Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
«Time-out»
11. Februar 2013 10:16; Akt: 11.02.2013 11:10 Print
Nino Niederreiter braucht Damien Brunners Glück
von Klaus Zaugg, New York - Der Sonntag hat gezeigt, wie die NHL funktioniert: Damien Brunner (26) hat eine Chance und nützt sie. Nino Niederreiter (20) hat keine.
Die Schweizer in der NHL 2012/2013.
Damien Brunner erzielt in Detroit beim 3:2 gegen Los Angeles sein sechstes Saisontor. Am gleichen Tag darf Nino Niederreiter nicht einmal spielen. Die Partie in Bridgeport gegen Worcester wird ein paar Stunden vor Spielbeginn abgesagt. Der Schnee hat das Leben in der Stadt (150'000 Einwohner) knapp 100 Kilometer nördlich von Manhattan lahmgelegt. Bei uns würde die gleiche Schneemenge nicht einmal für Aufsehen sorgen. Aber hier schert sich der Staat nicht um Schneeräumung. Es fahren weder Taxis noch Busse noch Regionalzüge. Niemanden kümmert es, wenn eine AHL-Partie kurzfristig verschoben wird.
Wenn Nino Niederreiter von seinem Appartement unweit Bridgeport übers Meer blickt, dann sieht er am Horizont auf der anderen Seite des Long Island Sound die Küste von Long Island. Dort drüben bei den Islanders sollte er eigentlich jetzt auch in der gleichen Liga spielen wie Damien Brunner. Aber er ist der NHL so fern wie die Küstenlinie von Long Island.
Eigentlich vergleichbare Spielertypen
Dabei sind Brunner und Niederreiter durchaus vergleichbare Spielertypen. Niederreiter war auch einmal so unbekümmert, frech und stark im Abschluss wie Brunner. Aber das Schicksal der beiden zeigt, wie die NHL funktioniert. Und wie gnadenlos dieses Business ist.
Für die, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind und eine Chance bekommen und diese Chance packen, öffnen sich atemberaubende Karriere-Dimensionen. Für die, die zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sind und keine Chance bekommen, kann eine Karriere für immer knicken. Alle Spieler der Welt wollen in eine einzige Liga, in die NHL. Niemand fragt nach jenen, die Pech hatten. Weil es nicht notwendig ist. Der nächste steht ja schon da.
Brunners Glück, Niederreiters Pech
Damien Brunner war auch einmal in der gleichen Situation wie Nino Niederreiter. Er kam in Kloten einfach nicht über die dritte und vierte Linie hinaus. Wie Nino Niederreiter letzte Saison bei den Islanders. In einem Tauschgeschäft wechselte Damien Brunner nach Zug – und nun begann seine Karriere. Er bekam in Zug seine Chance und nützte sie. Er hatte in Kloten als Hinterbänkler in 50 Spielen 7 Punkte gebucht. In Zug stürmte er endlich im ersten Block und schaffte auf Anhieb 26 Punkte in 35 Spielen. In Zug spielte er diese Saison neben Henrik Zetterberg, dem Captain der Detroit Red Wings. Er hatte deshalb den bestmöglichen Fürsprecher, als er nach Detroit kam. Er durfte im ersten Sturm beginnen und gleich Powerplay spielen. Nie zuvor hatte ein Schweizer beim Einstieg in die NHL so gute Voraussetzungen. Damien Brunner hat diese Chance genutzt.
Nino Niederreiter könnte bei den Islanders an der Seite von John Tavares eine ähnliche Rolle spielen wie Brunner in Detroit neben Zetterberg. Aber Verletzungspech führte dazu, dass er beim NHL-Saisonstart im Herbst 2011 nicht bereit war. Die Rückkehr ist ihm seither nicht mehr gelungen und er hat keine Chance in der ersten Formation bekommen. Er musste hinten anstehen. In der dritten und meistens in der vierten Linie.
Spieler wie Brunner in der dritten oder vierten Linie verloren
Die NHL-Teams sind viel hierarchischer strukturiert als in der NLA. Der regelmässige Einsatz von vier Reihen mit gut verteilter Eiszeit gibt es hier nur in absoluten Ausnahmefällen. Wer im ersten und zweiten Sturm seinen Platz hat, bekommt fast doppelt so viel oder noch mehr Eiszeit als die Hinterbänkler. Nino Niederreiter kam letzte Saison auf durchschnittlich 10 Minuten und 6 Sekunden. Damien Brunner steht jetzt schon bei 17 Minuten und 26 Sekunden. Und es macht einen himmelweiten Unterschied, ob diese Eiszeit mit den besten Offensivspielern oder mit den Defensivsoldaten des dritten oder vierten Blocks verbracht wird. Und wenn es nicht läuft wie bei den Islanders, dann wird es noch schlimmer. Dann bekommen nicht die Nobodys oder die Jungen eine Chance. Dann werden die Stars und Routiniers noch stärker forciert.
Kreative Spieler und Skorer wie Damien Brunner oder Nino Niederreiter sind in der NHL im dritten oder vierten Block verloren. Brunner wäre bei den Islanders unter den gleichen Umständen nicht weiter gekommen als Niederreiter.
Niederreiters Leistungen interessieren nicht
Diese Saison spielt Nino Niederreiter nicht einmal mehr in der NHL. Er verbringt seine Zeit im Farmteam bei Bridgeport in der AHL. Dort ist er zwar ein Teamleader und hat in 44 Spielen schon 37 Punkte produziert. Aber es ist eine Liga, die niemanden kümmert. Und statt 900'000 Dollar verdient er bloss 67'500 Dollar pro Saison.
Nino Niederreiters Agent Andy Rufener hat die New York Islanders um einen Transfer in ein anderes NHL-Team gebeten. Zu einem Team, das ihm eine Chance gibt. Es ist nicht anzunehmen, dass diesem Gesuch entsprochen wird. Damien Brunner hatte in einer ähnlichen Situation mehr Glück. Kloten, das nicht an ihn glaubte und für ihn keine Verwendung hatte, liess ihn damals im Herbst 2008 nach Zug gehen. Zu einem Trainer, der auf ihn setzte.
Nino Niederreiter ist erst 20. Er kann es immer noch schaffen. Aber um aus dem trostlosen Bridgeport herauszukommen, braucht er mindestens halb so viel Glück wie Damien Brunner.
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 75 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt




















Kein Empfehlungsschreiben
Es braucht nicht nur Glück, um als junger begabter Spieler in der NHL zu landen, sondern auch Fleiss, Anpassungsfähigkeit und Hartnäckigkeit. Seit der forschen Forderung nach einem Trade hat Niederreiter in sieben Spielen für Bridgeport einen (1) Skorerpunkt geholt und einen Penalty verschossen. Das ist kein berauschendes Empfehlungsschreiben, weder für die Islanders, noch für einen andern NHL-Klub. Übrigens: Ryan Johannsen, Klubkollege Ninos bei den Junioren und als Nummer 4 noch vor ihm gedraftet, spielt mittlerweile auch wieder in der AHL.
Rufener....
Nino hat in erster Linie die falschen Berater. Mit der Aktion seines Agenten hat er nicht nur Verständniss geerntet. Sein Skating ist nicht nhl-tauglich, seine skorerwerte täuschen zu schön darüber hinweg. Entweder er hat den Willen und die Geduld, sich zu verbessern oder er lässt es sein. Ein Top-Draft ist kein Freifahrtschein, leb damit.
@stacy
du sagst also nino wäre nicht bereit sich zu verbessern? solch eine aussage ist lachhaft!
spielt keine rolle
das nino in der 3-4 Linie spielt ist nicht rufeners schuld und die fragwürdige cap- taktik der islanders auch nicht. sicher lässt sich über die trade-anfrage streiten aber nino schicksal hat nichts damit zu tun
alles halb so wild
nino hat einen ersten rückschlag erlitten, das hat brunner hinter sich. sollte er bis zum ende seines vertrages keine chance bekommen, wird er, sollten seine aktien wirklich so hoch sein, transferiert. auch das hat brunner hinter sich. seine chancen sind durchaus noch intakt. auf der anderen seite möchte ich den hype um brunner nicht schmälern aber für das label NHL star reicht das noch nicht. auch er muss diese leistung jeden abend wiederholen sonst ist er auch bald wieder in zug...