«Time-Out»

03. Dezember 2012 12:06; Akt: 03.12.2012 12:06 Print

Der zerbrechliche Meister-Kandidat

von Klaus Zaugg - Sechs Siege in Serie: Fribourg-Gottéron wird ein heisser Kandidat auf den Meistertitel. Aber dieses Glück ist zerbrechlich wie Glas.

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Ein 4:3-Triumph gegen die unter maximaler Kraftentfaltung stampfende Hockey-Titanic SC Bern. Nur noch drei Punkte Rückstand auf Leader Servette. Gottéron kann die Qualifikation gewinnen. Und trotzdem ist die Mannschaft zu zerbrechlich, zu welsch für einen Titelgewinn.

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die es eigentlich nicht gibt. Schwarze Schimmel, quadratische Kreise oder Mannschaften, die besser spielen und doch verlieren. Denn der Zweck des Spiels ist immer der Sieg. Wer nicht gewinnt, hat also nicht besser gespielt.

Nicht immer gewinnt der Bessere

Und doch hat am Sonntag in Fribourg die bessere Mannschaft verloren. Der SCB war besser, aber Gottéron hat 4:3 gewonnen. Die Feststellung machte nicht etwa einer der Verlierer. Sondern Gottérons Topskorer Christian Dubé. Er sagte gegenüber 20 Minuten Online: «Eigentlich war Bern besser.» Was sich sogar statistisch nachweisen lässt. Der SCB dominierte auswärts mit 38:21 Torschüssen.

Wir haben einen mächtigen SCB gesehen, der mit allen vier Linien konstant Druck entwickelte. Eine grosse Hockeymaschine unter Volldampf. Und doch setzte es eine Niederlage ab. Christian Dubé hatte dafür eine Erklärung. Er sagte: «Julien Sprunger.»

Auf ganz eindrückliche Weise hat Fribourg-Gottéron in diesem intensivem Spektakel gezeigt, dass es ein zerbrechlicher Meisterkandidat ist. Zerbrechlich, weil eigentlich zu wenig gross, schwer und rumpelfest für die Playoffs. Zum Vergleich: Gottérons Schillerfalter sind im Schnitt 180 Zentimeter gross und 85 Kilo schwer. Die Berner wiegen durchschnittlich 88 Kilo und messen 182 Zentimeter.

In lichten Momenten und bei spielerisch schönem, wolkenlosem Wetter kann das Talent die Kraft, das Genie die Wucht, die Schlauheit den Willen besiegen. Genau das ist passiert. Gottéron war auch dann nicht gezähmt, als es dominiert und in die Defensive gedrängt wurde. Als der Puck immer mehr den Weg der Berner ging.

Die Geniestreiche der Einzelspieler

Gottéron siegte, weil es unter Trainer Hans Kossmann für eine welsche Mannschaft defensiv erstaunlich diszipliniert spielen gelernt hat. Weil es mit Benjamin Conz nicht den besten Goalie hat. Aber vielleicht den coolsten in heissen Phasen. Und vor allem, weil es Einzelspieler hat, die aus dem Nichts heraus ein Tor kreieren. Die einen winzigen Augenblick der gegnerischen Unaufmerksamkeit mit «tödlicher» Präzision ausnützen.

Manchmal ist Topskorer Christian Dubé so ein Spieler. Manchmal Pavel Rosa. Manchmal Simon Gamache. Gegen den SC Bern waren es zwei andere: Julien Sprunger und Andrej Bykow. Sie hatten die Stöcke bei drei der vier Treffer im Spiel. Es gibt einige gute Skorer mit Schweizer Pass. Aber keinen Kunstschützen wie Sprunger. Er kann an einem guten Abend sogar für ein paar Augenblicke besser sein als Damien Brunner. Beim ersten Tor (zum 2:0) traf er mit einer Direktabnahme und der Siegestreffer war ein unheimlich harter Schlagschuss. Der Puck zischte unhaltbar für Marco Bührer über die Linie. In den Worten von Christian Dubé: «Sprunger is a pure goal scorer.» So wie Julien Springer jagte einst Andrej Chomutow die Scheiben ins Netz. Meistens auf Pass von Slawa Bykow. Nun ist Slawas Sohn Andrej meistens der Passgeber für Sprunger.

Dieses 4:3 ist ein grosser, ein spektakulärer Sieg für Gottéron. Aber ein verlorener Sieg im Hinblick auf den Titelkampf. Diese Niederlage hat auf das Selbstvertrauen der Berner weniger Einfluss als ein umgestürztes Fahrrad in Peking. Sie wissen: Dieses Spiel könnte zehnmal wiederholt werden und sie würden es neunmal gewinnen. Eine Gefahr wird dieses zerbrechliche Gottéron in den Playoffs nicht sein. Zumindest nicht, solange die Dinge so sind wie sie jetzt sind.

Es geht auch ohne NHL-Stars

Beginnt der Spielbetrieb in der NHL nämlich doch noch, dann wird aus dem zerbrechlichen Titelkandidat Gottéron ein echter Anwärter auf den Meistertitel. Kein anderes Spitzenteam ist so unabhängig von NHL-Stars wie Gottéron.

Am Dienstag kommt Zug. Ein weiterer Rumpeltest für den zerbrechlichen Titelanwärter. Gottéron ist die spielerisch beste Mannschaft unserer Hockeygeschichte, die nie eine Meisterschaft gewonnen hat. Auch nicht mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow. So spektakulär Gottéron bisher auch spielen mochte – bis heute hat es am Ende immer ein Team gegeben, das kräftiger, härter und böser war.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ivo Burgener am 04.12.2012 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gottéron ist gefestigter als letzte Saison

    Bin ein junger 23 jähriger Fan vom EHC Visp und komme aus dieser Region. Ich gehe an fast jedes Spiel von Visp, ausser wenn sie an einem Dienstag nach Wrinfelden müssen usw. Die NLA interessiert mich natürlich auch und bin ein grosser Sympatisant von Gottéron. Ich denke schon das Gottéron stark genug ist um Meister zu werden. Wenn sie die Leistungen konservieren können ... wie heisst nochmals dee Lockoutspieler von Gottéron? Der spielt nicht schillernd und auffällig, sondern passt aus meiner Sicht perfekt ins System von Gottéron. Und ja. Wenn der gute Klaus Zaugg sagt, das Gottéron nicht Meister werden kann, dann glaube ich um so mehr an den Titel pour les Fribourgois.

  • billu bielmann am 03.12.2012 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pressequatsch

    An alle leute da draussen! bitte lasst euch doch nicht provozieren von dem pressequatsch!!! die saison ist noch lange genug und wenn das letzte spiel gespielt ist wird man sehen wer zu oberst sitz!!! es wird noch so viel passieren bis ende april!!!

  • Gotteron Fan am 03.12.2012 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fribourg Gotteron

    Also ich muss sagen dass Fribourg Gotteron im Moment wirklich ein tolles Spiel zeigt! Der SCB hat die Partie wirklich dominiert und Wahnsinns Hockey gezeigt!! Aber Fribourg hatte die besseren Nerven und konnten die Chancen besser verwerten.. Ich hoffe nur dass die NHL wieder anfängt.. Die Liga ist völlig "verfälscht"..das beweist bei Genf( Ohne Couture 1:5 Niederlage (!)) Aber an alle hockeyfans: Hoffen wir dass der Bessere am Schluss in den Playoff gewinnt ;) natürlich hoffe ich dass Gotteron Meister wird aber jetzt zu sagen dass sie Meister werden können ist ein bisschen zu früh.. Allez HCFG

  • Don D am 03.12.2012 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst statt Titel

    Im Kern hat Klaus nicht unrecht. Gotteron wird es in den Playoff nicht einfacher haben und wohl auch in diesem Jahr ohne Titel bleiben. Aber was solls, Gotteron ist einfach kultig und zu St.Leonard wird man während dem ganzen Jahr jeweils sehr gut unterhalten. Etwas feucht fröhlicher, katholischer und welscher halt als in "zwinglilanden"

    • Marc Schwaller am 04.12.2012 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Allez Gottéron

      Sehr gut geschrieben. Und wenn es vielleicht wirklich mal zum Titel reichen sollte, dann wird man eine Meisterfeier erleben, die noch niemand gesehen hat, ausser vielleicht die Langnauer 1976, als die Feier vom Dienstag nach dem Spiel bis zum Wochende dauerte und viele Kleinbetriebe erst wieder am folgenden Montag so richtig rentierte. Allez Gottéron!!

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  • irni am 03.12.2012 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meister

    Zum ersten mal denke ich das Freiburg Meister wird, weil Zaugg das Gegenteil sagt ;-)

    • Word! am 03.12.2012 16:40 Report Diesen Beitrag melden

      Word!

      word! und das als HCD fan!!

    • Never Ever am 03.12.2012 19:24 Report Diesen Beitrag melden

      Unmöglich

      FR wird niemals Meister. Niemals!

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