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«Time Out» mit Klaus Zaugg
31. Dezember 2009 14:44; Akt: 31.12.2009 15:26 Print
Ein Halleluja für die Trainer, nicht für die Fans
von Klaus Zaugg - Dynamo Minsk gewinnt den Spengler Cup 2009 durch einen 3:1-Finalsieg gegen den HC Davos. Weil die Davoser im Finale nicht mehr richtig fliegen konnten. Diesmal kamen die Trainer mehr auf die Rechnung als die Fans. Und das Erbe von Dr. Spengler lebt.
Das letzte Turnier mit fünf Teams. So gesehen das Ende einer Epoche. Ab nächste Saison werden sechs Mannschaften den Spengler Cup bestreiten.
Das Spassturnier wird zur ernsthaften Sache: Der Spengler Cup.
Wie ist das Turnier 2009 einzuordnen?
Es war ein spannendes und hochstehendes Turnier. Der Spengler Cup 2009 war sportlich der wertvollste der letzten Jahre. Dass Team Kanada nicht über den 4. Platz hinausgekommen ist, zeigt, wie hoch das Niveau war. Die Kanadier stellen ihre Mannschaft praktisch erst am Tag vor dem Turnier zusammen. Sie sind gegen Teams gescheitert, die eingespielt und gut organisiert sind. Und auch, weil sie die Führung mit Craig MacTavish einem Coach ohne jede Erfahrung im europäischen Eishockey überliessen.
Das spektakuläre, sorglose, offensive Halleluja-Hockey war jahrelang typisch für den Spengler Cup. Eishockey ist beim Spengler Cup schon immer mehr lustvoll gespielt als, wie in den nationalen Meisterschaften, diszipliniert gearbeitet worden. Doch 2009 ist der Wandel offensichtlich und das Finale ist sozusagen die Krönung dieser Entwicklung: Die Teams nehmen den Spengler Cup sehr ernst. Sie kommen, um zu gewinnen.
Hohes Niveau
Spieldisziplin, Intensität und Tempo sind hoch. Das Finale zwischen Davos und Dynamo Minsk war hockeytechnisch die beste Partie des Turniers. Davos war stark. Aber Minsk verhinderte mit guter Organisation, dass die Davoser flogen: Das dynamische Offensivspiel des Schweizer Meisters blitzte nur hin und wieder auf. Denn die Gegenspieler waren ebenso beweglich, schnell und taktisch schlau und so kam es zu einem Patt auf höchstem Niveau. Dynamo siegte 3:1, weil es noch ausgeglichener, noch disziplinierter spielte als die Davoser. Es war ein Spiel, das jeden Trainer begeistert, aber den Fan ein wenig ratlos zurückgelassen hat: Ein Hallejulja für die Trainer, aber nicht für die Fans.
Völkerverständigung auf dem Eis
Und da ist noch etwas: Der Spengler Cup war erneut ein friedliches Sportfest. Es gibt im Mannschaftssport weltweit keinen vergleichbaren Anlass: Das Stadion voll und nie die geringsten Sicherheitsprobleme. Die Ordnungskräfte sind nur da, um den Weg zur nächsten Toilette oder zum richtigen Eingang zu weisen. Dr. Carl Spengler hat 1923 dieses Turnier gegründet, um die nach dem 1. Weltkrieg verfeindeten Völker zu versöhnen. Dieses Erbe lebt heute noch und ist wertvoller denn je: Der Spengler Cup vereint in Zeiten, da Hoolingas und Chaoten die Hockey- und Fussballkultur bedrohen, die Fans bei einem friedlichen Sportfest. Daran sollten die unqualifizierten Spengler-Cup-Kritiker aus dem Unterland hin und wieder auch denken.
Der neue Modus
Der Spengler Cup 2009 verändert sich und wird 2010 mit neuem Modus und neu mit sechs statt fünf Teams gespielt. OK-Chef Fredy Pargätzi hat ein feines Gespür für die Strömungen der Zeit und positioniert sein Turnier mit bemerkenswertem diplomatischem Geschick im internationalen Sportbusiness neu. Die Diskussionen, wer das 6. Team sein wird, ob eines aus der Schweiz oder ob das Turnier ein Champions-League-Ersatz wird, halten an.
Die Zukunft des Turniers ist gesichert. Verrückt ist: Gefahr droht einem der ungewöhnlichsten und besten Sportanlässe der Welt nur von den Neidern im eigenen Lager. Von unqualifizierten Kritikern im Unterland und von neiderfüllten Funktionären der anderen NLA-Klubs. Das alljährliche Gebell der Kritiker verhallt indes ohne Wirkung: Die Generäle der Nationalliga, des Verbandes, ja sogar des internationalen Eishockeyverbandes sind sich bewusst, welchen unbezahlbaren Wert der Spengler Cup für die Eishockeykultur hat.
Die Hunde bellen, die Spengler-Cup-Karawane zieht weiter. Einer verheissungsvollen Zukunft entgegen.




























