«Time-Out»

01. Dezember 2012 09:27; Akt: 01.12.2012 20:21 Print

Wo bleibt bloss der grosse HC Davos?

von Klaus Zaugg - So unspektakulär hat der HC Davos im 21. Jahrhundert noch nie gespielt. Vielleicht, aber nur vielleicht, müssen wir eine Frage stellen, die seit 1996 noch nie gestellt worden ist.

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Arno Del Curtos HCD spielt so unattraktives Hockey wie schon lange nicht mehr. (Bild: Keystone)

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Die Schlagzeile auf 20 Minuten Online ist erst gut zwei Monate alt: «Von nun an behüte Gott die HCD-Gegner». Der HCD hatte am 22. September im ersten Spiel mit Joe Thornton und Rick Nash die Lakers – damals noch fast ein Spitzenteam – mit 9:2 vom Eis gefegt. Drei Tore durch Nash. Vier Assists durch Thornton. Im Kopfkino liefen die Bilder der wundersamen Saison 2005/06. Als der HCD mit Thornton und Nash alles gewonnen hat: Den Spengler Cup und die Meisterschaft. Und jetzt sprach alles dafür, dass es noch besser werden könnte: Die beiden NHL-Stars haben inzwischen viel mehr Erfahrung, kennen den HCD und unser Hockey. «Von nun an behüte Gott die HCD-Gegner.»

Diese Zuversicht war ein Irrtum. Die Davoser haben mit Thornton und Nash in Langnau zwar 4:3 gewonnen. Aber sie brauchten die Hilfe der Hockeygötter. Der neutrale Beobachter kann den Emmentalern die Anerkennung für eine grosse kämpferische Leistung zwar nicht versagen. Aber er muss eine andere Frage ins Zentrum seiner Betrachtung rücken: Was ist bloss aus der grossen blau-gelben Hochgeschwindigkeits- Hockeymaschine HC Davos geworden? Aus Rick Nash und Joe Thornton?

Vom Schlusslicht dominiert

Es spielt eine Rolle, dass Rick Nash, Joe Thornton, Joe Marha, Petr Sykora, Sandro Rizzi oder Reto von Arx nicht hundertprozentig fit sind und an verschiedenen «Bresten» leiden. Aber jedem Team fehlen Ende November ein paar Spieler. Gerade der HCD ist berühmt dafür, dass selbst der Ausfall von mehreren Schlüsselspielern den Mechanismus der grossen, mächtigen Hockeymaschine nicht störten.

Doch nun ist der HCD (vorübergehend?) bloss noch ein stotterndes defensives landwirtschaftliches Nutzfahrzeug mit limitierter Offensivkraft. Die Davoser wurden in Langnau vom Tabellenletzten, vom offensiv schwächsten Team der Liga (das nur zwei Ausländer hatte) dominiert, ja zeitweise überfahren und sie kamen in zu vielen Situationen einen Schritt zu spät. Die Statistiker notierten 43:17 (15:6, 15:7, 13:4) Torschüsse für die SCL Tigers.

Arno Del Curto musste auf ein Notprogramm umstellen und sich bald einmal auf das einfachste Handwerk beschränken: Die Scheibe wegschlagen, den starken Torhüter Leonardo Genoni (mit Abstand der Beste seines Teams) abschirmen und bei Gelegenheit einen Konter fahren.

Ist es für Del Curto Zeit, zu gehen?

Der spielerische Glanz ist (vorübergehend?) dahin. Wir sehen zurzeit den unspektakulärsten und defensiv verwundbarsten HCD des 21. Jahrhunderts. In diesem Jahrhundert war noch nie so wenig Tempo, Rhythmus, Präzision und Kreativität im HCD-Spiel. Es ist ein HCD, der immer noch um die Playoffs bangen muss.

Vielleicht, aber nur vielleicht, müssen wir irgendeinmal ganz heimlich und wirklich nur rein rhetorisch und ausschliesslich im Sinne eines abstrakten Gedankenspiels, das nicht ganz ernst zu nehmen ist, und lediglich in der Rolle als «Advocatus Diaboli» ganz schüchtern eine Frage stellen. Die Frage aller Fragen und doch eine Frage, die wir nur hinter vorgehaltener Hand zu flüstern wagen: Könnte es sein, dass das Charisma des grössten Trainers ausserhalb der NHL ein ganz klein wenig Strahlkraft verloren hat? Ist es eventuell, aber wirklich nur eventuell, an der Zeit, dass er eine neue Herausforderung, beispielsweise im Bernbiet, sucht?

Aber verscheuchen wir solche ketzerische Gedanken sofort wieder und schämen wir uns sogar ein wenig dafür. Denn die Umstellung aufs einfache Handwerk hat ja Arno Del Curto letztlich an der Ilfis doch noch einen Pflichtsieg beschert.

Vielleicht wird das am Ende der Qualifikation ja entscheidend sein: Diese Fähigkeit, mit einer spielerisch eigentlich hochklassigen Mannschaft auf «hässliches», unspektakuläres Hockey umstellen zu können. Biel verlor eine ganz ähnliche Partie in Langnau 2:3 n.P. Der HCD aber hat 4:3 gewonnen. Wer dieses Langnau nicht schlägt, ist die Playoffs nicht wert.

Bei den SCL Tigers läuft alles schief

Die Trainer-Diskussion braucht in Langnau nach diesem 3:4 gegen den HCD nicht neu lanciert zu werden. Weil bei den SCL Tigers alles schief läuft, was schief laufen kann. Sie verloren in der Partie gegen Davos Adrian Brunner durch eine Schulterverletzung nach einem Check von Gregory Sciaroni und Tom Gerber durch einen Handbruch. Und sie spielten nur noch mit zwei Ausländern (Pascal Pelletier und Kurtis McLean). Mark Popovic fällt weiterhin durch eine Gehirnerschütterung aus und die beiden verletzten NHL-Stars Tyler Ennis (Schulterprellung) und Jared Spurgeon (Leistenbeschwerden) sind von ihrem Agenten Eustace King für eine eingehende medizinische Untersuchung nach Nordamerika zurückgerufen worden. Bis Mitte Woche wird entschieden, wann bzw. ob die zwei Kanadier noch einmal zurückkommen und ihren Vertrag bis Ende Januar (oder Lockout-Ende) erfüllen werden. Wenn nicht, hat Sportchef Jakob Kölliker noch zwei Ausländerlizenzen, die er bis zum 15. Februar 2013 einlösen kann.

Und auf dem Eis hatte sich auch alles gegen die Langnauer verschworen. Bereits nach 16 Sekunden fällt das 0:1 und damit ist die Entscheidung theoretisch bereits gefallen: Die SCL Tigers haben in dieser Saison nach einem 0:1-Rückstand nie gewonnen. Nun waren sie nahe daran, diesen Fluch zu überwinden. Im Mitteldrittel musste Arno Del Curto seinen Mannen mit einem Time-Out Luft verschaffen. Trotzdem fiel das 2:3. Aber weil eben alles schief geht, was schief gehen kann, konnte Torhüter Thomas Bäumle eine Scheibe hinter dem Tor nicht stoppen und Sven Ryser traf zum 2:4 ins leere Netz.

Trotzdem wäre es ungerecht, Langnaus Goalie die Schuld für die Niederlage zu geben: Er spielte vor und nach diesem Lapsus ordentlich. Aber die Langnauer können in ihrer aktuellen Verfassung ein Spiel nur dann gewinnen, wenn dem Torhüter keinen Fehler macht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jürg am 04.12.2012 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    King Arno

    Auch del Curto hat etwas dazugelernt, was bringt es die Quali zu beherrschen und nicht Meister werden?! Letzte Saison als Erster gegen den ZSC(8.) im Playoff ausgeschieden, diesmal startet man den Turbo erst im neuen Jahr und wird als Quali-8. doch noch Meister! Kluge Taktik von King Arno!!! Es lebe der HCD!!!

  • Luganesi am 01.12.2012 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist Arno?

    Ja trainer weg, neue NHL-Stars verpflichten, neuer Torhüter, neuer Vorstand und am besten noch gleich einen neuen Namen finden für den Club!!! Die saison ist noch lang, die Zeit wird uns sicher zeigen das Arno einer der besten ist!!! Hopp HCD

  • Auch kein Experte am 01.12.2012 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der "Experte" irrt

    Man erinnere sich an seinen euphorischen Artikel , als er die NLA vor dem NHL-gestärktem Davoser Sturm warnte. Ja falsch gedacht Herr Zaugg!

  • _xxx am 01.12.2012 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Ja aber es sind auch die Schieris schuld

    Ist auch nicht gerade einfach gegen den Gegner zu gewinnen wenn man nach 2 Dritteln ein Strafenverhältnis von 2x2 min gegen langnau und 7x2 min gegen davos hat, obwohl das spiel sehr fair und beinhahe körperlos war.. abr die schieris pfeiffen halt immer gegen davos, dass hat man auch dieses jahr in bern schon gesehen.. da kann man nichts ändern, ausser einen neuen oberschiedsrichter einstelllen...!!

    • Rafael am 01.12.2012 14:15 Report Diesen Beitrag melden

      hihi

      Der war gut...als ob es in den 'glorreichen Jahren' nicht mehr als genug Spiele gab welche auf Grund der Schiedsrichter für den HC D entschieden wurden.

    • Schiri am 01.12.2012 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ooooo armer HCD

      Haha klar! Immer der schiri ist schuld! HCD ist einfach nicht mehr das was es mal war es ist zeit für neue spitzenteams :)

    • Jolä am 01.12.2012 16:20 Report Diesen Beitrag melden

      lächerlich...

      es ist immer einfach, die Schiris die Schuld zu geben. Also der HCD kann sich was dies angeht, überhaupt nicht beschweren...

    • Peter B. am 01.12.2012 16:50 Report Diesen Beitrag melden

      nicht beschweren

      Sei es die gelb-blaue Fanbrille oder nicht, jede Fangruppierung regt sich über die Schirileistungen auf... Ein Blick auf die Statistik zeigt aber, dass xxx nicht ganz unrecht hat. Davos hat in dieser Saison 229 Minuten in Unterzahl spielen müssen (Platz 2 hinter Genf), aber nur deren 151 Minuten in Überzahl spielen dürfen (mit Abstand am wenigsten)... PS: Seit 2004/05 gehört der HCD immer zu den meistbestraftesten Teams, sowie zu den Teams, die am wenigsten Powerplay spielen dürfen. (Quelle hockeyfans.ch)

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  • zürcher am 01.12.2012 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    SCL oder HCD

    Ist das nun ein Bericht über Davos oder Langnau? Geschickt wie KZ einen Berner Verein so in den Bericht nimmt. Typisch halt...

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