Noten der Nati-Versager

20. Februar 2018 20:45; Akt: 20.02.2018 20:45 Print

Nur neun waren genügend, Almond mit Tiefstwert

von Marcel Allemann, Gangneung - Olympia 2018 wird als totaler Misserfolg in die Geschichte des Schweizer Hockeys eingehen. Entsprechend sind die Spielernoten ausgefallen.

Bildstrecke im Grossformat »
Ein erschreckend schwacher und seltsamer Match beim 1:5 gegen Kanada. Wirkte irgendwie saftlos. Die Ruhe, die ihn sonst auszeichnet, war nicht vorhanden. Nach 25 Minuten war das Turnier für ihn vorbei und er die Nummer-1-Stellung los. Welch eine Enttäuschung! Startete bei seinem Abschiedsturnier für die Nati als Nummer 2 und packte die Chance am Schopf, als Genoni schwächelte. Überzeugende Leistungen, mit dem nicht unbedeutenden Schönheitsfehler, dass er das Tor zum 0:1 gegen Deutschland hätte halten müssen. Nicht der Diaz, der er sein kann und den man auch erwartet. Der Captain startete nicht gut ins Turnier, immerhin gelang ihm eine Steigerung, aber insgesamt war es zu wenig. Nicht spektakulär, nicht immer elegant, aber insgesamt der solideste Schweizer Verteidiger. Ganz tiefe Fehlerquote, so sollte es eigentlich bei allen sein. Fand nie ins Turnier, ein Schatten seiner selbst. Langsam muss man sich aber auch die Frage stellen, ob er überschätzt wird und dieses Level für ihn eine Schuhnummer zu gross ist. Bildete zusammen mit Untersander ein wackliges Verteidiger-Paar. Immerhin steigerte er sich nach schwachem Beginn, war dann klar besser als sein Partner und hatte sein bestes Spiel gegen Deutschland. Der einst so talentierte Verteidiger ist spröde geworden, wirkte überfordert und war ein permanenter Unsicherheitsfaktor. Es dürfte eine Folge seiner vielen Verletzungen sein, irgendwie hat er den Anschluss verloren. Eine Fehlbesetzung, Patrick Fischer hätte ihn nie und nimmer aufbieten dürfen. Gegen Deutschland war er dann überzählig. Hatte zu Beginn unter den vielen Fehlern von Du Bois zu leiden, die auch ihn in die Bredouille brachten. Danach, als er andere Partner bekam, sah er viel besser aus und zeigte, dass er sich das Olympia-Ticket verdient hat. Eigentlich ein Mister Zuverlässig. Aber in Südkorea zeigte er für ihn unübliche defensive Schwächen, wirkte in seinem Spiel fahrig und bezahlte dafür, indem er nicht mehr sonderlich viel Eiszeit erhielt. Zunächst überzählig, doch ab dem zweiten Spiel durfte er ran und zeigte, dass er in die Startformation gehört. Auch wenn er bei weitem nicht so auffällig war wie noch an der WM in Paris. Begann gegen Kanada gut, war beim 1:5 noch der beste Schweizer. Doch danach baute er kontinuierlich ab und litt je länger je mehr sichtlich darunter, dass seine Linienpartner Praplan und Hollenstein nichts zusammenbrachten. So wenig konnte er im Nationalteam noch selten bewegen. Die Klotener Krise strahlte bis nach Südkorea aus, ein enttäuschendes Turnier. Der Shootingstar der letzten WM im schweren Formtief. Konnte kaum Zweikämpfe gewinnen, verlor viele Pucks, sorgte kaum je für Torgefahr. Ganz schwach. Wenn man bedenkt wo er herkommt, ein weiterer bemerkenswerter Schritt nach oben an seinem ersten Olympia-Turnier. Denn übers Ganze gesehen der beste Schweizer. Einer der ganz wenigen, der die Erwartungen erfüllte. Wer in einem so wichtigen Spiel wie gegen Deutschland nach neun Sekunden derart den Kopf verliert, einen Gegner rüde niederstreckt und sein Team dadurch massiv schwächt, hat nichts anderes verdient als die absolute Tiefstnote. Auch zuvor war er kein Faktor. Eigentlich sollte man ihn nicht mehr für die Nati aufbieten. Ohne Einfluss aufs Spiel, es war nicht sein Turnier. Zwischenzeitlich war er auch überzählig. Ein bemerkenswerter Auftritt, wenn man bedenkt, dass er bis kurz vor dem Turnier für lange Zeit verletzt war. Nicht der Simon Moser der allerbesten Tage, aber ein guter Simon Moser. Ein Hattrick gegen Südkorea und auch sonst liess er gelegentlich sein grosses Talent aufblitzen. Aber zwischenzeitlich tauchte er auch immer wieder ab. Es fehlt ihm noch an der Konstanz. Zunächst überzählig, bekam dann aber zwei Spiele, um zu zeigen, was in ihm steckt. Ein weiteres Mal war es zu wenig, um auf dem internationalen Parkett bestehen zu können. Eine schwierige Saison im Verein und auch in der Nationalmannschaft konnte er dies nicht abstreifen. Es mangelt ihm derzeit offensichtlich am Selbstvertrauen und dann ist man an Olympischen Spielen chancenlos. Zu Beginn mit grossen Problemen, doch er konnte sich steigern und zeigte zum Schluss gegen Deutschland sein bestes Spiel. Er kann eine Schlüsselfigur in der Nati werden, doch er muss mutiger und frecher werden, damit seine Fähigkeiten auch wirklich zur Geltung kommen. Stets in Bewegung, stets giftig und eine Nervensäge für die Gegenspieler. Tat das, was man von ihm erwarten konnte. Nicht so dominant wie in vergangenen Tagen, aber stets mit 100 Prozent Engagement bei der Sache. Das beste Spiel zeigte er gegen Deutschland. Stark wie er den Ausgleichstreffer der Schweiz vorbereitete, indem er unnachgiebig wühlte und ackerte. Im Vergleich zur WM in Paris ein Rückschritt. Defensiv zwar zuverlässig wie eh und je, aber nach vorne konnte er kaum Akzente setzen. Gegen Deutschland hatte er zwei Topchancen, eine muss er machen, dann wäre die Schweiz nun noch im Turnier.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nur gerade neun Spieler kommen in der Bewertung von 20 Minuten auf eine genügende Note. Der Rest blieb darunter, zum Teil deutlich. Für Cody Almond gibt es gar die Tiefstnote.

Umfrage
Wie viele Medaillen gewinnt die Schweiz an den Olympischen Spielen in Pyeongchang?

Sehen Sie sich die Bildstrecke und das Olympia-Zeugnis der Olympia-Fahrer an und beteiligen Sie sich an der Diskussion über die Leistung der einzelnen Spieler.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Willi am 20.02.2018 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Note fehlt

    Und wo bitte ist die Note vom Trainer?

    einklappen einklappen
  • Blue Liner am 20.02.2018 21:22 Report Diesen Beitrag melden

    null ahnung der Hr. Allemann

    Bild eins: Genoni nach nur 24 Einsatzminuten im ganzen Turnier und dabei von seinen Vorderleuten kläglich im Stich gelassen mit einer zwei zu bewerten? Werter Herr Allemann, Sie disqulifitzieren sich selber. PS: bin übrigens kein SCB Fan. PSII: Meine persönliche Note an Herrn Allemann als Jahrelanger Sportjournalist (meistens Eishockey) bei diesem Newsportal wäre meinerseits eine glatte eins.

    einklappen einklappen
  • RvA am 20.02.2018 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spitzenhockey!!!! ...

    ... war das ganz und gar nicht. Gratulation an DE, verdienter Sieger!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Neuanfang ohne Fischi am 02.03.2018 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    und Tschüss Herr Fischer

    was hat den Herr Fischer erwartet? die 2 Besten Offensive des Landes hat er total ignoriert Lugano und Zug und dann wundert er sich wirklich warum keiner Tore schiesst? ich sagte es schon als ich die Teamnamen sah keiner der 3 Top Skorer der Liga dabei mit ausreden wie sind sind zu jung bla bla Herr Fischer sie sollten eigentlich zurücktreten weil Schlussendlich geht diese Pleite auf sie weil das Team nie ein Team war zu keinem Zeitpunkt und auch keine Kämpfer hatte das Team der einzige der Gut Spielte war Hiller der Killer und Tobias Stephan weil er nicht an dem beteiligt war ;)

  • Nörbs am 23.02.2018 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser machen

    An alle Nörgler: Vor dem TV sitzen und eine Grösse Lippe riskieren ist immer einfach. Immerhin sind wir gegen den eventuellen Weltmeister ausgeschieden.

  • libi.13 am 22.02.2018 23:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reporter...

    Und was für eine Note erhält der Reporter, welcher keine Ahnung von Eishockey hat? Nach drei Minuten lesen und sehr schlechten Vorderleuten ebenfalls eine 1!

  • Bidi Bünzli am 22.02.2018 01:09 Report Diesen Beitrag melden

    Experten und Nörgler

    "Hockeyversager", Ausscheiden gegen den "Aussenseiter". Schade scheint einigen selbsternannten Experten die Fähigkeit, unsere Liga und unsere Nati einzuschätzen, immer mehr abhanden zu kommen. Wer GER-SWE gesehen hat, kann auch mal die Leistung des Gegners anerkennen. Natürlich waren die Auftritte nicht berauschend. Aber WM oder gar Olympiamedaillen werden auch in Zukunft mehr Wunschdenken als Pflicht sein. Werdet mal realistisch meine lieben Nörgler

    • bluediver am 22.02.2018 23:50 Report Diesen Beitrag melden

      Richtiger wäre

      die Leistungen der Gegner zu erkennen (Plural). Fast alle Mannschaften and Olympia waren besser als die Schweiz, da gibts es genug Grund so richtig zu nörgeln !

    einklappen einklappen
  • Kowaltschuk am 21.02.2018 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt auch Gewinnee

    Neben einer grossen Schar an Versagern gibt es doch noch Gewinner im Schweizer Eishockey, nämlich ein halbes Dutzend Stürmer welche nicht nach Korea durften, weil vom Startrainer aussortiert!