Neue Playoff-Regel

04. September 2017 11:43; Akt: 04.09.2017 11:43 Print

Das Warten auf die erste ewige Eishockey-Nacht

von Marcel Allemann - Diese Saison kommt es in der Schweiz zu einer revolutionären Neuerung. Doch noch müssen wir uns sechs Monate gedulden.

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Ab dieser Saison werden in den Playoffs die Partien analog zur NHL und vielen weiteren Ligen bis zum bitteren Ende ausgespielt. Die bisherige Regelung (eine Verlängerung von 20 Minuten, anschliessend Penaltyschiessen) ist von den Clubs im letzten November anlässlich ihrer ordentlichen Versammlung in Rente geschickt geworden. Die Neuerung entspricht dem globalen Zeitgeist des Eishockeys, ist sportlich gerechter und lässt die Playoffs noch attraktiver werden. Andererseits ist sie für alle Beteiligten aber auch eine grosse Herausforderung.

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Weltrekordspiel dauerte 8,5 Stunden

Es ist nicht die Regel, aber es kann vorkommen, dass Playoff-Spiele anstatt wie bis anhin vom 2- bis maximal 4-Stunden-Event zur 4- bis 6-Stunden-Veranstaltung werden können. Das bisherige Weltrekordspiel aus den norwegischen Playoffs im vergangenen März zwischen Storhamar und Sarpsborg dauerte gar achteinhalb Stunden (11 Drittel). Geht man bei uns von der bishiergen Playoff-Anspielzeit von 20.15 Uhr bei einem TV-Spiel aus, dann wäre diese Partie morgens um 4.45 Uhr zu Ende gegangen. Auf solche Szenarien müssen nun auch die Schweizer Clubs bei jedem Playoff-Termin gefasst sein – auch wenn es womöglich nur einmal in zehn Jahren irgendwo zu einem scheinbar ewig dauernden Spiel kommt.

Das weiss man auch bei den ZSC Lions, wo wegen der ohnehin schon schwierigen Situation mit der (Noch-)Spielstätte Hallenstadion nun eine zusätzliche Herausforderung wartet. So sagt CEO Peter Zahner denn auch: «Aus sportlichen Gründen bin ich ja eigentlich für diese neue Playoff-Regelung, denn Penaltyschiessen ist reine Lotterie. Doch wegen des Hallenstadions habe ich sie trotzdem abgelehnt.» Zahner hat sich mittlerweile mit der Situation abgefunden und will nach vorne schauen. «Es gibt in den Playoffs womöglich ein bis zwei kritische Termine für uns – und da gilt es, Lösungen zu finden. Für diese Saison konnten wir diese zusammen mit der Liga auch finden, im nächsten Jahr müssen wir das wieder neu anschauen.»

Bleiben dem HCD die Fans fern?

Solche Sorgen hat Liga-Konkurrent HC Davos nicht. Bei den Bündnern ist vielmehr die Lage und ihr Fanzuspruch, der oft aus dem Unterland anreist, das Problem. Playoff-Heimspiele in Davos unter der Woche sind oftmals schon jetzt nicht der grosse Publikumsmagnet. Befürchtet man nun beim Rekordmeister, dass in Zukunft Unterländer Fans den Playoff-Partien noch vermehrt fernbleiben werden, weil sie ja keine Garantie mehr haben, wann sie spätestens wieder zu Hause sind? «Eigentlich nicht», sagt HCD-Präsident Gaudenz Domenig relativ gelassen, «denn sollte es wirklich einmal zu einem derart langen Spiel kommen, dann ist dies ja auch für die Zuschauer ein einmaliger Event. Mir bereitet viel mehr Bauchschmerzen, dass sich auch die gewöhnlichen Spiele immer mehr in die Länge ziehen.»

Domenig spricht dabei an, dass in dieser Saison die Drittelspausen neu 18 statt 15 Minuten dauern werden. Zudem gibt es Bestrebungen, ab der Saison 2018/2019 analog zur NHL den «War Room» einzuführen, sodass strittige Szenen aus einer Kommandozentrale mit verschiedenen Blickwinkeln nochmals in Ruhe angeschaut werden können, wie beim Videobeweis im Fussball. «Das würde nochmals zusätzliche Zeit beanspruchen. Dann sind wir rasch einmal bei einer Viertelstunde, die ein Match länger dauert, und das ist für unseren Durchschnittszuschauer, der von weiter her anreist, nicht ideal», sagt Domenig.

Doch zurück zum neuen Verlängerungs-Modus in den Playoffs: Man darf gespannt sein, wer den Anfang zur ersten magischen, ewigen Schweizer Hockeynacht macht. Welcher Heimclub und welches Stadion als Erstes davon betroffen sind, dass ein Spiel erst um 1 Uhr, 2 Uhr oder noch später zu Ende geht. Und wie das Publikum darauf reagiert. Ob sich das Stadion nach ein, zwei Verlängerungen sukzessive leert oder ob ein Grossteil der Leute bis zum bitteren Ende ausharrt.

Weitere Neuerungen in der Saison 2017/2018

Es gibt auch noch einige weitere Neuerungen in der Saison 2017/2018: Während der Regular Season wird für die fünfminütige Verlängerung (3 gegen 3) nicht mehr die Seite gewechselt, sondern die Teams behalten den kürzeren Weg zu ihrer Bande wie in den Dritteln 1 und 3. Eine interessante Regelanpassung gibt es auch für die Schiedsrichter. So können sie in Zukunft im Fall einer Torhüterbehinderung einen Treffer annullieren, ohne dass dies zwingend wie bis anhin eine Strafe nach sich zieht. Dies, wenn der Kontakt mit dem Goalie ungewollt erfolgte.

Neu ist auch der Name des ganzen Gebildes im Schweizer Clubeishockey. Während die NLA jetzt National League heisst, ist die NLB neu als Swiss League unterwegs und die dritthöchste Liga muss sich an den Namen MySports League gewöhnen. Die Begeisterung darüber hält sich bei den Fans in Grenzen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zürcher am 04.09.2017 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh Schande

    Zürich hat 2 tolle Fussballklubs und einen geilen Eishockeyverein. Die Fussballer spielen in einer Leichtathletikarena und die Eishockeyaner in einer Mehrzweckhalle. Und diese Stätten müssen mit anderen geteilt werden. Schande für die "Weltstadt".

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  • Pater Noster am 04.09.2017 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Frühere Anspielzeiten

    Ja das werden sehr, sehr lange Spiele. Wenn man noch die zusätzlichen, 3 längeren Minuten in den Drittelspausen dazurechnet, wirds dann sehr schnell einmal 11 bis 12 Uhr, bis wir aus dem Stadion herauskommen. Ich finde es zwar sehr gut, dass das Penaltyschiessen wegfällt. Aber dafür sollte man die Anspielzeiten früher setzen. Statt 19.45 Uhr, neu 19.30 oder sogar 19.15 Uhr. Das würde einiges kompensieren.

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  • SCBler am 04.09.2017 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wochenspiele

    wäre sicher eine spannende Angelegenheit, jedoch habe ich die Vermutung, dass bei den Wochenspielen die Zuschauer davonlaufen werden. Es kann sich kaum jemand der arbeitet leisten, erst gegen Morgen ins Bett zu kommen. mal sehen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ueli am 05.09.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Was wenn beide teams stehend

    K.o. sind? Bin mir nicht sicher ob die spannung noch hoch ist nach 4 stunden....

  • JackB am 05.09.2017 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    neue playoff-Regel

    dan muss sbb aber andere zug zeiten anbitten weg nacj hause zu kommen wen die spiele so lang gehen

  • marko 32 am 04.09.2017 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Super

  • Scossese am 04.09.2017 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weshalb?

    Warum neu 18min Pause?Jetzt dauert die Pause fast so lang wie die reine Spielzeit.Warum diese Änderung?Für ein Bier und zwei Zigaretten reichten 15min schon.Mehr Geld einnahmen durch Werbung oder was ist der Grund?Möglich die besten Linien noch mehr zu bringen?

  • Lachsfischer am 04.09.2017 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Interessante Regel

    Niemand will 6-, 7- oder gar 11-Drittel-Spiele sehen. Besonders die Spieler werden alles dran setzen, das Spiel so kurz wie möglich zu halten. Denn zwei Tage später müssen sie wieder fit sein. Deshalb könnte die durchschnittliche Dauer eines Playoff-Spiels sogar verringern. Ausserdem: Wenn die Regel rund um den Erdball funktioniert, wird sie auch in der Schweiz funktionieren. Der Spielplan in der NHL ist noch enger, die Reisewege weiter, die Erholungszeiten kürzer als hierzulande.

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