Knatschpotenzial

05. September 2017 10:35; Akt: 06.09.2017 15:32 Print

Der «Fall Seger» oder eine Baustelle für den ZSC?

von Marcel Allemann - Kultfigur Mathias Seger geht auf Abschiedstournee. Doch was sich schön anhört, könnte ganz bitter enden.

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Die sportliche Führung um den damaligen Sportchef Edgar Salis und das Trainerteam Hans Wallson/Lars Johansson entschied im vergangenen Frühjahr, dass die Zeit von Seger als Spieler der ZSC Lions abgelaufen ist. Es wurde dem 39-Jährigen kein neuer Vertrag mehr offeriert. Diesen erhielt die Vereinslegende und der Rekord-National-League-Spieler (1124 Partien), Rekord-Nationalspieler (305 Matches) sowie WM-Rekordhalter (16 Turniere) anschliessend doch noch – direkt von Präsident und Mäzen Walter Frey.

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Zahner: «Drei Personen entscheiden, ob Seger spielt oder nicht»

Kurze Zeit später schmiss Salis seinen Job hin und wurde durch Sven Leuenberger ersetzt. In der öffentlichen Wahrnehmung wegen dem Fall Seger, doch dies war eigentlich gar nicht der wahre Grund, sondern höchstens noch der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Salis und Seger haben sich auch nie verkracht. Und doch haben sich die ZSC Lions durch den «Fall Seger» nun möglicherweise eine Baustelle geschaffen, die sie während der ganzen Saison mitschleppen.

«Das glaube ich nicht», entgegnet ZSC-CEO Peter Zahner. Er gesteht zwar ein, dass dies ein heikles Thema sei, «aber ich glaube nicht, dass es zum Problem wird. Denn letztendlich entscheiden drei Personen, ob Seger spielt. Seger mit seiner Leistung und die beiden Trainer mit der Beurteilung seiner Leistung. Ich bin zudem überzeugt, dass Seger alles daran setzen wird, sich mit einer Topsaison zu verabschieden.»

Das wäre einem der verdientesten Spieler in der Geschichte des Schweizer Eishockeys auch schlichtweg zu gönnen. Aber seine Abschiedstournee kann auch ganz bitter enden. Dann etwa, wenn er von ZSC-Trainer Wallson, der ihn ja eigentlich nicht mehr wollte, keine faire Chance mehr erhält. Oder wenn er diese bekommt, aber sportlich nicht mehr genügt.

Leuenberger sieht vier Verteidiger auf einer höheren Stufe

Es wäre mit Blick auf all die Verdienste von Seger ein richtiges Desaster, müsste er unter den neun Verteidigern im Kader ganz hinten anstehen und die Ehrenrunde von «Segi-National» würde primär auf der Tribüne oder gar beim Farmteam GCK Lions vor 200 Zuschauern gegen Gegner wie die Ticino Rockets stattfinden. Das würde dann schon an Majestätsbeleidigung grenzen.

«So etwas haben wir nie diskutiert. Mathias Seger ist ein ZSC-Spieler und einer von neun Verteidigern im Team. Und die brauchen wir, es gibt immer wieder Verletzte oder Kranke», sagt Trainer Wallson. Der neue Sportchef Leuenberger wird bezüglich der Hierarchie noch etwas konkreter: «Wir haben neun Verteidiger. Vier davon sehe ich auf einer höheren Stufe und Seger gehört zu den anderen Fünf, die um einen Platz kämpfen.»

Doch letztendlich können die Verantwortlichen der ZSC Lions sagen, was sie wollen – der «Fall Seger» ist eine enorm brisante Angelegenheit, die sicherlich auch die Medien während der ganzen Saison brennend interessiert und daher jederzeit für Unruhe im oder um das Team sorgen kann.

Als Captain wurde Seger schon mal abgelöst, Patrick Geering trägt neu das «C» auf der Brust. Seger, der mit Geering privat eng befreundet ist, trägt diesen Entscheid mit: «Das war schon länger angedacht und jetzt war der richtige Zeitpunkt dafür. Auch weil ich auch noch ein Jahr da bin und ihn unterstützen kann, das macht es auch für ihn einfacher. Patrick ist der richtige Mann für dieses Amt und er macht es schon jetzt unglaublich gut.»

Trotz der Wirren um seine Person freut sich Seger enorm auf seine letzte Saison: «Es ist meine letzte Chance, nochmals etwas zu gewinnen. Ich bin hochmotiviert und habe mich sehr gut vorbereitet.»

Bei Reto von Arx kam es zum grossen Krach

Es fällt auf, dass sich die Clubs in den letzten Jahren des Öfteren damit schwertaten, ihre Legenden würdig zu verabschieden. Dies wenn diese länger spielen wollen, als es die sportliche Führung für gut erachtet. Vor dem «Fall Seger» gab es den «Fall Reto von Arx», der vor rund zweieinhalb Jahren ähnlich verlief und am Ende in einem Streit zwischen Von Arx und HCD-Trainer Arno Del Curto, seinem langjährigen Mentor und Freund, endete.

Schliesslich musste Von Arx dann von den Fans auch noch dazu überredet werden, sich im Stadion fast zwei Jahre später doch noch feierlich verabschieden zu lassen, weil dieser nach dem unsanften Ende keinen Bock mehr hatte auf eine Zeremonie des Clubs. Auch der Abgang von Beat Forster (zu Biel) lief beim HCD nicht ohne Nebengeräusche ab.

Grosse Charakterköpfe auf schöne Weise in den Ruhestand zu begleiten, ist offensichtlich zu einem Spiessrutenlauf geworden. Nicht allen gelingt es so perfekt wie den ZSC Lions 2012 bei Ari Sulander, dessen schrittweise Stabsübergabe zu Lukas Flüeler für alle Beteiligten eine fantastische Sache war.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • stone3 am 05.09.2017 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Beobachter

    Die Frage ist ja nicht, was wir hier denken, sondern was Seger dabei denkt. und ich bin mir sicher, dass er das ganze souverän und realistisch einzuschätzen vermag. Er wird kaum 25min Eiszeit pro Spiel fordern. Die Saison ist lange, es gibt viele Spiele, und eine 3 fach Belastung. Er wird seine Spiele kriegen , und die Abschiedstournee durch die Schweizer Stadien genießen.

  • Mr. Sarcasm am 05.09.2017 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden sehen

    Ich bin kein ZSC- Fan. Dennoch wünsche ich Segi eine tolle, erfolgreiche Saison und einen schönen Abgang als aktiver Spieler. Er ist weissgott Profi genug und lässt sich von der Presse etc. nicht aufs Glatteis führen. (...wie passend...) Als Verteidiger ist er ein Rotinier und kann jungen Spielern etwas den Weg weisen. Ich bin gespannt!

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  • Paddy am 05.09.2017 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Fehler häufen sich

    Die Kultfigur möchte sich mit einem schönen letzten Saison von der Eishockey-Bühne verabschieden. Echt jetzt? Korrigiert ihr eure Texte nicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz der Eishockeyfan am 06.09.2017 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist wie im alltäglichen Leben........

    Es ist wie im alltäglichen Leben, man muss jeden Tag seine Leistung bringen und sonst ist man weg. Jahre lange Treue zum Arbeitgeber zählt nicht mehr, oder selten. Undank ist der Weltenlohn, der Moor kann gehen, er hat seine Schuldigkeit getan.

  • ZSCFan Forever am 06.09.2017 06:38 Report Diesen Beitrag melden

    Segi wird seine Leistung bringen

    Klar wird er nicht mehr so viel Eiszeit haben. Wenn er dann aber auf dem Eis steht, wird er 100 nein 200% zeigen und alles geben was er kann. Das hat er auch bereits bei den Champions League Spielen gezeigt. Er hat sogar ein Tor geschossen ! Also was wollt ihr noch mehr ? Lasst Segi seine hochverdiente letzte Saison geniessen und wer weiss. Vielleicht gibts ja auch noch einen Meistertitel zum Abschluss. :-) Also Segi. Du hast meine, unsere Unterstützung. Zeig was Du als alter Haudegen noch drauf hast.

  • Clöde am 06.09.2017 05:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Sorge

    Segi ist ein unglaublich wichtiges Team-Mitglied, auch neben dem Eis. Ausserdem weiss der Zett genau wie eine Legende zu verabschieden ist.

  • Ätti am 05.09.2017 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teamplayer

    Lasst den Segi im Team. Auch wenn er weniger zum Einsatz kommen sollte: als Motivator Spitze!

  • Lukas Meister am 05.09.2017 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Seger - shirt an die Decke

    Hey, der ist Eishockeyspieler und der will Eishockey spielen. Lasst ihn Eishockey spielen. Wenn er die Leistung bringt soll er spielen, wenn nicht, dann nicht. Und für die Jungen ist es sicherlich eine genügend grosse Motivation, besser als Seger zu sein! Und er will es sicher auch noch einmal zeigen. Und vom Typ her denke ich, dass er sich das schon längst überlegt hat und auch weiss, dass mit 40 langsam das Ende der Fahnenstange naht. Er traut es sich zu, also lasst ihn. Hoffentlich bleibt er unverletzt und hat Spass.

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