«Time-out»

08. Oktober 2012 19:22; Akt: 08.10.2012 19:22 Print

Zwischen «Prostitution» und Business

von Klaus Zaugg - Hätten die ZSC Lions das «unmoralische Angebot» um Sidney Crosby angenommen, wäre die Liga gefragt gewesen. Nur so kann die «Prostituierte» Sport ihre Keuschheit bewahren.

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Arthur Ashe Stadium, New York (USA). Fassungsvermögen: 23'200. 8. Januar 2012: Wachovia Center, Philadelphia (USA), Adirondack Phantoms gegen Hershey Bears: 45'653 Zuschauer. 1978: Luisiana Superdome, New Orleans (USA), WM-Kampf Muhammad Ali gegen Leon Spinks. Zuschauerzahl: 63'315. (Bild vom Kampf in Las Vegas 1978) Januar 2012: Wengen, alle drei Renntage zusammen: Über 66'000 Zuschauer. 26. Juni 2011: Berliner Olympiastadion, Berlin (Deutschland), WM-Eröffnungsspiel Deutschland - Kanada. Zuschauerzahl: 73'680. 7. Mai 2010: SchalkeArena, Gelsenkirchen (Deutschland), WM-Auftaktsspiel USA - Deutschland. Zuschauerzahl: 77'803. Signal Iduna Park, Dortmund (Deutschland). Heimspielschnitt in der Saison 2011/2012: 80'516. 10. Juli 1999: Rose Bowl, Los Angeles (USA): WM-Final USA - China: 90'185 Zuschauer. 6. Oktober 1959: Los Angeles Memorial Coliseum (USA), World Series Spiel 6, Los Angeles Dodgers - Chicago White Sox. Zuschauerzahl: 92'706. (Bild von 2008) Jährlich im Januar: Weltcup-Station Kitzbühel (Österreich). Gesamtzahl der drei Renntage: 100'000 Zuschauer. 20. Januar 1980: Rose Bowl Stadium, Kalifornien (USA). Super Bowl XIV, Los Angeles Rams - Pittsburgh Steelers. Zuschauerzahl: 103'985. 2010: NBA All-Star-Game, Cowboys Stadium, Dallas (USA). Zuschauerzahl: 108'713. 2000: Olympisches Stadion, Sydney (Australien), Neuseeland - Australien. Zuschauerzahl: 109'874. (Bild von Olympia-Eröffnungsfeier) 11. Dezember 2010: Michigan Stadion von Ann Arbour (USA), Michigan - Michigan State: 113'411 Zuschauer. Grand Final 1970 im MCG, Melbourne (Australien), Carlton - Collingwood. Zuschauerzahl: 121'696. 2008: Los Angeles Memorial Coliseum (USA), Exhibition Game, Los Angeles Dodgers - Boston Red Sox. Zuschauerzahl: 115'300. (Bild von 2008) 20. Februar 1993: Aztekenstadion, Mexico City (Mexiko). WBC Light Welterweight WM-Kampf, Julio Cesar Chavez gegen Greg Haugen: 136'274 Zuschauer. 17. April 1937: Hampden Park, Glasgow (Schottland), England - Schottland. Zuschauerzahl: 149'415 (inoffizielle Angaben sind noch grösser). Februar 2008: FBR Open Golf Torunament in Scotasdale Arizona (USA). Zuschauerzahl: 170'802. 1950: Maracana, Rio de Janeiro (Brasilien), letztes Spiel der WM-Finalrunde Brasilien - Uruguay. Zuschauerzahl: 173'850 (inoffizielle Zählungen sprechen von 199'854 Zuschauern) 29. April 1995: Stadion des 1. Mai, Pjöngjang (Nordkorea), «International Peace Festival» u.a. mit Ric Flair: 190'000 Zuschauer. Jährlich im Indianapolis Motor Speedway (USA). Zuschauerzahl: bis zu 400'000, aktuelles Permanentes Sitzplatzfassungsvermögen: 257'000. 17. Juli 2011: Sachsenring (Deutschland), GP von Deutschland (3 Tage). Zuschauerzahl: 230'133. 1950: Indianapolis Motor Speedway (USA), GP der USA in Indianapolis. Ca. 400'000 Zuschauer. (Bild vom GP der USA 2000) Etappe auf die Alpe d'Huez, Tour de France (Frankreich). Zuschauerzahl: Ca. 500'000. Eden Gardens, Kolkatta (Indien). Fassungsvermögen: 120'000 Zuschauer. Nakayama Racecourse in Chiba bei Tokio (Japan). Stadionkapazität: 166'000 Zuschauer. GP von China in Schanghai. Zuschauerkapazität: 200'000. Strahov Stadion, Prag (Tschechien). Fassungsvermögen: 220'000. Tokyo Racecourse in Tokio (Japan). Stadionkapazität: 223'000 Zuschauer. Ca. 100 n.C.: Circus Maximus im alten Rom: Fassungsvermögen: 300'000.

Zuschauerrekorde im Sport.

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Das global operierende kanadische Fremdgeh-Portal «AshleyMadison.com» wollte den ZSC Lions den Transfer von Sidney Crosby finanzieren und dafür 600 000 Franken ausgeben. Die Zürcher haben abgelehnt, die kanadischen «Fremdgeher» suchen nun einen neuen Klub für ihre Werbeaktivitäten (20 Minuten Online berichtete). Ist es richtig, dass die ZSC Lions dieses unmoralische Angebot abgelehnt haben? Auf der Suche nach einer Antwort lohnt sich ein kurzer historisch-philosophischer Exkurs.

Die Gründerväter des Sportes würden sich heute entsetzen. Die Sportverbände, Sportunternehmer und Sportler nehmen Geld, wo sie es nur kriegen können. Von Gönnern, die mal Ganoven und mal Ehrenmänner sind. Weisses und schwarzes Geld. Von Staat, von Werbern, von TV-Stationen. Der Sport trägt im 21. Jahrhundert seine Haut für fast alles zu Markte. Das Milliardenbusiness Sport ist, ganz sachlich betrachtet, Prostitution. Der Ausdruck kommt ja vom lateinischen «prostituere» und steht für «zur Schau stellen» und «preisgeben».

Die USA und ihre Doppelmoral

Der Welterfolg der «Prostituierten» Sport liegt in der Fähigkeit, glaubhaft so zu tun, als sei man zwar nicht mehr die Unschuld vom Lande, aber dabei immer keusch geblieben. Verliert der Sport diese Keuschheit, ist er verloren. Es ist kein Zufall, dass die Kapitalisierung des Sportes nirgendwo so gut gelungen ist wie in den USA. Weil dort die Doppelmoral zur Gesellschaft gehört: Die Pornoindustrie erzielt höhere Umsätze als Hollywood, aber wenn bei der Pausenshow beim Superbowl eine Brustspitze sichtbar wird, braust ein Sturm der Empörung durchs Land.

Noch 1972 wurde Skiweltstar Karl Schranz vom amerikanischen IOC-Präsidenten Avery Brundage von den Olympischen Spielen in Sapporo wegen Verstoss gegen das Werbeverbot ausgeschlossen. Schranz hatte bei einem Wohltätigkeits-Fussballspiel ein T-Shirt mit einem Kaffe-Marken-Logo getragen.

Werbeverbot bis in die 70er

Bis in die 70er-Jahre gab es ein absolutes Werbeverbot im Eishockey und noch in den 80er-Jahren überdeckte die Fachzeitung «Sport» auf Fussballfotos die auf den Trikots sichtbaren Werbelogos mit einem schwarzen Balken. Heute sind die Olympischen Helden die bestvermarktenden Sportler der Welt und Werbung gibt es auf Banden und auf dem Eis, auf Rennautos und Töffs, an Video-Würfeln und an den Wänden, auf Trikots und Hosen und die besten Preise werden für die Werbebanden im Schwenkbereich der TV-Kameras erzielt. Es gibt eigentlich nur noch zwei werbefreie Zonen: Die Arena beim Eidgenössischen Schwingfest und der Central Court in Wimbledon.

Und doch ist der Sport in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend eine heile Welt geblieben. Probleme rund um den Sport (Gewalt, Doping) gelten als Probleme der Gesellschaft. Der Sport selber gilt als wahr und klar, die Regeln sind für jedermann verständlich und am Ende gewinnt der Bessere. Fehlentscheide der Schiedsrichter und Fehlurteile der Funktionäre sind sofort sichtbar und werden als Bestandteil des Sportes und Würze der Unterhaltungskultur akzeptiert.

Fremdgeh-Portal blitzt überall ab

Die «Prostituierte» Sport hat es also geschafft, ihre Keuschheit zu bewahren. Weil eine feine Trennlinie nach wie vor nicht überschritten wird. Das Publikum hat zeitweise selbst Werbung für Zigaretten und Schnaps toleriert. Aber das Publikum wird es nicht verzeihen, wenn der Sport auf einmal Botschaften transportiert, die direkt eine moralische, politische oder religiöse Überzeugung tangieren. Die meisten Sportverbände und Ligen haben entsprechende Werbeverbote in ihren Gesetzen. Bezeichnenderweise sind die kanadischen «Fremdgeher» bis heute bei allen Werbe-Versuchen im Sport abgeblitzt. In Amerika und in Europa.

Auf den ersten Blick ist die Werbung für ein Fremdgeh-Portal im Internet im 21. Jahrhundert eine lässliche Sünde. Aber Werbung bedeutet immer auch Identifikation mit der Werbebotschaft. Ein Sportunternehmen wie die ZSC Lions kann es sich ganz einfach nicht leisten, sich mit einem Fremdgeh-Portal ins gleiche Bett zu legen. Und die Liga auch nicht. Die Zürcher würden den Stallgeruch der Unanständigkeit auf Jahre hinaus nicht mehr aus den Kleidern bringen und dadurch andere Werbekunden verschrecken. Selbst wenn die ZSC Lions das «unmoralische Angebot» angenommen hätten - die Liga hätte den Deal verbieten müssen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Matt am 09.10.2012 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei

    Die Grenze scheint ein bisschen willkürlich. Erotik Markt Bandenwerbung ist erlaubt aber ein Datingportal darf keine Werbung machen. Die meisten Sportlern sind auch keine Kinder der Traurigkeit. Und ich denke die Z Fans hätten gar keine Probleme mit einem Sponsor aus dem Erotikbereich. Aber in der Halle gibt es auch Leute die glauben es werde dort nicht geflucht.

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  • Hsns Peter am 09.10.2012 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Crosby sagt Nein!

    Auch wenn das Portal noch einen Verein finden sollte und es die Liga akzeptieren würde, käme es auf keinen Fall zu einem Vertragsabschluss. Crosby würde nie für ein solches Schmudelunternehmen werben. Wiso fragt ihr nicht einfach mal bei Sid nach, was er davon hält dass sein Name mit diesem Unternehmen in Verbindung gebracht wird?

  • hans am 09.10.2012 06:21 Report Diesen Beitrag melden

    Fremdgeh-Portal

    Ich bin auch froh, dass der Deal nicht zustande gekommenist, aber die Liga hätte den Deal verbieten müssen, entspricht jeder Grundlage, wenn gleichzeitig die Liga zuschaut wie auf höchster Klubebene betrogen wird. Einseitige Doppelmoral.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sid am 09.10.2012 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Ich bin überzeugt, dass Crosby keine Ahnung hat, dass sein Name mit einem Schmudelunternehmen in Verbindung gebracht wird. Wenn er es wüsste, hätte er schon längst Stellung dazu bezogen. Diese Geschichte ist so lächerlich, dass sie es weder nach Canada noch in die USA geschaft hat.

  • Hsns Peter am 09.10.2012 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Crosby sagt Nein!

    Auch wenn das Portal noch einen Verein finden sollte und es die Liga akzeptieren würde, käme es auf keinen Fall zu einem Vertragsabschluss. Crosby würde nie für ein solches Schmudelunternehmen werben. Wiso fragt ihr nicht einfach mal bei Sid nach, was er davon hält dass sein Name mit diesem Unternehmen in Verbindung gebracht wird?

  • nixi am 09.10.2012 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Werbeplattform

    Nun ja, sie haben ja schon "unentgeltlich" Werbung in der ganzen Schweiz gekriegt,......

  • Matt am 09.10.2012 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei

    Die Grenze scheint ein bisschen willkürlich. Erotik Markt Bandenwerbung ist erlaubt aber ein Datingportal darf keine Werbung machen. Die meisten Sportlern sind auch keine Kinder der Traurigkeit. Und ich denke die Z Fans hätten gar keine Probleme mit einem Sponsor aus dem Erotikbereich. Aber in der Halle gibt es auch Leute die glauben es werde dort nicht geflucht.

    • Zürcherin1930 am 09.10.2012 10:44 Report Diesen Beitrag melden

      stimmt nicht

      Ähm hier geht es nicht um eine Dating-Firma, das wäre ja noch okay gewesen. Es geht bewusst um ein Fremdgehportal, das ist ja wohl was anderes. Ich als ZSC-Fan bin froh dass der Deal nicht zustande gekommen ist, obwohl ich denke Crosby hätte gar nicht eingewilligt. Dass die Liga das verbieten sollte, finde ich nicht korrekt, solange Clubs wie Kloten und Davos riesige Schulden haben und trotzdem NHL-Stars (ich weiss extern finanziert) verpflichten dürfen!!!!

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  • hans am 09.10.2012 06:21 Report Diesen Beitrag melden

    Fremdgeh-Portal

    Ich bin auch froh, dass der Deal nicht zustande gekommenist, aber die Liga hätte den Deal verbieten müssen, entspricht jeder Grundlage, wenn gleichzeitig die Liga zuschaut wie auf höchster Klubebene betrogen wird. Einseitige Doppelmoral.

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