Analyse

17. März 2017 07:35; Akt: 17.03.2017 07:35 Print

Wer muss für das ZSC-Debakel bluten?

von Marcel Allemann, Lugano - Das Playoff-Out gegen Lugano erschüttert die ZSC Lions in ihren Grundfesten. Auf die Zürcher kommen unruhige Wochen und Monate zu.

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Es ist also Tatsache: Die ZSC Lions sind zum zweiten Mal in Folge in den Viertelfinals gescheitert. Das ist eine Schmach für eine so stolze Organisation. Daran kann auch nichts ändern, dass sie mit Bern (2016) und Lugano (2017) jeweils die bestmöglichen Gegner, die sich in der Qualifikation in ungewohnte Tabellenregionen verirrte haben, vorgesetzt bekamen. Und dass gegen Lugano mit Robert Nilsson und phasenweise Patrick Thoresen sowie Severin Blindenbacher gleich drei Schlüsselspieler ausfielen. Die Zürcher sollten trotzdem über genügend Klasse und Breite verfügen, dass es nicht zwei Mal in Folge zum sportlichen Worst-Case kommen kann.

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Playoffs werden zum mentalen Problem

Umso mehr, da die ZSC Lions nach dem letztjährigen Playoff-Versagen dieses akkribisch analysierten, um die gleichen Fehler nicht ein zweites Mal zu begehen. Und trotzdem liefen sie ihrem Gegner wieder ins Messer und dann erst noch auf fast identische Art. Sowohl gegen Bern wie auch gegen Lugano waren die Zürcher spielerisch eigentlich besser, doch sie vermochten daraus kein Kapital zu schlagen, wurden nervös, verloren den Kopf und schliesslich die Serie.

Dieses neuerliche Scheitern wird die ZSC Lions in ihren Grundfesten erschüttern und stellen für sie die grösste Herausforderung in der Neuzeit dar. Denn die Playoffs sind für diese Mannschaft offensichtlich zum mentalen Problem geworden und da bedarf es Korrekturen. Aber in welchem Bereich?

Muss Trainer Hans Wallson gehen? Es würde überraschen, wenn die Lions-Führung die Übung mit einem der anerkanntesten und modernsten Trainer Europas, auf dessen Verpflichtung sie vor Jahrefrist enorm stolz waren, nach nur einem Jahr wieder abbrechen würde. Aber in diesem Business weiss man nie. Wallson muss sich vorwerfen lassen, dass er in dieser Saison keinen einzigen jungen Spieler wirklich entwickeln konnte. Pius Suter, Fabrice Herzog und Jonas Siegenthaler waren schon gut bevor der Schwede in Zürich ankam. Und im Playoff kamen von Wallson auch nicht die entscheidenden Impulse im Coaching.

Salis hat im Umfeld Leute verärgert

Gerät Sportchef Edgar Salis unter Druck? Möglich, denn er hat sich den einen oder anderen Transfer-Irrtum geleistet und Leute im Umfeld verärgert, indem auswärtige Spieler wie Samuel Guerra und Inti Pestoni für teures Geld geholt wurden und nicht einschlugen, dafür aber den eigenen Talenten vor der Nase standen. Er hat letztendlich diese Mannschaft, die nun zwei Mal versagt hat, zusammengestellt und muss dafür die Verantwortung tragen.

Trotzdem wäre es falsch und könnte gerade jetzt gefährlich werden, den Stab über Salis zu brechen. Denn er hat sich von einer grossen Spielerpersönlichkeit zu einer grossen Sportdirektionspersönlichkeit weiterentwickelt und sein Fundus ist so gross, dass er mehr über Eishockey vergessen hat, als viele andere in vergleichbarer Position je gewusst haben. Salis wird diese Kröte schlucken, daraus lernen und die Mannschaft so umbauen wie es nötig ist. Wenn man ihn denn läst.

Was geschieht mit Sorgekind Pestoni?

Dann wären wir bei den Spielern. Viel Platz für Korrekturen bleibt aufgrund der vertraglichen Situationen eigentlich nicht. Von den Ausländern läuft allerdings nur der Vertrag von Mattias Sjögren weiter, wobei ausgerechnet dieser enttäuscht hat. Ryan Shannon, der seine Karriere beendet, ist definitiv ein Jahr zu lang in Zürich geblieben. Und an David Rundblad und Patrick Thoresen gibt es wenig zu mäkeln. Die noch offene Vertragsverlängerung von Morris Trachsler dürfte sich nach dessen schwachen Playoffs allerdings erledigt haben.

Am Goalie-Duo gibt es nichts zu rütteln, wobei sich Lukas Flüeler sicherlich steigern muss und kann. Genauso wenig an Blindenbacher, Geering, Chris Baltisberger, Wick, Schäppi, Suter und Herzog, welche die prägenden Köpfe dieser Organisation sind. Auch Übercaptain Mathias Seger wird in seinem letzten Vertragsjahr als Krisenmanager in der Kabine nochmals wichtig und gefordert sein.

Es gibt vor allem noch drei Spieler, die den Erwartungen nie wirklich gerecht werden konnten: Die bereits erwähnten Pestoni und Guerra sowie NHL-Rückkehrer Ronalds Kenins. Muss der eine oder andere aus diesem Trio trotz weiterlaufendem Vertrag nun bluten? Interessant ist vor allem die Personalie Pestoni. Geht die Zeit des Tessiners in Zürich nach einem Jahr als Missverständnis bereits wieder zu Ende? Oder bekommt er eine zweite Chance, doch noch von Ambris Dorfkönig zum Schlüsselspieler einer Spitzenmannschaft zu reifen?

Auf die ZSC Lions wartet in jedem Fall ein unruhiger Frühling und Sommer.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • zeet fan am 17.03.2017 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    System und Zuschauer

    Es hiess die ganze Saison die Spieler müssen sich an das neue System gewöhnen. Weniger Zuschauer in der Halle und kein Spiel im Playoff ausverkauft. Auch da muss mal geschaut werden warum.

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  • Nachdenker am 17.03.2017 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist Eishockey und ich liebe es :-)

    So ist das halt beim Eishockey.. nicht die bessere Mannschaft gewinnt sondern die Effizientere ;-) Und Glück und Pech spielen auch immer mit. Aber genau das macht Eishockey so spannend... man weiss bis 1Sek. vor Schluss noch nicht wehr gewinnen wird. Nicht wie beim langweiligen Fussball wo meist schon vor Anpfiff klar ist wer gewinnen wird.

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  • peter meier am 17.03.2017 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ändert sich?

    Sie werden alle aus den Fehlern lernen ist der falsche Ansatz! Jetzt müssen die Köpfe rollen! Salis ist für mich der Hauptverantwortliche. Er stellte die Truppe zusammen, die zwar schön spielt aber in wichtigen Spielen überall versagte. Wallson wird kein Thema sein er soll noch 1 Chance haben obwohl auch er in 3 Wettbewerben kläglich gescheitert ist. zu gerne würde ich Schläpfer an der Bande sehen. Jedoch wird das nicht in erfüllung gehen. Im übrigen ist man sich als längjährigen Z Fan an das leiden gewohnt. Es war schon immer eine Achterbahnfahrt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pädu am 18.03.2017 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Z ade

    Geschieht dieser Millionentruppe recht... zeigt mit Geld wirst Du nie Meister.. alles nur Häuptlinge ohne Indianer...! Zürcher ade... schöne Ferien... Ein Berner!

    • runni 92 am 19.03.2017 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pädu

      schade ds man immer wieder mit solchen sprüchen kommen muss! seien sie doch froh ist der scb weiter! denn wären sie ein guter gewinner hätten sie solche sprüche nicht nötig! trotzdem viel Glück in weiteren playoffs! gruess ein Davoser Fan!

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  • Dani am 17.03.2017 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goalies

    Mit vertauschten Goalies hätte der Z gegen Bern und gegen Lugano gewonnen.

    • Dan am 17.03.2017 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Hää...? Wenn, dann, hätte... Hey, das ist der Sport. Realität nicht Fantasie und Träumereien!

    • 1930 am 17.03.2017 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      Wieso? Hat Genoni oder Merzlikins schon ein Tor geschossen? Schlegel kannst Du ja wohl unmöglich für unser Versagen verantwortlich machen!

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  • Berner am 17.03.2017 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualität der Mannschaft

    Ich will mich in die Angelegenheiten des ZSC keinesfalls einmischen, aber es fehlt einfach an Qualität in der Mannschaft. Sie könnten ruhig eine Scheibe abschneiden vom SCB. Mit der richtigen Qualität an Spielern reicht es vielleicht wieder einmal in den Final. Hat man beim ZSC ernsthaft gedacht, mit zweitklassigen Spielern kommt man weiter?

    • Davoser am 19.03.2017 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Berner

      entschuldigung! aber hatt da jemand vergessen ds der scb die letzten saisons auch nicht gerade super waren! manchmal läuft es eben und manchmal nicht !

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  • flower_kings am 17.03.2017 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Debakel soll das sein...???

    ...ein Debakel ist das nicht und sieht auch anders aus; es hat einfach nicht die bessere, sondern die effizientere Equipe gewonnen... Deshalb geht doch noch keine Welt unter... Dem Z ist das gleiche unterlaufen wie dem EHCB gegen den SCB, that's all...

    • Hockeygott am 17.03.2017 20:46 Report Diesen Beitrag melden

      @flower_kings

      Also die effizientere ist nicht gleich die Bessere Mannschaft? Keine Tore schiessen ist besser als die Tore zu schiessen? Diese Logik erschliesst sich mir nicht ganz. Die bessere Mannschaft hat gewonnen, das müsst auch ihr einsehen.

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  • Roger am 17.03.2017 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AUSREDE

    Schlüsselspieler gefehlt??? Und bei Lugano? Brunner, Vauclair, Hirschi und Lapierre ??? Haben zum Teil länger gefehlt oder fehlen immer noch.... AUSREDEN

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