«Time-out»

12. Dezember 2012 16:05; Akt: 12.12.2012 18:05 Print

Köbi Kölliker und das Krueger-Prinzip

von Klaus Zaugg - Happige Aufgabe für Langnaus Sportchef Jakob Kölliker: Er muss sein Team ohne Geld verstärken. Klappen soll es mit dem Prinzip eines ehemaligen Schweizer Nationaltrainers.

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Langnaus Sportchef Jakob Kölliker steht vor der Herkules-Aufgabe, aus einer verlotterten Mannschaft, die im Laufe dieser Saison bis ans Tabellenende durchgereicht worden ist, in drei Jahren ein Team zu machen, das regelmässig die Playoffs erreichen kann. Die Zielsetzung ist formuliert. Er sagt: «Wir wollen in der Saison 2015/16 ein Playoff-Team sein.»

Selbst wenn Jakob Kölliker eine volle Kriegskasse hätte, so wäre es nicht einfach, die SCL Tigers in drei Jahren auf Playoff-Stärke aufzurüsten. Langnaus Sportchef sagt: «Unser Budget bleibt vorerst unverändert. Wir können in der nächsten Saison nicht mehr Geld ausgeben als in der vergangenen Saison.»

Auf den Spuren eines ehemaligen Nati-Trainers

Hier kommt sein Krueger-Prinzip ins Spiel. Ralph Krueger hat im Herbst 1997 eine Nationalmannschaft übernommen, die noch weiter von den WM-Viertelfinals entfernt war als die Langnauer heute von den Playoffs. Und doch schaffte er bereits 1998 das Halbfinale und später regelmässig das Viertelfinale.

Ralph Krueger hatte keine Weltklassespieler zur Verfügung. Die Schweizer waren damals im Vergleich zu den Besten der Welt meist hüftsteife Haudegen und nur auf der Goalie-Position erstklassig besetzt. Inzwischen haben mehrere Feldspieler den Sprung in die NHL geschafft. Aber noch immer gibt es technisch-läuferisch eine Differenz zu den Besten der Welt.

Das Spiel ohne Scheibe

Ralph Krueger löste das Problem, indem er nicht mehr die individuell besten Spieler in die Nationalmannschaft holte. Vielmehr spezialisierte er sich auf Rollenspieler. Weil wir die Einzelspieler nicht haben, die sich gegen die Besten der Welt durchsetzen können, baute er ein Kollektiv, in dem jeder eine ganz bestimmte Rolle zu erfüllen hatte. So entwickelte er die taktisch beste Nationalmannschaft der Welt.

Wir hatten oft nicht einen einzigen Feldspieler, der bei den besten sechs Teams einer WM einen Platz bekommen hätte – und doch gelang es immer wieder, uns gegen diese Teams zu behaupten. Weil jeder Spieler fähig war, eine ganz bestimmte Aufgabe zu übernehmen. Mit der Scheibe konnte Krueger die Schweizer nicht besser machen – aber im Spiel ohne Scheibe. Als Assistent hat Köbi Kölliker diese Methode – eben das Krueger-Prinzip – von Grund auf kennengelernt.

Die Suche nach den Rollenspielern

Nun erklärt er seine Strategie im Emmental so: «Wir müssen zuerst ganz genau wissen, welche Spieler wir brauchen, um unsere Mannschaft besser zu machen. Es ist wie damals bei der Nationalmannschaft unter Ralph Krueger. Wir hatten nicht die Weltklassespieler, die in der Nationalmannschaft jede Rolle übernehmen konnten. Aber wir hatten Spieler für bestimmten Aufgaben. Wir haben in Langnau nicht die Mittel, um einen kompletten Schweizer Spieler einzukaufen, der jede gewünschte Rolle sofort spielen kann. Aber wir können die Spieler finden, die eine bestimmte Rolle übernehmen können. So ist es möglich, mit den richtigen Rollenspielern und ohne Stars eine starke Mannschaft zu formen.»

Das macht Köbis Aufgabe so anspruchsvoll: Er muss die Bedürfnisse der eigenen Mannschaft ganz genau kennen. Er muss wissen, welchen Rollenspieler dieses Team braucht – und dann diesen Spieler finden und davon überzeugen, nach Langnau zu kommen. Er sagt, für die Verpflichtung oder Vertragsverlängerung eines Spielers seien in Langnau wohl um die 30 Gespräche notwendig und manchmal komme es auch nach 40 Telefonaten und Sitzungen nicht zu einer Einigung.

Rumpelfaktor in der Abwehr

Obwohl die Langnauer heute doppelt so viel Geld ausgeben können wie nach dem Aufstieg vor zwölf Jahren, sind sie finanziell im Vergleich zur Konkurrenz keinen Schritt weiter. Was bedeutet: Die SCL Tigers haben nur eine Chance, wenn sie härter arbeiten und schlauer sind als die Konkurrenz. Jakob Kölliker muss besser sein als seine Berufskollegen Sven Leuenberger (Bern), André Rötheli (Kloten), Roland Habisreutinger (Lugano) oder Edgar Salis (ZSC).

Bereits in dieser Woche zeigen sich die ersten Umrisse des Krueger-Prinzips. Es hilft Köbi Kölliker, dass er als U20-Nationaltrainer während zehn Jahren eine ganze Spielergeneration kennengelernt hat. Aus Kloten hat er für nächste Saison Verteidiger Nicolas Steiner (21) geholt. Steiner hat die Postur (182 cm, 93 kg), um den Rumpelfaktor der Abwehr zu erhöhen und dafür zu sorgen, dass die Langnauer in der eigenen Zone nicht mehr ständig herumgeschubst werden.

Stürmer-Rolex gefunden?

Für die Offensive hat Langnaus Sportchef bereits den SCB-Stürmer Caryl Neuenschwander (28) für nächste Saison verpflichtet. Ein Rumpelstürmer mit hölzernen Händen und Füssen, der in 50 Spielen vielleicht 2 Tore macht. Aber mit der Postur (181 cm, 93 kg), um auf den Aussenbahnen für mehr Wasserverdrängung zu sorgen. Aus La Chaux-de-Fonds kommt per sofort probehalber Verteidiger Sami El Assaoui (21). Er produziert in der NLB mehr als einen halben Punkt pro Spiel. Dafür wird im Tausch der Versager Martin Stettler (28) nach La Chaux-de-Fonds abgeschoben, vorübergehend. Er hat diese Saison in Langnau bloss einen Skorerpunkt erzielt.

Und schliesslich wird Arnaud Montandon (21) getestet – vielleicht ist er von der Konkurrenz (in Fribourg und Bern) einfach übersehen und falsch eingeschätzt worden. Wenn es so ist, dann hat Langnaus Sportchef auf dem Transferwühltisch eine Stürmer-Rolex gefunden. Er muss ja, um den Ligaerhalt zu sichern, auch per sofort bei den Schweizern nachrüsten. Um offensiv weiterzukommen, brauchen die Langnauer aber auf nächste Saison vor allem einen abschlussstarken Knipser. Im Idealfall gelingt es, Daniel Steiner (32) aus Lugano zurückzuholen. In Lugano sind die Chancen, Meister zu werden, ja nicht viel grösser als im Emmental.

Wer ersetzt den geschassten Fust?

Der spannendste Teil bei der Umsetzung des Krueger-Prinzips ist die Besetzung des Trainerpostens: Jakob Kölliker braucht einen charismatischen, sturen System-Trainer. Also einen wie Ralph Krueger. Eigentlich wäre John Fust ein solcher. Während Krueger eine schwere Krise (2001 bis 2003) im Amt überstanden hat (weil sich der Verband seine Entlassung bei einem Vertrag bis 2006 nicht leisten konnte), kostete Fust die erste schwere Krise den Job. Er hatte, wie Krueger (WM-Halbfinal 1998), im ersten Amtsjahr Erfolg (Playoffs 2011) – doch seither hat er ganz einfach zu viele Partien und damit die Vertrauensbasis verloren.

Deshalb hat Langnaus Sportchef nun die Aufgabe, für nächste Saison einen neuen Bandenchef zu finden – es sei denn, Alex Reinhard wird zur Rolex auf dem Trainer-Wühltisch. Keine einfache Aufgabe. Denn Kölliker hat nicht viel mehr anzubieten als Schweiss, Niederlagen und Playouts. Einen renommierten Trainer bekommt er unter diesen Voraussetzungen auch im neuen Tempel nicht. Aber vielleicht gelingt es ihm, einen guten NLB-Cheftrainer nach Langnau zu locken – beispielsweise einen System-Trainer wie Langenthals Heinz Ehlers.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • James Vonlanthen am 12.12.2012 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    IF 09!

    Momentan genügen lediglich etwa drei Spieler bei den Tigers NLA-Anforderungen...das wird happig bis unmöglich...Mal schaun!

  • Stifu am 12.12.2012 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SCL Tigers

    Kölliker wird es schaffen, da bin ich mir sicher. Es gibt nicht viele die eine so grosse Ahnung von Eishockey haben wie er.

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  • Rene am 12.12.2012 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Fust System-Trainer?

    Ich finde nicht das Fust ein guter System-Trainer ist. Fust hatte in Langnau immer dan Erfolg wenn einer oder mehrere Spieler überdurchschnittlich gute Phasen hatten (S. Moser, Pelletier, Reber, Haas, Conz, Moggis etc.). Im Moment ist Langnau viel zu sehr von überdurchschnittlichen Spielerleistungen abhängig, aber von Kompaktheit, und Defemsivsystem ist wenig bis nichts zu sehen. Eine Mannschaft die ein klares System hat lässt sich doch nicht so oft einfach demütigen. Auch die Tatsache das es Fust nich gelungen ist die frühen Gegentore abzustellen sprechen nicht gerade für sein gutes System

Die neusten Leser-Kommentare

  • FlSchmutz am 13.12.2012 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    Firbourg in derselben Situation

    Fribourg-Gotteron war anfang letzter Saision in der Gleichen Situation. Jeder sagte Hans Kossmann könnte auf NLA Niveau nicht bestehen, doch man siehe jetzt: Fribourg spielte die beiden besten Saisons seit dem russischen geschwader choumotov und bykow.

    • Lecavalier am 13.12.2012 11:07 Report Diesen Beitrag melden

      Kaum vergleichbar

      Ist jetzt wohl eher ein Scherz oder? Sie können doch Gottéron, mittlerweile eine der teuersten Mannschaften in der CH, doch nicht mit den darbenden Langnauern vergleichen! Da müssten sie etwas weiter zurückblicken in die Gottéron-Vergangenheit, als es noch jede 2e Saison hiess "Sauvez Gottéron" und man ebenfalls kein Geld hatte, um wirklich gute Spieler zu beschäftigen.

    • Hr. Clevaz am 13.12.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

      paar Millionen unterschied dann doch...

      OK, Trainervergelich geht ja noch gerade... aber hier reden wir von 2 total unterschiedlichen Mannschaften/Kadern. Wenn man mit einem so teuren Kader wie diesem von HCFG nicht oben mitspielen kann, dann ist der Trainer sehr schnell ein Thema. H.K. brauchte einfach seine Zeit, und die hat man ihm gelassen, was im nachhinein gut war. Bei Langnau sieht das aber ein wenig anders aus, und ich finde KZ hat das gut beschrieben mit dem Vergleich Nati/Krüger.

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  • Rene am 12.12.2012 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Fust System-Trainer?

    Ich finde nicht das Fust ein guter System-Trainer ist. Fust hatte in Langnau immer dan Erfolg wenn einer oder mehrere Spieler überdurchschnittlich gute Phasen hatten (S. Moser, Pelletier, Reber, Haas, Conz, Moggis etc.). Im Moment ist Langnau viel zu sehr von überdurchschnittlichen Spielerleistungen abhängig, aber von Kompaktheit, und Defemsivsystem ist wenig bis nichts zu sehen. Eine Mannschaft die ein klares System hat lässt sich doch nicht so oft einfach demütigen. Auch die Tatsache das es Fust nich gelungen ist die frühen Gegentore abzustellen sprechen nicht gerade für sein gutes System

  • Dani Müllerer am 12.12.2012 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logik...

    Neuenachwander (Stürmer) ist Zauggs Held mit 2 Skorerpunkten pro Saison während Stettler ein Versager ist weil er (Verteidiger!) bisher (erst halbe Saison gespielt!) erst einen Skorerpunkt erzielt hat... Haupsache etwas über Langnau geschrieben..

  • Loris Schär am 12.12.2012 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffe auf Fige. Wer sagt das wir in die LQ kommen?

    Ich hoffe nicht das Heinz Ehlers, wenn schon Fige Hollenstein Langnau übernimmt. Wir werden auch diese Krise schaffen. Absteigen werden wir auch nicht, wenn Lausanne in der Ligaquali wäre. Und wer sagt denn das Langnau in der Ligaquali spielt? Abwarten und Tee trinken.

  • richu am 12.12.2012 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Neunschwander besser als sein Ruf?

    Neuenschwander hölzerne Hände? Er hat in den Jahren 07 - 10 immer 20 oder mehr Punkte erzielt. Neuenschwander hat gezeigt das er mit den richtigen Mitspielern durchaus Skorerqualitäten hat, er ist auch ein Spieler der dahin geht wo es weh tut. Aber in der vierten Linie vom SCB fehlen im unter umständen auch einfach die Kreativen Spieler welche mit der Scheibe bis vors gegnerische Tor kommen.

    • fred s. am 12.12.2012 18:47 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz einverstanden

      Diese Saison hat er neben Rüthemann und Plüss, immerhin beides Nati- Stürmer, nicht sonderlich viel gezeigt. Man hatte stets das Gefühl Neuenschwander laufe dem Spiel zu sehr hinterher anstatt es zu bestimmen. Meiner Meinung nach kann er im Emmental mehr bewirken als in Bern.

    • Duc... am 12.12.2012 19:46 Report Diesen Beitrag melden

      4. Linie?

      Caryl Neuenschwander wird beim SCB meist neben Ivo Rüthemann und Martin Plüss eingesetzt. Bessere Mitspieler wird er in Langnau kaum haben.

    • Lecavalier am 13.12.2012 00:07 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt fast...

      Die Aussage hätte beinahe Hand und Fuss, würde Neuenschwander nicht meistens mit Plüss und Rüthemann in der 2en Linie agieren. Aber Neuenschwander macht seine Sache gut, und für die technische Filigranarbeit hat man ihn sowieso nicht nach Bern geholt.

    • Dr. Acula am 13.12.2012 09:30 Report Diesen Beitrag melden

      nicht besser

      so ein schwachsinn Richu! der Cärryll spielt IMMER neben Plüss und Rüthemann, nur so vonwegen 4te Linie und Mitspieler die "nichts" können. Aber Caryl hatte nicht nur schlechte Werte beim SCB, aber seit 2 Saisons ist er Skorermässig unterirdisch. Einsatz und Körperspiel stimmen aber bei Neuenschwander nach wie vor. Ich denke für SCL könnte er durchaus eine gute Ergänzung sein.

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