Analyse zur Nati

21. Februar 2018 05:50; Akt: 21.02.2018 05:50 Print

Fischer wurde von seinem Bauchgefühl verlassen

von Marcel Allemann, Gangneung - Nach diesem miesen Auftritt der Schweizer Nati an Olympia kann man nicht zur Tagesordnung übergehen. Aber Köpfe werden kaum rollen.

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Eine 8:0-Party gegen Südkorea war schon alles. Daneben gab es nur Pleiten und mit dem Out in der Qualifikation zu den Viertelfinals gegen Erzrivale Deutschland zum Schluss auch noch die Höchststrafe. Statt einer Olympia-Medaille, die intern insgeheim angestrebt wurde, weil die NHL-Stars nicht dabei sind, gibt es nun Häme.

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Hinterfragen muss man nach dem Olympia-Debakel primär die Verbandsführung. Ohne Not haben sie vor Weihnachten den Vertrag mit Nationaltrainer Patrick Fischer vorzeitig um zwei Jahre verlängert. Ohne, dass dieser die gute letzte WM in einem der beiden Turniere in dieser Saison (Olympia, WM) bestätigen muss.

Vertragsverlängerung wird dem Verband um die Ohren geschlagen

An dieser Stelle sei nicht gesagt, dass Fischer der falsche Mann für diesen Job ist. Überhaupt nicht. Er ist ein junger, dynamischer, moderner Coach und ein glänzender Verkäufer des Schweizer Eishockeys. Auch hat er als Schweizer ein effektives Interesse daran, das Schweizer Eishockey langfristig besser zu machen. Diesbezüglich entwickelt er auch immer wieder gute Ideen.

Aber einen Freifahrtschein hätte man ihm trotzdem nicht geben dürfen. Dass der Verband dies tat, wird ihm nun um die Ohren geschlagen und zu verantworten hat dies Swiss Ice Hockey ganz allein. Die Wahrscheinlichkeit, dass Köpfe rollen werden, ist trotzdem gering.

Im wichtigsten Turnier war die Mannschaft auf einem schlechten Level

Was muss sich Fischer vorwerfen lassen? Vielleicht, dass er es nicht geschafft hat, die Mannschaft im wichtigsten Turnier auf ein einheitlich gutes Level zu bringen. Dass das Powerplay einmal mehr nicht funktionierte. Und dass zu viele Spieler nicht in der Lage waren, seinen Gameplan umzusetzen.

Eine grosse Stärke von Fischer ist eigentlich, dass er ein gutes Gespür für die Mannschaft hat. Doch dieses Mal hat ihn sein Bauchgefühl offensichtlich im Stich gelassen. Er hatte zu viele Spieler dabei, die nicht in Form sind, die die für sie vorgesehene Rolle so nicht ausfüllen konnten und dadurch zur Hypothek für die Mannschaft wurden.

Oder müssen wir ganz einfach akzeptieren, dass wir in Tat und Wahrheit nicht besser sind? Über einzelne Personalien lässt sich immer diskutieren und bestimmt hätten Joël Genazzi statt Félicien Du Bois und Tanner Richard anstelle von Cody Almond hierhin gehört, aber grundsätzlich stellt der Kern dieses Teams die aktuell besten Schweizer Spieler in der National League.

Nach dem Olympia-Aus am Scheideweg

Vielleicht war es auch ein Trugschluss zu glauben, dass unsere Chancen ohne die NHL-Spieler steigen. Die grossen Schweizer Spielerpersönlichkeiten und Ausnahmekönner wie Roman Josi, Nico Hischier, Nino Niederreiter oder Kevin Fiala spielen nun einmal aus einem bestimmten Grund in Nordamerika. Weil sie die Besten unseres Landes sind. Wir haben nicht die Breite der Schweden, Finnen oder Russen und können solche Absenzen im Gegensatz zu ihnen offensichtlich nicht auffangen.

Die Nati befindet sich nach dem bitteren Olympia-Aus nun an einem Scheideweg, denn mit der Niederlage gegen Deutschland ist ein Vierjahresplan zu Ende gegangen. Jonas Hiller hat bereits seinen Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt. Gibt es noch weitere? Erst jetzt wird sich zeigen, ob die Spieler Fischer mit gleich viel Enthusiasmus ins Nationalteam folgen wie bis anhin, auch ohne ein bevorstehendes Olympia-Turnier vor Augen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nicht der richtige am 21.02.2018 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bänz 71

    Fischer muss ehrlich zu sich sein und seine Arbeit als Trainer als total gescheitert bewerten.. Nicht nur an Olympia...

  • Walter Meier am 21.02.2018 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überfordert!

    Fischer hat im Trüben gefischt oder war schlicht überfordert. Er ist ein guter Verkäufer, hat aber noch nie was gewonnen. Das wird auch an der nächsten WM nicht besser. Wetten?

  • Waran am 21.02.2018 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genug

    Es stimmt einfach viel zu viel nicht zusammen was da zwischen Coach und Spieler abläuft und Verband schaut auch nur fünf ihre Vorteile, Hauptsache das Gehalt stimmt ende Monat!! Ich bin von allen masslos entäuscht was da über die Bü geht!! Handeln bitte es reicht...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruwi am 21.02.2018 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Planung war falsch

    Fischer hat vorgegeben wie man schlagkräftiger wird. Kajala Cup anstatt Deutschland Cup da an diesem Turnier stärkere Gegner sind, Spengler Cup gegen Clubmannschaften für die Teambildung. Diese Masnahmen haben alle nicht gegriffen falsche Planung?

  • TOM am 21.02.2018 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    CH Spieler

    Fischer ist sicher der falsche Trainer, das ist unbestritten. Ein Verkaufer reicht nicht, um ein Nationalteam zu trainieren. Dem Verband reicht dies aber scheinbar. Doch er muss mit den Spielern auskommen, die ihm die Clubbosse aus BE und ZH aufdiktieren, damit deren Marktwerte steigen. Die CH ging definitiv nicht mit den besten Spielern an die Olympiade. Die Schuld daran ist alleine beim Verband zu suchen.

  • Ich bins am 21.02.2018 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Seit realistisch

    Ich bin au nicht sonderlich glücklich mit der Lösung Fischer. Aber er ist nicht das Problem.. Ausser das er an das Team geglaubt hat und sie definitiv überschätzt hat, hat er seine Sache gut gemacht. Was die Schweizer brauchen ist ein Sport Psychologe denn die Spieler waren unterirdisch da nützt der beste Coach nichts. Und das sind Profis die sollten sich selbst heiss machen können auf den Match.

  • Gretzki am 21.02.2018 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schusstechnik

    Untersander ist so was von überbewertet. Der bringt keinen ordentlichen Slapshot zustande.

  • Pudi47 am 21.02.2018 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Desolat

    Die Spieler haben wahrscheinlich von den Klubbossen den Auftrag erhalten nicht verletzt zurückzukehren. Wichtige und entscheidende Spiele in der Meisterschaft plus Play-off. Andernfalls ist diese desolate Vorstellung nicht zu erklären.