SCB-Star Thomas Rüfenacht

08. September 2017 05:50; Akt: 08.09.2017 08:39 Print

«Ich spiele, bis mich keiner mehr dafür bezahlt»

von M. Allemann - Zweifacher Meister, Playoff-MVP, Natispieler: Thomas Rüfenacht stieg aus den Niederungen der 1. Liga zum Star auf. Das Interview mit der SCB-Kultfigur zum Saisonstart.

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Thomas Rüfenacht, zuletzt wurden Sie zweimal mit dem SC Bern Meister, spielten mit der Nati eine tolle WM, sind Olympia-Kandidat und wurden zum Playoff-MVP gewählt. Wie haben die letzten Monate auf Sie eingewirkt?
Es hätte nicht besser laufen können. Solches erreichen zu können, ist eine Art Erlösung dafür, dass man während der Karriere so hart gearbeitet hat. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, wenn man zusammen mit seinen Linienpartnern die gewünschte Leistung abrufen kann. Ich bin diesen auch enorm dankbar.

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Insgesamt 13451 Teilnehmer

Wenn Ihnen jemand all das im Jahr 2006, als Sie vom B-Ligist Visp zum Erstligist Saastal abgeschoben wurden, prognostiziert hätte, was hätten Sie darauf geantwortet?
Ich habe immer daran geglaubt, denn ich hatte immer nur Eishockey im Kopf und nichts anderes. Logisch war das damals ein grosser Rückschlag, aber da muss ich mich bei meinem sturen Kopf dafür bedanken, dass ich mich trotzdem nicht von meinem Weg abbringen liess. Klar dachte ich damals nicht an Meistertitel und die Nati, sondern in kleinen Schritten. Zunächst war es das Ziel, Stammspieler in der NLB zu werden, später dasselbe in der NLA zu erreichen und dann darauf weiter aufzubauen. Es war aber sicherlich kein einfacher Weg, mir wurde nichts geschenkt. Und es brauchte viel harte Arbeit, die sonst niemand sieht. So gehe ich im Sommer immer heim nach Amerika, arbeite hart mit meinem Personal Trainer und investiere viel. Auch finanziell, denn es kostet viel Geld, wenn man immer die kleinen Details an sich verbessern will.

Als Kämpfer, Krampfer, Reizfigur, Meisterspieler und Nationalspieler prägen Sie mittlerweile das Schweizer Eishockey mit. Nun sind Sie auch das Gesicht der neuen Kampagne der Nati. Was bedeutet Ihnen das?
Das macht mich schon stolz. Ich bin sehr glücklich darüber und auch dankbar. Aber ob ich wirklich dorthin gehöre? So denke ich nie von mir. Allein ist keiner gut in dieser Liga – ausser vielleicht Luganos Linus Klasen. Ich bin einfach froh, wenn die anderen gern mit mir zusammenspielen. Ich möchte stets das machen, was dem Team etwas bringt.

Wenn man plötzlich viel erreicht hat, einem viele Leute auf die Schulter klopfen, besteht da nicht die Gefahr, dass man ein wenig genügsam wird? Auch ein Thomas Rüfenacht?
Nein, das denke ich nicht. Mein Ziel ist es, richtige Fussstapfen zu hinterlassen, so dass man mich nie vergisst. Das habe ich noch nicht geschafft. Bis jetzt habe ich erst einen guten Anfang dafür hingelegt. Zudem stehen die Olympischen Spiele an und dies stellt wiederum eine riesengrosse Chance dar, etwas zu erreichen. Es gibt immer wieder neue Motivationspunkte, die man finden kann und die man in einer Karriere auch braucht.

An der WM in Paris sagten Sie in einem Interview so schön, dass Sie mit Ihrem bescheidenen Talent eben mehr kratzen müssten als andere. Haben Sie denn nun im September schon wieder Lust zu kratzen?
Das mit dem Talent ist immer eine lustige Sache. Ich habe gelernt, wie man auf diesem Niveau spielen muss und wie ich selbst einen Einfluss aufs Spiel haben kann. Das ist ja auch ein gewisses Talent. Ich weiss nicht einmal, ob schön zu spielen im modernen Eishockey überhaupt noch ein wirkliches Thema ist. Es braucht viele Kämpfer, das sieht man gerade bei unserem Team in Bern. Klar bin ich jetzt schon heiss, denn ich bin nun schon der viertälteste im Team und weiss nicht, wie viele Jahre mir noch bleiben. Die Zeit vergeht so schnell. Und es stehen wie gesagt auch noch grosse Sachen mit der Nati an. Da ist ein guter Start sehr wichtig.

Man spürt, an die Olympischen Spiele nach Südkorea wollen Sie im kommenden Februar unbedingt.
Unbedingt, ja. Aber da bin ich nicht der Einzige, das wollen viele andere Spieler ebenfalls. Es gibt viele in dieser Liga, die in diesem Team sein können. Ich gebe einfach mein Bestes und hoffe, dass ich dann dazugehöre. Die Olympischen Spiele sind der grösste Traum für einen Athleten. Mit meiner Story, wenn ich denke, wo ich schon überall war und gespielt habe, wäre das ein sehr schöner Moment für mich.

Sie sind jetzt 32 Jahre alt. Ihr Spielstil ist sehr intensiv. Wo liegt Ihr Verfalldatum?
Ich spiele so lange, bis mich keiner mehr dafür bezahlt. Ich fühle mich topfit und habe auch das Gefühl, dass ich das beste Eishockey noch immer vor mir habe. Auch strahle ich durch die Routine in heissen Situationen immer mehr Ruhe aus. Für mich ist der bereits angesprochene Sommer in Amerika wichtig, um meinen Körper neu aufzubauen und den Tank zu füllen. Dann fühle ich mich Anfang August stets wieder super. Aber Mitte Mai, unmittelbar nach der Saison, fühle ich mich dann jeweils schon nicht mehr so super. Wenn irgendwann der Tag kommt, an dem ein Sommer nicht mehr reicht, um dieses gute Körpergefühl zurückzuerhalten, dann ist es wohl an der Zeit, aufzuhören.

Beim SCB verloren Sie in der Vorbereitung Ihren Platz im ersten Sturm neben Mark Arcobello an Mika Pyörälä. Ich nehme an, Sie sind darüber «not amused»?
Da liegen Sie falsch, das stört mich überhaupt nicht. Ich bin glücklich, dass ich in den Top 12 bin und für den SCB spielen kann. Es gibt immer die Option, andere Sachen auszuprobieren. Letzte Saison wurde unsere Linie ebenfalls zwischenzeitlich getrennt. Das gehört im Eishockey dazu. Um das zu wissen, bin ich lange genug dabei. Und neben Ebbett zu spielen, ist für mich genauso gut, wie neben Arcobello zu spielen. Es geht letztendlich um die Chemie. Wir Spieler spüren es, wenn etwas funktioniert – und der Trainer auch. Daher: Wenn etwas nicht funktioniert, dann wird er es auch wieder ändern.

SCB-Captain Simon Moser vor dem Saisonstart: «Favorit zu sein, ist eine Ehre.» (Video: Marcel Allemann)

Der SCB wird in den Saisonvorschauen der Medien noch mehr als der grosse Favorit gehandelt als je zuvor. Ist das eine Belastung oder eine Ehre?
Ich muss ehrlich sagen, früher gab ich viel mehr drauf, was die Medien sagten und wie sie uns einschätzten. Inzwischen habe ich kaum noch Zeit dafür, überhaupt darüber nachzudenken, ob wir unter Druck sind. Als Familienvater ist man primär unter Druck, für die Kinder zu schauen und dafür zu sorgen, dass es der Familie finanziell gut geht. So gesehen sehe ich solche Sachen relativ entspannt. Aber wir haben letzte Saison gewonnen, all die anderen Teams wollen uns nun schlagen und mit aller Macht verhindern, dass wir zum dritten Mal in Folge den Titel holen. Dessen sind wir uns bewusst und daher müssen wir unbedingt bereit sein. Sollten wir das nicht sein, erwartet uns ein böses Erwachen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jamaika Jamal am 08.09.2017 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer sein Job liebt...

    Gute Einstellung.

  • Lebensarchitekt am 08.09.2017 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesund im Geist

    Gute Lebenseinstellung von Thomas Rüfenacht.

  • 3. rang am 08.09.2017 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    chapeau

    ein durch und durch sympathischer typ, muss man neidlos anerkennen. trotz allem; zsc ole!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Overlord44 am 08.09.2017 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Polarisierend

    Das mit der Sympathie ist so eine Sache. Für mich gehört er zu jenen Menschen die einem erst Sympathisch werden wenn man sie besser kennt.

  • Dan am 08.09.2017 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch lange

    Wenn er spielt bis ihn keiner mehr dafür bezahlt, spielt er noch noch lange. Was für ein Typ, was für ein Spieler!

  • Kerl am 08.09.2017 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin für Rüfenacht..

    Wow ist Thomas Rüfenacht sexy.. Ich bin egal wo er spielt für ihn...

  • IceSport am 08.09.2017 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild und Motivation

    Rüfi mein grosses Vorbild und meine Motivation im Sport. Auch wenn ich eine andere Sportart auf dem Eis betreibe. =)

  • Sarawak am 08.09.2017 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    En guete Typ

    Ein super sympathischer Sportler. Solche authentische Sympathieträger würden im Fussball dringend benötigt.

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