Unvergessene Erfolge

31. August 2010 15:55; Akt: 31.08.2010 16:52 Print

Der sanfte Riese mit der BärenkraftDer sanfte Riese mit der Bärenkraft

von Philipp Reich - Werner Günthör ist der erfolgreichste Schweizer Leichtathlet aller Zeiten. Die Krönung seiner Karriere blieb dem Riesen mit der sanften Stimme jedoch verwehrt.

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Werner Günthors Weltmeisterstoss in Stuttgart 1993. (Video: Youtube) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Als haushoher Favorit und einzige Schweizer Goldhoffnung in der Leichtathletik reiste Werner Günthör 1992 an die Olympischen Spiele nach Barcelona. Zweimal war der Ostschweizer, der so gern auf einem Wasserbett schlief, schon Weltmeister geworden - 1987 in Rom und 1991 in Tokio. Doch beim Höhepunkt seiner Karriere wurde der Zwei-Meter-Riese zum grossen Verlierer.

Dopinganschuldigungen des deutschen Nachrichtenmagazins «Der Spiegel», der enorme Druck und dilettantische Organisationsfehler warfen den «Kugel-Werni» komplett aus der Bahn. Im wichtigsten Moment versagten ihm die Kräfte. Günthör scheiterte und es resultierte lediglich der enttäuschende vierte Rang. Die Bronzene von Seoul sollte seine einzige Olympia-Medaille bleiben.

Günthör liess sich allerdings nicht unterkriegen und wollte es noch einmal wissen. Der heute 49-Jährige revanchierte sich für die Olympia-Blamage. Bei der WM 1993 stand der Riese mit der sanften Stimme wieder zuoberst auf dem Podest und feierte seinen dritten Weltmeister-Titel. Noch heute hält Günthör mit 22,75 Metern unangefochten den Schweizer Rekord im Kugelstossen.

Der Zwei-Meter-Sprung des Hünen

Doch nicht nur in seiner Paradedisziplin war der für seine Vielseitigkeit bekannte Günthör hoch talentiert. Auch im Diskus- und im Speerwerfen hielt er stets mit den Besten des Landes mit. Unvergessen bleibt auch sein Auftritt beim Länderkampf der Schweizer Nationalmannschaft gegen Holland. Weil sich einer der Hochspringer vor dem Wettkampf verletzt hatte, schnürte Werner Günthör kurzum dessen Hochsprungschuhe und übersprang in sauberer Floptechnik die Zwei-Meter-Marke und das mit 128 Kilo Kampfgewicht.

Selbst im Wintersport versuchte sich der Thurgauer. Bei seinem Abstecher ins Boblager 1990 zog sich Günthör jedoch eine schwere Rückenverletzung zu und seine Karriere hing an einem seidenen Faden. Mit dem ihm eigenen Ehrgeiz kämpfte sich der Modelathlet jedoch wieder zurück.

Die Karriere nach der Karriere

Nach der Beendigung seiner Aktivkarriere 1993 absolvierte der gelernte Sanitär-Installateur ein Sportstudium und arbeitet heute zu 50% beim Bundesamt für Sport BASPO in Magglingen in der Ausbildung. In der verbleibenden Zeit engagiert er sich als Selbständigerwerbender bei Projekten, hält Seminare ab und berät Spitzensportler beim Training oder in der Laufbahnplanung.