHL-Export Nino Niederreiter das Heft in die Hand. Der Minnesota-Stürmer sorgt mit einem Doppelschlag in Überzahl (24./27.) für eine 2:0-Führung. Nur zwei Minuten später muss sich Lettland-Goalie Edgars Masalskis erneut bezwingen lassen. Grégory Hofmann erzielt das 3:0. Eine scheinbar komfortable Führung für die Schweiz. Die Letten nutzen danach aber ihrerseits zwei Powerplays zu Toren. Mikelis Redlihs (l.) trifft doppelt und stellt auf 2:3. Kurz vor Drittelsende lenkt Morris Trachsler den Puck unhaltbar für Goalie Reto Berra ins eigene Tor. Im Schlussdrittel ist es Sven Andrighetto (M.), der die Nati erneut in Führung bringt. Doch nur 26 Sekunden später gleicht Aleksejs Sirokovs für die Balten zum 4:4 aus. Dank Blum jubeln am Ende trotzdem die Schweizer. Geht doch: Die Schweiz gewinnt gegen Dänemark 3:2 nach Verlängerung. Siegestorschütze ist Eric Blum. Der Befreiungsschlag nach zwei Pleiten macht Freude. Die Dänen führen nach dem Startdrittel dank zwei Powerplaytoren 2:0. Lange sieht man auf der Schweizer Bank konsternierte Gesichter. Nach den beiden Niederlagen kommt es zu Umstellungen: Robin Grossmann (Bild) verteidigt nicht mehr mit Yannick Weber und kommt somit höchstens zu Teileinsätzen. Gaëtan Haas muss am Mittwoch auf die Tribüne. Dafür kommen gegen Dänemark Reto Schäppi und Noah Schneeberger zum Einsatz. Trainer Patrick Fischer im Gespräch mit Denis Hollenstein, Felicien Du Bois, Andres Ambühl und Samuel Walser (v.l.). Materialwart Kari Müller hört ebenfalls gespannt zu. Die Vorbereitungen auf das Dänemark-Spiel laufen auf Hochtouren. Dazu gehört auch das Dehnen. Die Schweiz verliert auch das zweite WM-Spiel. Gegen Norwegen setzt es eine 3:4-Niederlage nach Verlängerung ab. Ein Start nach Mass: Samuel Walser trifft bereits in der dritten Minute zur Schweizer Führung. Die Nordeuropäer bewahren kühlen Kopf und gleichen die Partie nach einer Viertelstunde aus. Das Mitteldrittel gehört den Skandinaviern. Die Norweger bejubeln zwei Treffer. Hier liegen sich die Norweger nach dem 3:1-Führungstor in den Armen. Die spannende Affiche lässt niemanden kalt. Ole-Kristian Tollefsen (l.) und Nino Niederreiter (r.) müssen vom Schiedsrichter beruhigt werden. Es wird mit harten Bandagen gekämpft. Zehn Sekunden vor Schluss rettet Félicien Du Bois (r.) die Schweizer in die Verlängerung. Am Ende behalten die Skandinavier aber die Nerven und dürfen sich über zwei Punkte freuen. Hängende Köpfe bei den Eidgenossen: Der WM-Start ist gründlich in die Hose gegangen. Bedröppelte Schweizer Mienen zum WM-Auftakt: Die Nati verliert gegen Aufsteiger Kasachstan 2:3 nach Penaltyschiessen. Während die Kasachen Goalie Reto Berra im Shootout dreimal bezwingen, sind auf Schweizer Seite nur zwei Spieler erfolgreich. Nigel Dawes trifft gleich doppelt, hier entscheidet er als vierter Schütze seines Teams die Partie. Dies, weil Lino Martschini bei seinem zweiten Versuch scheitert. Zuvor hat auch Nino Niederreiter kein Glück im Abschluss. Die Schweizer müssen sich an der eigenen Nase nehmen. Sie sind deutlich überlegen, vergeben aber wie hier Simon Moser zu viele Chancen. Allerdings haben sich auch Pech mit mehreren Metalltreffern. Dabei lässt sich die Partie gut an. Samuel Walser erzielt in seinem ersten WM-Match nach 15 Minuten das 1:0. Danach steht Reto Berra im Mittelpunkt. Der Goalie muss sich nach einer halben Stunde aus 35 Metern bezwingen lässen, weil er danebengreift. Der Torschütze heisst Roman Sawtschenko (M.). Im Schlussdrittel gehen die Kasachen gar in Führung. Denis Hollenstein (M.) kann jedoch innert Kürze ausgleichen. Headcoach Patrick Fischer treibt seine Spieler an, doch sie müssen in die Verlängerung und dann ins Penaltyschiessen, wo die Niederlage besiegelt wird. So jubelt am Ende der Aussenseiter. Patrick Fischer gibt im Abschlusstraining vor dem Startmatch gegen Kasachstan Eric Blum Anweisungen. Der SCB-Verteidiger ist gesetzt. Reto Berra dürfte zum Auftakt gegen die Osteuropäer das Schweizer Tor hüten, alles andere würde überraschen. Der Chef und sein Captain: Nati-Trainer Patrick Fischer mit Stürmer Andres Ambühl. Fischer legt grossen Wert auf eine gute Chemie in der Mannschaft. Nach der Einheit schwört er sie noch einmal ein. Auch das Schweizer WM-Motto zielt in diese Richtung. Die Spieler sollen stolz sein, für ihr Land auflaufen zu dürfen. Angewöhnung ans Moskauer Eis: Die Verteidiger Yannick Weber (l.) und Robin Grossmann im ersten Training an der WM-Stätte. Bissig wie immer: Dino Wieser im Duell mit Robert Mayer. Goalie Mayer testet seine Beweglichkeit. Kreuze, wohin das Auge reicht: Gaëtan Haas. Wiedersehen in Kloten: Denis Hollenstein begrüsst Vater und Assistenztrainer Felix Hollenstein. Gut gekleidet ins WM-Abenteuer: Die Verteidiger Félicien Du Bois (l.) und Raphael Diaz. Die Nati macht vor dem Abflug nach Russland auch auf Asphalt eine gute Figur.

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Es ist einer der Hauptgründe für das bisherige Debakel an der WM in Russland: Die Schweiz hat ein massives Center-Problem. Mit Morris Trachsler, Samuel Walser und Gaëtan Haas stehen lediglich drei waschechte Center im Team. Nachdem Haas durchgefallen und aus dem Team geflogen ist, sind es gar nur noch zwei. Der ihn nun gegen Dänemark ersetzende Reto Schäppi ist zwar ebenfalls ein gelernter Mittelstürmer, wurde diese Saison bei den ZSC Lions jedoch stets als Flügelstürmer eingesetzt, weil der scheidende Trainer Marc Crawford ihn auf dieser Position als stärker einstuft.

Ambühl und Hofmann – Center aus der Not

Aus der Not müssen in der Nati auch Andres Ambühl und Grégory Hofmann immer wieder als Center aushelfen. Eine Verschwendung, denn diese beiden Stürmer erzielen mit ihrem Speed als Flügel mehr Wirkung. Hofmann hat bei seinem Club Lugano diese Saison ebenfalls gelegentlich als Center ausgeholfen, bevorzugt aber auch selbst die Position an der Seite.

Morris Trachsler, der letzte übrig gebliebene routinierte Mittelstürmer in der Nati, musste gegen Norwegen phasenweise Doppeleinsätze leisten. Defensivstürmer Trachsler ist ein auch international starker Center für einen dritten oder vierten Block und auch fast der Einzige, der auf diesem Niveau regelmässig Bullys für sich entscheiden kann. Muss der ZSC-Spieler allerdings auch noch eine offensive Linie steuern, hat die Schweiz definitiv Sorgen.

Ausländer versperren Schweizer Centern den Weg

Doch weshalb hat eine Eishockey-Nation wie die Schweiz ein derart massives Center-Problem? Weshalb gibt es so wenige? «Vielleicht liegt es daran, dass bei den Clubs diese Position oft durch Ausländer besetzt ist», sagt der angesprochene Trachsler, der diese selbst nicht direkt gesucht hat, wie er sagt, «aber eben von den Trainern so eingesetzt wurde.»

Trachsler trifft den Nagel auf den Kopf. Die Position des Centers gilt im Eishockey als die zweitwichtigste neben jener des Torhüters. Und da bevorzugen es die NLA-Clubs, in den vorderen Linien auf ausländisches Personal zu setzen. Bei den zwölf Vereinen nahmen während der entscheidenden Spiele der Meisterschaftsentscheidung (Playoffs, Abstiegsrunde) neben Teilzeit-Lösung Hofmann nur Kevin Romy (Servette), Enzo Corvi (Davos), Yannick-Lennart Albrecht (SCL Tigers), Andrej Bykow (Fribourg), Alain Miéville (Lausanne) und Gaëtan Haas (Biel) eine Centerrolle in einer der nominell ersten beiden Linien ein. Bykow hat keine Lust auf die Nati, Romy hat sich ebenfalls selbst aus dem Rennen genommen, Corvi war angeschlagen, Miéville kann kein Thema mehr sein, Albrecht ist noch nicht reif genug und Haas bislang in Moskau durchgefallen. Mit Martin Plüss (Bern) hat ein grosser Schweizer Center der Vergangenheit seinen Nati-Rücktritt eingereicht, ein anderer war der inzwischen abgetretene Reto von Arx, der heute als Assistenztrainer fungiert.

Hoffnung dank Suter, Malgin und Richard

Fazit: Es liegt primär in der Verantwortung der Clubs, dass die Schweiz dieses Problem lösen kann. Sie müssen in ihrem Nachwuchs talentierte Mittelstürmer heranzüchten und diesen anschliessend auch in der NLA das Vertrauen für eine wichtige Rolle schenken. Hoffentlich bleibt es nur eine Zwischenbaisse, denn mit den erwähnten Corvi und Albrecht sowie Spielern wie Pius Suter, Denis Malgin und Tanner Richard verfügt die Schweiz über einige hoffnungsvolle Center-Talente. Auch Gaëtan Haas kann sich noch zu einem international brauchbaren Mittelstürmer weiterentwickelt. Wenn sie denn auf ihrer angestammten Position entsprechend gefördert werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pitri am 10.05.2016 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unverständlich

    ich weiss immer noch nicht warum ein Scherwey aussortiert wurde, ich bin kein SCB Fan, also trage keine Club Brille, aber er hat in den Playoff Finals bewiesen, dass er Torgefährlich und sehr schnell ist, genau so einer fehlt momentan. Der Artikel ist übrigens sehr gut geschrieben und bringt es auf den Punkt

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  • MZ am 10.05.2016 06:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Center Position

    Es würde Center geben wenn man sie Aufbieten würde, z.B. aus den beiden Play off Finalisten. Aber das "Trio Eugster" hat bewusst auf diese verzichtet und andere Mitläufer berücksichtigt. Stellt doch Herrn Weber un die Mitte, vielleicht ist er dort brauchbar...

  • Karin am 10.05.2016 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausrede

    Eine etwas billige Feststelllung. Es fehlen Spieler wie: Baltisberger, Scherwey, Künzle usw. gibt noch andere Jungs. Wenn die Verteidigung schläft, hat das nicht mit den Centern zu tun. Das Trio ist die Fehlbesetzung, sie haben das Kader zusammen gestellt. Und nach zwei Sppielen diese Feststellung. Noch Fragen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roli am 11.05.2016 15:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Torschützenliste

    Schon mal die Torschützenliste der vergangenen Meisterschaft studiert? Unter den ersten 10 sind vielleicht zwei Schweizer. Also wer schiesst in der Meisterschaft die Tore? Da verwundert es nicht, wenn an einer WM keine wichtigen Tore fallen. Einmal eine andere Frage, warum lässt man nicht von den fünf besten Clubs die Besten Blöcke miteinander spielen? Die wären ja im Verein schon aufeinander abgestimmt.

  • BJB am 10.05.2016 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld. Ha Ha

    Stimmt Die NLA Clubs sind schuld, warum spielen sie den auch nicht das gleiche System wie die CH Nati. Also so schlecht das auch Langnau oder Ambri sogar Biel Meister werden und der Z , Lugano HCD oder Bern Absteigen.

  • rtz am 10.05.2016 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    na sowas

    Ach das ewige Gejammer geht allen hart arbeitenden Eidgenossen sowas auf den Geist. Die verantwortlichen wissen ja erst seit Gestern, dass keine Schweizer in der heimischen Liga auf diesem Posten brauchbare Resultate erzielen. Dies zeigt einmal mehr, dass Reto von Arx und Fischer besser als Fliegengänger angeheuert hätten.

  • italoboy am 10.05.2016 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach komm

    super ausrede in der schweiz sind immer die andren schuld , ach komm seht es dich ein das ihr einfach schlecht seid .

  • bubu am 10.05.2016 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal ehrlich

    Wen Interessiert überhaupt eine alljährliche Eishockey WM? Wobei die besten Spieler noch NHL-Playoff spielen... Alle vier Jahre reicht auch, dafür mit allen Spielern und dann halt mit einer Schweiz die noch älter aussieht als jetzt schon....