Martin Gerber

09. November 2012 22:50; Akt: 10.11.2012 09:24 Print

Ein Sieg für einen verstorbenen Freund

von Klaus Zaugg, München - Hinter dem 3:2-Sieg gegen die Slowakei steht eine ganz besondere Dramatik. Torhüter Martin Gerber hat in der Nacht vor dem Spiel einen Freund verloren.

Bildstrecke im Grossformat »
Den Schweizern gelingt ein versöhnlicher Turnier-Abschluss. Sie bezwingen die bisher sieglosen Kanadier gleich mit 6:1. Zwar gingen die Ahornblätter in der 8. Minute in Führung, doch danach diktierten die Eisgenossen das Spielgeschehen. Die erste Linie der Schweizer mit Andres Ambühl, Roman Wick und Ryan Gardner erzielte fünf der sechs Schweizer Tore. Deutschland gewinnt gegen die Schweiz 2:0. Damit sind die Chancen auf den Turniersieg für die «Eisgenossen» Geschichte. Trotz einer soliden Leistung kann auch Reto Berra die Niederlage nicht abwenden. Die Schweiz gewinnt ihr Auftaktspiel am Deutschland-Cup gegen die Slowakei mit 3:2. Die Partie war hartumkämpft. Am Ende kontrollierten die Eisgenossen die Partie allerdings und brachten den Sieg ins Trockene. Am Freitag gilt es ernst für die Schweizer. Dann steht die erste Partie am Deutschland Cup gegen die Slowakei an. Sean Simpson äussert sich erstmals seit der misslungenen WM im Frühjahr (Platz 11) vor den Medien. Vom neuen Verbandspräsidenten Marc Furrer erhält der Kanadier viel Rückendeckung. Seit dem Abgang von Philippe Gaydoul scheint eine «Klimaerwärmung» spürbar zu sein: v.l.n.r. Nati-Coach Sean Simpson, Verbandspräsident Marc Furrer, Leistungssportchef Pius-David-Kuonen und Nationalmannschafts-Manager Peter Lüthi. Nati-Trainer Sean Simpson will mit seinen Mannen am Deutschland-Cup den Turniersieg. Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft bereitet sich in Winterthur auf den Deutschland Cup vor. Andres Ambühl ist nach seiner Gehirnerschütterung auch wieder dabei.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Es gibt wichtigere Dinge als ein Eishockeyspiel und ein 3:2-Sieg gegen den WM-Finalisten beim Deutschland-Cup. Aber manchmal hilft ein Eishockeyspiel, die wichtigeren Dinge zu verarbeiten.

Am Mittwoch hat Martin Gerber das Trainingslager der Nationalmannschaft in Winterthur für ein paar Stunden verlassen um ein letztes Mal seinen Freund Walter Gerber zu besuchen. Mit dem gleichnamigen «Wale» ist er zwar nicht verwandt. Aber eine lange Freundschaft verbindet die beiden Emmentaler. Gemeinsam sind sie im Frühjahr 1998 mit Langnau in die NLA aufgestiegen.

Für Torhüter Martin Gerber war dieser Aufstieg der Beginn einer einmaligen Karriere, die er mit einem Meistertitel in Schweden und einem Stanley-Cup-Sieg krönte und die ihn zum Multimillionär gemacht hat. Für «Wale», der sich durch seine Leidenschaft, seine Zähigkeit und sein grosses Herz bei den Fans Kultstatus erarbeitet hatte, war es der einsame Höhepunkt seiner Karriere. Unvergessen sind die TV-Bilder, als er, den Playoffbart in den Tigerfarben rot-gelb coloriert, die Zähne ausgeschlagen, trotzig in die Kamera sagte: «Und wir schaffen es trotzdem!».

Für die NLA zu klein

Weil er von seiner Kampfkraft und nicht von seinem Talent lebte, war er für die NLA mit 170 Zentimeter Grösse zu klein. Deshalb blieb er in der NLB und in der zweithöchsten Spielklasse hatte er einmal in Lyss einen Coach namens Sean Simpson. Er machte sein Glück als Wirt im «Hot Shot», der Sportbeiz neben der Kunsteisbahn Oberlangenegg auf dem Hochland zwischen Emmental und Oberland. Noch letzte Saison stürmte er für den dortigen Zweitligisten und buchte in 18 Spielen 32 Punkte.

Im August hat Walter Gerber, erst 43 Jahre alt, die Diagnose Gehirntumor erhalten. In der Nacht auf Freitag ist er gestorben. Nationaltrainer Sean Simpson war nach dem Spiel gegen die Slowaken sichtlich erschüttert. «Martin Gerber hat mir vor dem Aufwärmtraining gesagt, dass es Walter nicht mehr geschafft hat und in der Nacht auf Freitag gestorben sei. Ich fragte ihn, ob er okay sei. Aber es war gar keine Frage, dass er gegen die Slowakei spielen wollte. Denn es war ganz im Sinne seines verstorbenen Freundes.»

Martin Gerber mit einer seiner besten Leistungen

Martin Gerber hat gegen die Slowaken (noch mit zwölf Spielern der WM-Finalmannschaft) eine seiner besten Leistungen im Nationaldress gezeigt. Er war der charismatische Leader der Schweizer (mit sieben WM-Teilnehmern) und hielt 94,59 Prozent der Schüsse. Auch Sean Simpson sah seinen Goalie in einer zentralen Rolle: «Martin hat uns mit seiner Präsenz, seiner Ausstrahlung sehr geholfen und ich habe ihn nach dem Spiel in der Kabine dafür gelobt und vor allen gesagt, dass er so gespielt hat, wie es sich auch Walter gewünscht hätte.»

Martin Gerber ist kein Mann der grossen Worte. Wenn Sean Simpson die Geschichte um den Tod Walter Gerbers nicht erzählt hätte, sie wäre wohl nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Nach dem Spiel darauf angesprochen hielt Martin Gerber einen Moment lang inne und sagte mit leiser Stimme. «Es ist sehr traurig.» Er ist ein Emmentaler. Emmentaler «verwärche» (verarbeiten) solche Erlebnisse. Dieses Spiel war für ihn vielleicht die beste Möglichkeit, die letzten zwei Tage zu «verwärche».

Martin Gerber zurück in die Schweiz?

Martin Gerber spielt bei Rögle, dem Tabellenletzten der höchsten schwedischen Liga. Der Vertrag läuft im Frühjahr aus und darüber, was nächste Saison sein wird, hat er noch nicht nachgedacht. Er ist am 3. September 38 geworden und spielt immer noch sein bestes Hockey. Ein Aufgebot für die WM 2013 ist nicht ausgeschlossen. Es wäre nach 2000, 2001, 2002, 2004, 2005, 2008, 2009, 2010 sowie den Olympischen Spielen 2002 und 2006 das elfte Aufgebot für ein Titelturnier.

Im Sommer 2001 hat Martin Gerber die SCL Tigers verlassen um die Hockeywelt zu erobern. Abgesehen von einem kurzen Gastspiel in Langnau während der NHL-Lockout-Saison 2004/05 hat er seither nie mehr für ein Schweizer Team gespielt. Kehrt er im Frühjahr 2013 in die NLA zurück? Es komme auch darauf an, was seine Familie dazu sage. Martin Gerber nächste Saison zurück zu den SCL Tigers? Oder zum EV Zug? Oder noch ein weiteres Jahr im Ausland? Er schliesst weder das eine noch das andere aus. Das will wenig heissen. Denn er schliesst nie etwas aus. Deshalb hat er es aus der 2. Liga in Signau bis zum Stanley-Cup-Sieger in Amerika und Dollarmillionär gebracht.

Heute Samstag bekommt Martin Gerber eine Ruhepause. Gegen Deutschland (16.15 Uhr) steht Biels Reto Berra im Tor.

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sonja Niklaus am 10.11.2012 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der abschiend

    Beim Abschied wird uns oft erst klar, wie kostbar jeder Moment doch war. Wäre dieser Abschied nicht, hätte die Zeit davor wenig Gewicht.

  • Thomas Hänggi am 10.11.2012 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Walter Gerber

    Auch wir Ajoie-Fans trauern um Walter Gerber

  • Stefan Schenk am 10.11.2012 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Braveheart

    Die Hockey Familie trauert um einen ihrer grossen Helden. Obwohl nie in der NLA gespielt, gehört er in die "Hall of fame" des Schweizer Eishockey. Der ewige "Chrampfer" und Fighter hat seinen letzten Kampf verloren. Rest in Peace Wale!! Ohne ihn wäre Langnau nicht in der NLA!

  • hans muster am 10.11.2012 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    danke

    schön geschrieben herr zaugg! es ist wie es ist. der tod gehört nunmal zum leben.

  • Ca.Li. am 10.11.2012 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wale

    R.I.P. "Wale" Gerber.

ZSC-Lions-TV
Der TV-Player benötigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen