Glanzvoll

23. August 2010 11:20; Akt: 23.08.2010 15:05 Print

Das beste Eidgenössische aller Zeiten

von Zaugg Klaus, Frauenfeld - Hat es je ein glanzvolleres Eidgenössisches gegeben als 2010 in Frauenfeld? Wahrscheinlich nicht.

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Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest fand vom 21. August bis 22. August statt. Auch wenn es so aussieht: Kopflos wird nicht geschwungen am Eidgenössischen. Ein Mann räumt alles weg: Nach 8 Gängen und 8 Siegen steht Kilian Wenger als Sieger und Schwingerkönig des Eidgenössischen fest. Das Berner Riesentalent: ein Modellathlet modernen Zuschnitts. Ein Bild mit Symbolcharakter: Wenger Kilian reisst nach seinem Sieg im 5. Gang gegen Abderhalden Jörg den Arm in die Höhe. Der nachdenkliche König nach seiner Niederlage. Wenger Kilian führt mit viertem Sieg in Folge das Zwischenklassement nach vier Gängen an. Bless Micheal und die geballte Kraft des Siegreichen. Action pur in Frauenfeld. Alphörner dürfen am Eidgenössischen natürlich nicht fehlen. Früh übt sich, wer ein starker Mann werden will. Jodeldidüühh! Für musikalische Unterhaltung war ebenfalls gesorgt. Da gabs wohl schon Bier vor Vier - und nicht jedem bekams gut. Auch sonst war hie und da eine Siesta auszumachen... ... ... Wo viele Leute sind, gibts viel Abfall. Uriniert wird, wo es grad gefällt. Fans aus allen Regionen der Schweiz waren angereist. Gepannt verfolgte man das Geschehen um die sieben Kreise. Die Ringrichter haben nicht immer einen leichten Job. Jedes abgezogene Vierteli könnte entscheidend sein. Samir Leuppi, rechts, ringt gegen Tiago Vieira. Vogelperspektive auf die Kampfstätte der sogenannt Bösen. Die besten Schwinger konnten bei hervorragenden äusseren Bedingungen antreten. Matthias Sempach wird von Philipp Laimbacher in luftige Höhen gehievt. Im ersten Gang gestellt: Das Duell zwischen Stucki Christian und Abderhalden Jörg. Abderhalden und Stucki. Stucki danach am Brunnen. Und Abderhalden Jörg gezeichnet von den Anstrengungen.

Die besten Bilder des Schwingfests.

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Offiziell wird vermeldet: 250 000 Zuschauer haben sich an den zwei Tagen des Eidgenössischen in Frauenfeld aufgehalten. Damit ist Frauenfeld 2010 das grösste Schwingfest aller Zeiten und Länder.

Der olympische Gigantismus hat die Organisatoren der Eidgenössischen Schwingfeste erfasst: Es muss alles immer grösser, ja gigantischer werden. Die Organisatoren des nächsten Eidgenössischen in Burgdorf planen in drei Jahren bereits eine noch grössere Arena für mehr als 50 000 Zuschauer. Mit 20 Millionen Franken ist Frauenfeld 2010 der grösste Sportanlass des Jahres in unserem Land. Ein Drittel der Einnahmen kommen aus den Zuschauereintritten, ein Drittel aus dem Verkauf von Wurst und Bier und ein Drittel aus dem Sponsoring. Burgdorf wird 2013 noch mehr Geld umsetzen.

Mehr als ein gigantisches Fest

Aber Frauenfeld war mehr als einfach ein grosses, ein gigantisches Schwingfest. Frauenfeld hat auch eine politische Bedeutung.

Wir sind alle Frauenfeld. Schon aus nichtigem Anlass wird gerne mal das Ende der Schweiz verkündet. So ist es nur recht und billig, das Eidgenössische 2010 als kraftvolles Bekenntnis zur Existenz der Schweiz und unserer ganz besonderen Eigenheiten zu feiern.

Das Eidgenössische 2010 war ein Sportereignis, das in dieser äusseren und inneren Form nur bei uns möglich ist. Zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung brauchte es keine Polizisten in Schnürstiefel. Wenn es etwas zu regeln gab, genügte dafür die Autorität des Platzspeakers.

Uraltes Reglement garantiert Dramatik

Noch erstaunlicher als der äussere Rahmen ist das Funktionieren des Regelwerkes des Schwingens. Es stammt aus dem vorletzten Jahrhundert und genügt doch allen Anforderungen des modernen Sportbusiness. Es garantierte auch in Frauenfeld den zügigen Ablauf und jene Dramatik, um die sich so viele Sportarten im 21. Jahrhundert vergeblich bemühen.

Frauenfeld 2010 ist ein Abbild der erfolgreichen, modernen Schweiz. Auch das Schwingen geht erfolgreich einen Sonderweg in der grossen, internationalisierten und kommerzialisierten Welt des Sportes. Noch nie so erfolgreich wie 2010 bei diesem Eidgenössischen, das alle Rekorde gebrochen hat und eine positive Entwicklung bestätigt, die in dieser Dynamik zum ersten Mal beim Eidgenössischen 2004 in Luzern zu spüren war. Wir können davon ausgehen, dass Frauenfeld in drei Jahren in Burgdorf, im Herzland des Schwingens, noch einmal übertroffen wird.

Nebel im entscheidenden Moment vertrieben

Und Frauenfeld 2010 war ganz einfach auch ein wunderschönes Fest. Nie hat es eine schönere Kulisse beim Abspielen unserer Nationalhymne gegeben.

Die ersten Sonnenstrahlen durchbrechen am Samstag um 8.00 Uhr den Morgennebel genau in dem Augenblick, als die Nationalhymne zur Eröffnung des Festes gespielt wird. Die Flüsse Thur und Murg haben für diesen undurchdringlichen Nebel in der Arena gesorgt. Von der Tribüne aus sind die Sägemehlringe nicht zu sehen.

Aber es ist wie vor der sagenumwobenen Schlacht bei Murten (die den Eidgenossen ewigen Ruhm brachte). Im entscheidenden Augenblick durchdringen die Sonnenstrahlen den Nebel. Auf, die Sonne leuchtet uns zum Sieg. Eine Viertelstunde später ist der Nebel verschwunden und Sonnenlicht flutet den Festplatz.

Riesiger Jahrmarkt

Frauenfeld war auch optisch ein Eidgenössisches mit ganz neuen Dimensionen. Wer sich vom Bahnhof her zu Fuss der Arena nähert, gerät in einen Jahrmarkt, den es so in der Geschichte des Eidgenössischen (seit 1895) noch nicht gegeben hat. Verkaufs- und Werbestände säumen auf beiden Seiten die mit einem roten Teppich ausgelegte Strasse. Kommerz in der neumodischen, aggressiven Form.

Die Stimmung wurde dadurch allerdings nicht getrübt. Es war das friedliche, fröhliche Festival unseres Brauchtums, bei dem nette Ordnungskräfte nur dazu da sind, den Weg zur nächsten Toilette zu weisen. Oder zum nächsten Getränkestand.

Gigantismus förderte Feststimmung

Und letztlich förderte der neue Gigantismus des Eidgenössischen die Feststimmung. Denn wer endlich die Arena erreicht hat, dem öffnet sich eine heile Welt. Wie dem Wanderer durch die Wüste die Palmenoase. Nicht eine einzige Werbeaufschrift ist im riesigen Rund zu sehen. Keine Werbedurchsage stört die Stimmung. Es ist die reinste, schönste Sportarena der Welt. Hier zählt nur der pure Sport.

Was den Organisatoren jetzt zum Glück noch fehlt, ist die höchste Autorität, die am Ende des Festes sagen wird: «Es war das schönste Eidgenössische aller Zeiten.» So wie das inzwischen beim Abschluss der Olympischen Spiele der Brauch geworden ist («the best ever»). Die Besucher haben zwar nie das Gefühl, die besten Olympischen Spieler aller Zeiten erlebt zu haben.

Aber jene, die Frauenfeld erlebt haben, werden auf dem Nachhauseweg auch ohne Bestätigung von offizieller Seite das Gefühl haben, das schönste Schwingfest aller Zeiten erlebt zu haben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Götsch am 23.08.2010 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt.

    Den Vergleich mit der Schlacht bei Murten ist ein bisschen gar pathetisch, aber eigentlich geb ich dem Artikel recht. Ich hatte Gänsehaut beim Schlussgang, obwohl ich ihn nur am Fernsehen gesehen habe und auch ansonsten das Eidgenössische nicht verfolgt habe. Einfach schön, wie das Ganze so viele positive Emotionen hervorrufen kann. Ein Stück Heimat, das mich mit "meiner" Schweiz verbindet. Und ich würde mich jetzt wirklich nicht gerade (im politischen wie auch im emotionalen Sinn) als "Urschweizer" oder "Eidgenosse" bezeichnen...

  • M. Berry am 23.08.2010 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    fully agree

    fully agree. es war der absolute Hammer ! Danke Frauenfeld !

  • justin am 23.08.2010 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    frauenfeld

    frauenfeld ist eben schweiz. kann man daran sehen wie positiv gefeiert wurde. :D bitte nach drei jahren wieder dort. die wissen wie man die leute befriedigt und eine freude machen kann

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rönz am 24.08.2010 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Ort......

    .....und ein Fest wo Schweizer unter sich sind!

  • Schwing Fest am 24.08.2010 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Extraklasse

    Das Schwingfest war Extraklasse. Hab selber als freiwilliger Helfer ziemlich hart geschuftet und viel geschwitzt, die Gäste haben aber mit Komplimenten total motiviert und die Strapazen vergessen gemacht. Mein kleines persönliches Highlight, hab an der Bar jemandem den Vortritt gewährt (er war auch vor mir da) und wurde aus Dankbarkeit gleich zu einem Shot eingeladen. So war's, EXTRAKLASSE

  • maria am 24.08.2010 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    eidgenössisches 2013

    Wie Gestern in der Sendung von 10vor10 gesagt wurde soll das Eidgenössische 2013 in Burgdorf kleiner werden. Mit mehr Folklore und zu Burgdorf passend. Ich hoffe sehr, dass diese Aussage stimmt. Ich bin schon für Anpassungen an die heutige Zeit aber zu den Angeboten ausserhalb der Arena hätte ich nach viel Lob und Eigenlob (DRS1 Tagesgespräch vom 23. August) einege Kritiken auf Lager. Zu Schluss für die ÖV-Organisation ein grosses Lob von mir.

  • heidi am 23.08.2010 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    seltsam...

    und auch lustig, wie man als ausländer in der arena angeschaut wurde, so grosse augen habe ich selten gesehen....für eine nicht-schweizerin war das wirklich schön aber vielleicht insgesamt etwas zuviel der heimatliebe...

  • R.M. am 23.08.2010 20:14 Report Diesen Beitrag melden

    Paris Hilton und Herr Zaugg

    Sie können es nicht lassen. Sie finden wohl überall etwas "übles" !! Anstatt sich nur hinter Zeilen zu verstecken sollten Sie sich einmal produktiv für die Gesellschaft einsetzten. Gehen Sie einmal .. helfen Sie an einem solchen Anlass mit.. nicht nur blöde kritisieren .. anpacken !! Aber Sie geniessen es wohl das man über Sie schreibt .. In meinen Augen grenzt das an Selbstbefriedigung und ist eine Charaktereigenschaft der untersten Schublade. Sie sollten besser über Paris Hilton schreiben aber sicher nicht über den Schwingsport !! Wer sind Sie eigentlich ?