Eklat in Lugano

22. September 2017 06:49; Akt: 12.10.2017 15:04 Print

Sion-Boss Constantin tritt und schlägt Rolf Fringer

Mehrere Ohrfeigen und ein Tritt in den Hintern: Nach dem Super-League-Spiel zwischen Lugano und Sion greift Christian Constantin TV-Experte Rolf Fringer an.

Videoaufnahmen zeigen das Ende des Vorfalls zwischen Constantin und Fringer. (Video: Tamedia/Teleclub)
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Sions Präsident Christian Constantin hat sich nach dem 2:1-Erfolg seiner Mannschaft in Lugano einen tätlichen Angriff auf den ehemaligen Schweizer Nationalcoach Rolf Fringer geleistet. Die Swiss Football League (SFL) hat ein Verfahren eingeleitet.

Eklat beim Match zwischen Lugano und Sion

Fringer, der als Experte für Teleclub im Einsatz war, wurde von Constantin umgestossen und ins Gesicht geschlagen. Fringer meinte, der Übergriff sei noch schwerwiegender gewesen, als wohl auf den TV-Bildern zu erkennen ist: «Zuerst kam der Sohn, dann er. Er hat mir mehrere Ohrfeigen gegeben.» Er konnte gar nicht fassen, was eben passiert war: «Ich habe mein Mikrofon gehalten, habe mich gar nicht gewehrt. Ich habe mir gedacht: Das kann ja gar nicht wahr sein!»

Die Attacke des Walliser Klubchefs ist nach Aussagen von mehreren Zeugen schwerwiegender Natur. Der frühere Nationalcoach hat gemäss Augenzeugen gegen zehn Tritte und Ohrfeigen über sich ergehen lassen müssen; mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dürfte der Eklat strafrechtliche Konsequenzen haben. Auch Fringer kündigt an: «Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.» Später sagte er zum «Blick»: «Ich persönlich gehe davon aus, dass ich Strafanzeige wegen Körperverletzung einreichen werde.»

«Das hat mir gutgetan»

Die SFL hat Constantins Angriff scharf kritisiert. «Die SFL verurteilt dieses Verhalten, das gegen die Verhaltensregeln des Schweizerischen Fussballverbands SFV verstösst, aufs Schärfste und wird eine Untersuchung des Vorfalls durch die Disziplinarkommission veranlassen», schreibt die SFL in einer Erklärung.

Es ist zu erwarten, dass die Sport-Justiz zeitnah mit einer scharfen Replik reagiert, zumal Constantin einen Vertreter des wichtigsten TV-Partners und Geldgebers der Super League angegriffen hat. Die Tragweite des Verfahrens ist unabsehbar, das Spektrum der Urteile reicht wohl bis zur mehrjährigen Sperre.

Constantin meinte gegenüber Teleclub: «Ich habe ihm einen Tritt in den Hintern versetzt. Das hat mir gutgetan. Wenn man attackiert wird, muss man sich wehren.» Offenbar löste ein Interview von Fringer die Wut von Constantin aus. Darin kritisierte der Experte den Sion-Boss scharf: «Er ist ein Narzisst, hat null Empathie, schaut nur für sich. Man sagt, er sein ein Farbtupfer für die Liga. Aber ich muss sagen, langsam wird es lächerlich. Es ist Jahr für Jahr der gleiche Stuss.»

Constantin als Wiederholungstäter

Bereits vor zwei Jahren waren Fringer, damals Sportchef in Luzern, und Constantin verbal aneinander geraten, als der Sittener Präsident versucht hatte, den Innerschweizern Marco Schneuwly auszuspannen.

Christian Constantin ist nicht zum ersten Mal handgreiflich geworden. Nach dem Spiel Kriens - Sion am 5. Dezember 2004 attackierte er Schiedsrichter Markus von Känel und den Assistenten José Antonio Gonzalez. Zweieinhalb Jahre später verurteilte ihn das Amtsgericht Luzern-Land wegen einfacher Körperverletzung gegen Schiedsrichter von Känel zu einer bedingten Geldstrafe von 24'500 Franken. Die Tätlichkeiten gegenüber dem Assistenten konnten ihm nicht schlüssig nachgewiesen werden. Um eine unbedingte Strafe kam Constantin nur dank einer Gesetzesänderung herum, die just auf Anfang 2007 zu greifen begann.

(ete/woz/sda)