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«Time-out» mit Klaus Zaugg
10. März 2010 07:51; Akt: 10.03.2010 08:04 Print
Li-La-Laune-Lugano oder der Tanz der Clowns
Gewinnt der SC Bern am Donnerstag in Lugano auch sein zweites Spiel, dann ist der Fluch von 2006, 2008 und 2009 gebannt. Diese Viertelfinalserie wird geprägt durch den Tanz der Torhüter-Clowns.
Die besten Bilder der ersten Playoffrunde.
Beide spielten früher in der Nationalmannschaft. Beide mussten die Nachfolge von Titanen (Renato Tosio bzw. Patrick Roy) antreten. Beide haben einen Titel geholt. Beide spielen diese Saison nicht auf ihrem besten Niveau. Beide haben noch einen Vertrag bis zum Ende der nächsten Saison. Und beide sind umstritten: Berns Marco Bührer (31), Meister mit dem SCB (2004) und Luganos David Aebischer (32), Stanley Cup-Sieger mit Colorado (2001).
David Aebischer: Der Butterfly-Goalie lässt zu viele Abpraller zu.
Der SCB hat auch 2006 (3:0 gegen Kloten) 2008 (5:3 gegen Gottéron) und 2009 (5:2 gegen Zug) das erste Viertelfinal-Spiel zu Hause gewonnen und ist trotzdem als Qualifikationssieger in der ersten Runde ausgeschieden.
Doch der SCB steht diesmal, wenn es denn eine Logik aus der Hockeygeschichte gibt, bereits mit einem Bein im Halbfinal. Warum? Weil jetzt etwas ganz anders ist: Der SCB war 2006 (gegen Kloten), 2008 (Fribourg) und 2009 (Zug) am gegnerischen und am eigenen Torhüter gescheitert: Klotens Tobias Stephan, Gottérons Sébastien Caron und Zugs Lars Weibel waren klar besser als Berns Marco Bührer.
Aebischer der Schwachpunkt ohne Unterstützung
Diesmal ist es anders. Nicht weil Bührer besser ist als 2006, 2008 und 2009. Sondern weil beim Hockey-Zirkus Lugano mit David Aebischer der Clown im Tor steht. Das ist doppelt verhängnisvoll. Denn Aebischer hat vor sich keine Abwehr. Sondern einen Hockey-Zirkus. Dieses defensive Li-La-Laune-Lugano spielt in der eigenen Zone so nachlässig wie eine Mannschaft beim ersten Saisonvorbereitungsspiel Anfang August, wenn der Trainer noch in den Ferien weilt und der Materialwart an der Bande steht.
Zur Verteidigung von Aebischer wollen wir nicht verschweigen, dass hinter Luganos Holiday on Ice-Abwehr wahrscheinlich auch die beiden Olympia-Finaltorhüter Ryan Miller und Roberto Luongo zu Lottergoalies würden.
Heute der Depp, morgen der Held?
Nun ist es so, dass im Sport manchmal die Deppen von heute die Helden von morgen sind - und umgekehrt. Erst recht in einer Playoffserie. Kann Lugano also diese Serie vielleicht doch gewinnen? Talent und offensive Feuerkraft haben die Tessiner ja genug.
Nur einer kann dieser Serie eine andere Richtung geben: David Aebischer. Aber dann muss er im Hockey-Zirkus Lugano vom Clown zum Star werden.
Und damit wird diese Serie zum Tanz der Goalie-Clowns. Ich beleidige mit dieser Formulierung weder Marco Bührer noch David Aebischer. Denn Clowns sind Artisten, deren Kunst es ist, in meistens zu grossen Kleidern (wie beispielsweise Torhüterausrüstungen) Menschen zum Erstaunen, Nachdenken oder zum Lachen zu bringen. Und zu Erfreuen.
Unterhaltung total
Genau das haben Aebischer und Bührer im ersten Viertelfinalspiel am Dienstag im Berner Hockeytempel getan. Die Zuschauer staunten über die zwei haltbaren Tore, die Marco Bührer kassierte und wurden im Hinblick auf die Fortsetzung der Playoffs nachdenklich. Sie erfreuten sich jedoch am Sieg ihres SCB und lachten wohl auch ein wenig über die komischen Szenen vor Aebischers Kasten und die seltsamen Tore, die er kassiert.
Es war ein bitterer Abend für Aebischer. Er war ein Held in der alten NHL, als vor dem Tor nach Sitte und Brauch der Landsknechte auf- und abgeräumt werden durfte. «Null Toleranz» (seit dem Herbst 2005) ist dem wilden Butterfly-Riesen (186 Zentimeter gross) zum Verhängnis geworden. Nur noch hinter einer defensiv gut organisierten Abwehr mit aufmerksamen Verteidigern, die Abpraller wegputzen und mit Eisschach dafür sorgen, dass nie mehr als ein Stürmer in Abschlussposition kommt, könnte Aebischer heute noch einer der besten Goalies der Liga sein. Hinter Luganos Lotter-Verteidigung hätte nur ein cooler Blocker eine Chance, der kaum Pucks abprallen lässt. Weil das Defensivverhalten so miserabel ist, haben die gegnerischen Stürmer in Luganos Verteidigungszone so viel Raum und Zeit, dass sie Aebischer zum Tanzen bringen können. Und wenn er tanzt wie am Dienstag in Bern, kassiert er haltbare Treffer. Butterly-Stilisten wie Aebischer sind verloren, wenn sie tanzen.
Findet Bührer seine Ruhe?
Und Bührer? Obwohl ein ganz anderer Stilist als Aebischer, ist auch er jetzt ein tanzender Torhüter. Bührer («nur» 179 Zentimeter gross) ist ein Reflexgoalie wie einst Olivier Anken oder Reto Pavoni und spielt dann in Hochform (wie in der Meistersaison 2003/04), wenn er mit stoischer Ruhe bis zuletzt wartet, ehe er reagiert. Wenn er durch gutes Positionsspiel und blitzschnelle Seitwärtsbewegungen seinen Kasten so gut abdeckt wie ein grosser Butterfly-Stilist durch Fläche und Winkelspiel. Ist Bührer nur leicht verunsichert, dann wird er hektisch und beginnt zu tanzen, verliert seine Position und kassiert haltbare Treffer. So wie im ersten Viertelfinale gegen Lugano.
Übersteht der SCB erstmals seit 2007 die erste Runde, dann kann das Vorrücken ins Halbfinale Bührer die Ruhe zurückbringen, die er braucht, um wieder ein Meistergoalie zu werden. Gelingt es Aebischer, den HC Lugano erstmals seit 2006 wieder ins Halbfinale zu hexen, ist er rehabilitiert - und Bührers Ruf ruiniert.




























