Gigantisch und heiss

22. August 2010 19:08; Akt: 22.08.2010 23:01 Print

Nur das Bier ging ausNur das Bier ging aus

Das eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Frauenfeld ist von rund 250 000 Frauen und Mannen besucht worden - und übertraf damit alle Erwartungen.

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Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest fand vom 21. August bis 22. August statt. Auch wenn es so aussieht: Kopflos wird nicht geschwungen am Eidgenössischen. Ein Mann räumt alles weg: Nach 8 Gängen und 8 Siegen steht Kilian Wenger als Sieger und Schwingerkönig des Eidgenössischen fest. Das Berner Riesentalent: ein Modellathlet modernen Zuschnitts. Ein Bild mit Symbolcharakter: Wenger Kilian reisst nach seinem Sieg im 5. Gang gegen Abderhalden Jörg den Arm in die Höhe. Der nachdenkliche König nach seiner Niederlage. Wenger Kilian führt mit viertem Sieg in Folge das Zwischenklassement nach vier Gängen an. Bless Micheal und die geballte Kraft des Siegreichen. Action pur in Frauenfeld. Alphörner dürfen am Eidgenössischen natürlich nicht fehlen. Früh übt sich, wer ein starker Mann werden will. Jodeldidüühh! Für musikalische Unterhaltung war ebenfalls gesorgt. Da gabs wohl schon Bier vor Vier - und nicht jedem bekams gut. Auch sonst war hie und da eine Siesta auszumachen... ... ... Wo viele Leute sind, gibts viel Abfall. Uriniert wird, wo es grad gefällt. Fans aus allen Regionen der Schweiz waren angereist. Gepannt verfolgte man das Geschehen um die sieben Kreise. Die Ringrichter haben nicht immer einen leichten Job. Jedes abgezogene Vierteli könnte entscheidend sein. Samir Leuppi, rechts, ringt gegen Tiago Vieira. Vogelperspektive auf die Kampfstätte der sogenannt Bösen. Die besten Schwinger konnten bei hervorragenden äusseren Bedingungen antreten. Matthias Sempach wird von Philipp Laimbacher in luftige Höhen gehievt. Im ersten Gang gestellt: Das Duell zwischen Stucki Christian und Abderhalden Jörg. Abderhalden und Stucki. Stucki danach am Brunnen. Und Abderhalden Jörg gezeichnet von den Anstrengungen.

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Das eidgenössische Schwing- und Älplerfest mit Schwingerkönig Kilian Wenger ist von rund 250 000Frauen und Mannen besucht worden. Das sind 25 Prozent mehr als erwartet.

Trotz des grossen Besucheraufmarschs am Fest der «Bösen» und der «Könige» gab es keine nennenswerten Probleme. Die Kantonspolizei Thurgau meldete am Sonntagabend, dass 18 Personen mit Knochenbrüchen oder Kreislaufproblemen medizinisch betreut werden mussten. Kein Wunder: Auf der Grossen Allmend in der Thurgauer Hauptstadt war es zeitweise 30 Grad heiss.

Auch Bundespräsidentin Doris Leuthard gab sich in der Hitze der Arena die Ehre. Der Geist, der am Schwing- und Älplerfest im Sägemehlring vorherrsche, habe die Schweiz wesentlich mitgeprägt und werde auch in Zukunft weiterleben, sagte sie am Sonntag auf der Allmend.

Der Schwingsport sei eine wunderschöne Tradition mit «grosser Symbolkraft» - der Sport wecke Emotionen und schaffe dadurch Schweizer Tradition. Und dies ist laut Leuthard besonders wichtig in Zeiten, in denen Globalisierung zu Entfremdung führe.

Der erste Berner seit 18 Jahren

Die Schwinger lobte die Bundespräsidentin als Vorbilder: Sie leisteten vollen Einsatz und seien hart in der Sache, aber fair im Umgang. Von der Schweizerinnen und Schweizern wünsche sie sich, sie würden es den Schwingern im Ring gleich tun.

Das «Eidgenössische» war der grösste Schweizer Sportanlass in diesem Jahr. Aus Stahlrohren wurde ein Stadion mit 47 000 Sitzplätzen aufgebaut: die Thurgau-Arena. Die Tickets waren im Nu ausverkauft. Zehntausende schauten sich neben der Arena auf Grossleinwänden an, wie die 280 «Bösen» zusammengriffen, einander auf den Rücken legten und am Ende einen jungen Berner «krönten».

Der 20-jährige Schwingerkönig Kilian Wenger - im Sternzeichen Stier geboren - darf als Hauptpreis Muni Arnold mit nach Hause nehmen. Wenger ist der erste Berner Schwingerkönig seit 18 Jahren.

Nur das Bier ging aus

Die Festbesucher in Frauenfeld verzehrten neben anderen Speisen rund 130 000 Würste, tranken 300 000 Liter «Blöterliwasser» und 200 000 Liter Bier; gegen Ende des Fest ging der Gerstensaft allmählich aus. Das Gros der Festbesucher war mit Extra-Zügen der SBB in den Thurgau gereist.

Das Fest hatte ein Budget von 20 Millionen Franken - drei Mal so viel wie die letzte Ausgabe vor drei Jahren in Aarau. Das «Eidgenössische» ist nicht mehr nur ein Stelldichein von Freunden Schweizer Ursports und Brauchtums. Auf dem Zeltplatz auf der Allmend hatten Tausende Zelte aufgeschlagen wie an einem Open Air.

Das nächste eidgenössische Schwing- und Älplerfest findet Ende August 2013 in Burgdorf BE im Emmental statt. Symbolisch liessen Emmentaler Jungschwinger in Frauenfeld gelbe und schwarze Ballons zum Himmel steigen.

(sda)