«Time-out»

11. Februar 2013 10:16; Akt: 11.02.2013 11:10 Print

Nino Niederreiter braucht Damien Brunners Glück

von Klaus Zaugg, New York - Der Sonntag hat gezeigt, wie die NHL funktioniert: Damien Brunner (26) hat eine Chance und nützt sie. Nino Niederreiter (20) hat keine.

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(*1977), Verteidiger, New York Islanders. Wegweisende Saison. Seine Islanders träumen von den Playoffs und der 35-Jährige spielt um seinen nächsten und womöglich letzten grossen NHL-Vertrag. (*1986), Stürmer, Detroit Red Wings. Der rote Teppich ist für den Quereinsteiger in der ersten Linie neben Zetterberg und Datsjuk ausgelegt. Kann der NLA-Topskorer tatsächlich auf Anhieb in der NHL durchstarten? (*1982), Torhüter, Anaheim Ducks. Nach seinen gesundheitlichen Problemen 2011 kam ihm der Lockout als zusätzliche Ruhephase wohl nicht ungelegen. Als Einziger der Schweizer sammelte der Goalie währenddessen jedoch keine Matchpraxis. Umso wichtiger, dass er nun rasch zu seiner Form findet. (*1990), Verteidiger, Anaheim Ducks. Ein dankbarer Rollenspieler. Der Zuger wird es geniessen, zurück auf dem kleineren Eis zu sein, wo das Timing für seine Checks wieder stimmt. (*1988), Verteidiger, Montreal Canadiens. War zuletzt bei den Canadiens oft Jongliermasse. Er muss daher nun seine in der NLA erspielte Form für einen besseren Status nutzen. (l., *1986), Verteidiger, Montreal Canadiens. In der NLA war er während des Lockouts sogar besser als Streit. Und eigentlich zweifelt niemand daran, dass er sich nun als Top-4-Verteidiger behauptet. (*1990), Verteidiger, Nashville Predators. Nach dem Abgang von Star-Verteidiger Suter gibt es für den Berner ein Upgrade. Eine Riesenchance, um zu einem der Schlüsselspieler des Teams zu werden. (*1992), linker Flügel, Calgary Flames. Der 20-Jährige ist die grösste Hoffnung der Organisation. Und hat mit ZSC-Meistertrainer Hartley einen Coach, der es versteht, Junge zu fördern. (*1992), Stürmer, New York Islanders. Der Schock für Niederreiter kam am 13. Januar: Er darf nicht ins Trainingscamp der Islanders, sondern muss beim Farmteam Bridgeport in der AHL bleiben. Dort ist der 20-jährige Bündner einer der erfolgreichsten Skorer.

Die Schweizer in der NHL 2012/2013.

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Damien Brunner erzielt in Detroit beim 3:2 gegen Los Angeles sein sechstes Saisontor. Am gleichen Tag darf Nino Niederreiter nicht einmal spielen. Die Partie in Bridgeport gegen Worcester wird ein paar Stunden vor Spielbeginn abgesagt. Der Schnee hat das Leben in der Stadt (150'000 Einwohner) knapp 100 Kilometer nördlich von Manhattan lahmgelegt. Bei uns würde die gleiche Schneemenge nicht einmal für Aufsehen sorgen. Aber hier schert sich der Staat nicht um Schneeräumung. Es fahren weder Taxis noch Busse noch Regionalzüge. Niemanden kümmert es, wenn eine AHL-Partie kurzfristig verschoben wird.

Umfrage
Schafft Nino Niederreiter den Durchbruch in der NHL noch?
14 %
64 %
22 %
Insgesamt 1728 Teilnehmer

Wenn Nino Niederreiter von seinem Appartement unweit Bridgeport übers Meer blickt, dann sieht er am Horizont auf der anderen Seite des Long Island Sound die Küste von Long Island. Dort drüben bei den Islanders sollte er eigentlich jetzt auch in der gleichen Liga spielen wie Damien Brunner. Aber er ist der NHL so fern wie die Küstenlinie von Long Island.

Eigentlich vergleichbare Spielertypen

Dabei sind Brunner und Niederreiter durchaus vergleichbare Spielertypen. Niederreiter war auch einmal so unbekümmert, frech und stark im Abschluss wie Brunner. Aber das Schicksal der beiden zeigt, wie die NHL funktioniert. Und wie gnadenlos dieses Business ist.

Für die, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind und eine Chance bekommen und diese Chance packen, öffnen sich atemberaubende Karriere-Dimensionen. Für die, die zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sind und keine Chance bekommen, kann eine Karriere für immer knicken. Alle Spieler der Welt wollen in eine einzige Liga, in die NHL. Niemand fragt nach jenen, die Pech hatten. Weil es nicht notwendig ist. Der nächste steht ja schon da.

Brunners Glück, Niederreiters Pech

Damien Brunner war auch einmal in der gleichen Situation wie Nino Niederreiter. Er kam in Kloten einfach nicht über die dritte und vierte Linie hinaus. Wie Nino Niederreiter letzte Saison bei den Islanders. In einem Tauschgeschäft wechselte Damien Brunner nach Zug – und nun begann seine Karriere. Er bekam in Zug seine Chance und nützte sie. Er hatte in Kloten als Hinterbänkler in 50 Spielen 7 Punkte gebucht. In Zug stürmte er endlich im ersten Block und schaffte auf Anhieb 26 Punkte in 35 Spielen. In Zug spielte er diese Saison neben Henrik Zetterberg, dem Captain der Detroit Red Wings. Er hatte deshalb den bestmöglichen Fürsprecher, als er nach Detroit kam. Er durfte im ersten Sturm beginnen und gleich Powerplay spielen. Nie zuvor hatte ein Schweizer beim Einstieg in die NHL so gute Voraussetzungen. Damien Brunner hat diese Chance genutzt.

Nino Niederreiter könnte bei den Islanders an der Seite von John Tavares eine ähnliche Rolle spielen wie Brunner in Detroit neben Zetterberg. Aber Verletzungspech führte dazu, dass er beim NHL-Saisonstart im Herbst 2011 nicht bereit war. Die Rückkehr ist ihm seither nicht mehr gelungen und er hat keine Chance in der ersten Formation bekommen. Er musste hinten anstehen. In der dritten und meistens in der vierten Linie.

Spieler wie Brunner in der dritten oder vierten Linie verloren

Die NHL-Teams sind viel hierarchischer strukturiert als in der NLA. Der regelmässige Einsatz von vier Reihen mit gut verteilter Eiszeit gibt es hier nur in absoluten Ausnahmefällen. Wer im ersten und zweiten Sturm seinen Platz hat, bekommt fast doppelt so viel oder noch mehr Eiszeit als die Hinterbänkler. Nino Niederreiter kam letzte Saison auf durchschnittlich 10 Minuten und 6 Sekunden. Damien Brunner steht jetzt schon bei 17 Minuten und 26 Sekunden. Und es macht einen himmelweiten Unterschied, ob diese Eiszeit mit den besten Offensivspielern oder mit den Defensivsoldaten des dritten oder vierten Blocks verbracht wird. Und wenn es nicht läuft wie bei den Islanders, dann wird es noch schlimmer. Dann bekommen nicht die Nobodys oder die Jungen eine Chance. Dann werden die Stars und Routiniers noch stärker forciert.

Kreative Spieler und Skorer wie Damien Brunner oder Nino Niederreiter sind in der NHL im dritten oder vierten Block verloren. Brunner wäre bei den Islanders unter den gleichen Umständen nicht weiter gekommen als Niederreiter.

Niederreiters Leistungen interessieren nicht

Diese Saison spielt Nino Niederreiter nicht einmal mehr in der NHL. Er verbringt seine Zeit im Farmteam bei Bridgeport in der AHL. Dort ist er zwar ein Teamleader und hat in 44 Spielen schon 37 Punkte produziert. Aber es ist eine Liga, die niemanden kümmert. Und statt 900'000 Dollar verdient er bloss 67'500 Dollar pro Saison.

Nino Niederreiters Agent Andy Rufener hat die New York Islanders um einen Transfer in ein anderes NHL-Team gebeten. Zu einem Team, das ihm eine Chance gibt. Es ist nicht anzunehmen, dass diesem Gesuch entsprochen wird. Damien Brunner hatte in einer ähnlichen Situation mehr Glück. Kloten, das nicht an ihn glaubte und für ihn keine Verwendung hatte, liess ihn damals im Herbst 2008 nach Zug gehen. Zu einem Trainer, der auf ihn setzte.

Nino Niederreiter ist erst 20. Er kann es immer noch schaffen. Aber um aus dem trostlosen Bridgeport herauszukommen, braucht er mindestens halb so viel Glück wie Damien Brunner.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PensFan am 11.02.2013 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Lernzprozess

    Ich finde es gar nicht schlecht, dass Niederreiter in der AHL spielen muss. Tavares ist ein ganz anderes Kaliber als Niederreiter und der hat seine Chance in der ersten Linie bekommen und auch gepackt. Obwohl ich die Qualitäten von Niederreiter durchaus zu schätzen weiss, ist es für ihn wahrscheinlich nicht einmal schlecht, wenn er in der AHL Spielpraxis und Selbstvertrauen in den ersten Sturmlinien sammeln kann. Man darf nicht vergessen, dass der Konkurrenzkampf in der AHL extrem ist, weil sich viele für einen Einsatz in der NHL empfehlen wollen. Niederreiter wird davon profitieren!

  • Oliver Wymann am 11.02.2013 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Altersunterschied !?

    Nino ist auch noch um einiges jünger als Brunner. Ich bin überzeugt er wird seinen Weg machen... aber wohl nicht in new york! Die haben andere Probleme als auf junge zu setzen. ;-)

  • Peter Müller am 11.02.2013 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    6 jahre

    ich bin der meinung, dass sie nicht dieselben spielertypen sind. nino ist gross und kräftig, brunner ist eher schmal jedoch schneller und mit dem richtigen riecher. nicht zu vergessen, nino ist erst 20 jahre alt. er wird es in den nächsten 6 jahren ziemlich sicher packen. brunner hatte auch noch das glück, dass er sich bereits beim evz mit zetterberg einspielen konnte. klar, man muss die chance immer zuerst noch packen, hat er auch gemacht. die nhl ist aber dermassen schnell (business), dass hier noch nichts entschieden ist. 4-5 spiele mit torflaute, und weg ist der traum...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bossy am 12.02.2013 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Empfehlungsschreiben

    Es braucht nicht nur Glück, um als junger begabter Spieler in der NHL zu landen, sondern auch Fleiss, Anpassungsfähigkeit und Hartnäckigkeit. Seit der forschen Forderung nach einem Trade hat Niederreiter in sieben Spielen für Bridgeport einen (1) Skorerpunkt geholt und einen Penalty verschossen. Das ist kein berauschendes Empfehlungsschreiben, weder für die Islanders, noch für einen andern NHL-Klub. Übrigens: Ryan Johannsen, Klubkollege Ninos bei den Junioren und als Nummer 4 noch vor ihm gedraftet, spielt mittlerweile auch wieder in der AHL.

  • Stacy am 11.02.2013 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Rufener....

    Nino hat in erster Linie die falschen Berater. Mit der Aktion seines Agenten hat er nicht nur Verständniss geerntet. Sein Skating ist nicht nhl-tauglich, seine skorerwerte täuschen zu schön darüber hinweg. Entweder er hat den Willen und die Geduld, sich zu verbessern oder er lässt es sein. Ein Top-Draft ist kein Freifahrtschein, leb damit.

    • knigge am 11.02.2013 23:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @stacy

      du sagst also nino wäre nicht bereit sich zu verbessern? solch eine aussage ist lachhaft!

    • Zaun Gast am 12.02.2013 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      spielt keine rolle

      das nino in der 3-4 Linie spielt ist nicht rufeners schuld und die fragwürdige cap- taktik der islanders auch nicht. sicher lässt sich über die trade-anfrage streiten aber nino schicksal hat nichts damit zu tun

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  • Zaun Gast am 11.02.2013 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    alles halb so wild

    nino hat einen ersten rückschlag erlitten, das hat brunner hinter sich. sollte er bis zum ende seines vertrages keine chance bekommen, wird er, sollten seine aktien wirklich so hoch sein, transferiert. auch das hat brunner hinter sich. seine chancen sind durchaus noch intakt. auf der anderen seite möchte ich den hype um brunner nicht schmälern aber für das label NHL star reicht das noch nicht. auch er muss diese leistung jeden abend wiederholen sonst ist er auch bald wieder in zug...

  • Flix am 11.02.2013 21:13 Report Diesen Beitrag melden

    Loser Truppe

    Das Pech ist, dass die Islanders eine Verlierer Organisation sind. Nur absolute Ausnahme Erscheinungen wie Tavares sind darüber erhaben. Auch Mark Streit muss das gegenwärtig erfahren, und es wird ihn wohl sicher eine Million Salär kosten für den nächsten Vertrag.

  • Eski Moe am 11.02.2013 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Juuunge

    Tja, El Nino = Das Kind... sagt eigentlich auch schon alles!

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